Die Unbezwingbarkeit der Lehre

Ich fordere dich, weil ich dich achte (Makarenko).

makarenko

  • Wenn Sie, ausgehend von diesem Zitat, das Interesse verspüren, sich über den sowjetischen Pädagogen Anton Semjonowitsch Makarenko zu informieren, dann tun sie es. Seine umstrittenen Ansätze erweitern, wenn sie kritisch gelesen werden, den didaktischen Horizont.
  • An dieser Stelle frage ich, welche Ziele bei unserer Arbeit mit den Kindern an oberster Stelle stehen?
  • Es sind die Entfaltung aller inneren Kräfte, die selbstbestimmte Persönlichkeit, der freie Wille, das kritische Denken. Damit meine ich nicht nur die Kinder sondern auch uns als Lehrende. Die Arbeit mit den Kindern trägt auch zu unserer Persönlichkeitsentfaltung als Erwachsene bei.
  • Kurz ein Hinweis: Die eben genannten schönen Ziele der Entwicklung zur freien Persönlichkeit bedeuten nicht, dass wir alles dürfen. Bestimmte Dinge müssen nach gewissen Vorgaben geschehen. Am Instrument, beim Tanz, beim Sport, bei der Versorgung von Tieren. Und sagen Sie den Kindern, dass wir alle auch Pflichten haben. Aber wir wissen, dass es welche sind und gehorchen nicht blind.
  • Dabei bin ich jetzt am entscheidenden Punkt. Unbezwingbar wird Ihre Lehre, wenn die Kinder Ihnen als aufrichtigem Menschen und Gesprächspartner vertrauen können. Wenn Sie es schaffen, auch in Ihrer eigenen Verletzlichkeit, vor die Kinder zu treten und zu sagen: Suchen wir gemeinsam nach Sinnhaftigkeiten, Strategien, Lösungswegen und Ähnlichem. Geben Sie eigene Schwierigkeiten zu. Auch wir können nicht alles. Auch wir machen Fehler, begehen Ungerechtigkeiten, treten in Fettnäpfe und sind zuweilen unaufmerksam.
  • Nichts ist schlimmer als eine Lehrperson, die alles besser weiß, rechthaberisch auf die Umsetzung von (übrigens immer fragwürdigen) Regeln beharrt, für alles eine Lösung verspricht und womöglich mit immer schärferen Maßnahmen droht.
  • Reichen Sie stattdessen den Kindern die Hand, öffnen Sie Türen für andere Präsentationen der Persönlichkeit.
  • Ein Kind, das mobbt, ist nicht frei. Ein Kind, das ständig stört, ist getrieben von dem Wunsch nach Anerkennung. Provokationen, ich sagte es schon an anderer Stelle, sind Phänomene, die nicht immer als Beleidigung deklariert werden müssen.
  • Nun sagen Sie: Super, alles schön, klingt klasse, aber wie schaffe ich das?
  • Reflektieren Sie Ihre Persönlichkeit, durchforschen Sie Ihr Inneres nach den Prägungen, die Sie geformt haben. Stellen Sie sich selbst in Frage. Der Umgang mit problematischen Lerngruppen kann langfristig Ihr Wesen stärken. Wie?
  • Nun ja, wenn sie es schaffen, nicht ständig zwanghaft auf alles und jeden zu reagieren, wenn Sie die Größe haben, Schwäche zu zeigen. Wenn Sie Erziehungsakte wie Disziplinierung auch in die Gruppe hineingeben. Sie müssen nicht alles kontrollieren, nicht alles wissen und verstehen, nicht für alles einen Plan oder eine Erziehungsstrategie haben.
  • Ein Beispiel aus meinem Leben: 6. Stunde in einer 6. Klasse, Fach Musik. Als Berufsanfängerin betrete ich den Raum. Ohrenbetäubende Musik (wir haben ja Musik), exaltiertes Tanzen, Besen als Mikrofon, niemand auf dem Platz usw. Scham steigt in mir hoch, bei diesem Lärm blamiere ich mich vor allen Kollegen zumindest dieses Flures. Also: laute Stimme, schimpfen, drohen, Besen wegnehmen etc. Dazwischen ein paar sehr nette Mädchen, die eine Unterhaltung anfangen wollen: Ihr Pullover ist hübsch, Ihre Augen schön grün, Ihr Haarband steht Ihnen…. Ich leider zu gestresst. Setzt euch hin, seid endlich leise, ich möchte endlich anfangen bla, bla, bla.. Ich war damals noch nicht so weit, abzuwarten, zu beobachten, Schwingungen wahrzunehmen, die Lerngruppe zu verstehen lernen. Als wir im Laufe des Schuljahres über die Situation, die nicht besser wurde sprachen, sagten die Mädchen zu mir: Merken Sie eigentlich nicht, dass wir Ihnen immer ein Kompliment machen, wenn Sie kommen. Und Sie fangen immer gleich zu schimpfen an. Die Mädchen hatten Recht.
  • Vertrauen wir doch der in uns wohnenden Menschlichkeit. Den Erfahrungen, die wir machen. Der Stimmung im Miteinander, der Färbung der Schwingung.
  • Stärken Sie Kinder, die sich öffnen. Bestätigen Sie Kinder, die Ihre Schwächen artikulieren. Seien Sie versöhnlich, vergeben Sie. Sind wir frei von Fehlern?
  • Schaffen Sie dauerhafte Lernszenarien, in denen wir gemeinsam die Anregung zur Selbstwahrnehmung finden. (Ich erzielte dann in der Klasse ganz guten Erfolg mit Wagners ‚Walkürenritt‘. Die Musik war krasser als die Kinder :-D.
  • Lockern Sie niemals Ihren Anspruch auf die Verfeinerung Ihrer Persönlichkeiten. Sind Sie eitel? Macht Ihre Bildung Sie überheblich? Möchten Sie sich in einem glänzenderen Licht darstellen? Kompensieren Sie eigene Schwäche durch besondere Härte? Möchten sie for ever young, begehrenswert, attraktiv, sportlich und unbeschwert erscheinen? Vergessen Sie das alles, denn die Kinder werden Sie durchschauen.
  • Unbezwingbar in der Lehre sind Sie, wenn Sie einen konsequenten Bildungsweg verfolgen, der von höchster innerer Aufrichtigkeit und von einem ehrlichen Drang nach Erkenntnis geprägt ist. Zu dieser Erkenntnis gehört auch der tiefgehende Umgang mit den Phänomen der Welt, die heute ungern gehört werden. Dazu gehören Vergänglichkeit, Abschied, Trauer. Hotwords wie ich gerade gelernt habe.
  • Es kann sehr gewinnbringend sein, Transition zum einem immer wiederkehrenden Unterrichtsgegenstand zu machen. Sich Übergängen bewusst zu werden und Abschiede aushalten zu können und zu zelebrieren ist die erste Stufe zu einem erfüllten Leben.
  • Und damit sind wir am Punkt: Wie mache ich das Beste aus meinem Leben und wie befähige ich meine Schüler*innen dazu?
  • Indem Sie auch Ihre dunklen Seiten beleuchten, die Katastrophen, die Fehlentscheidungen, die Schwächen, die Umwege, die Ratlosigkeiten innerhalb Ihrer Biographie. Gestehen Sie sich auch das Unbequeme ein. Teilen Sie es mit den Kindern. Denn gerade sie sind im wahrsten Sinne Suchende.
  • Wir muten damit den Kindern nicht zu viel zu, im Gegenteil. Wir machen Sie zu Partnern bei der Hinterfragung von Lebensumständen, Schicksalen, Hoffnungen, Sehnsüchten.
  • Nur so kann innerhalb der Lehre der gemeinsam gelebte Traum von der Unbezwingbarkeit menschlicher Würde gelingen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: https://www.google.com/search?q=makarenko&tbm=isch&ved=2ahUKEwjC1faUlu7tAhWKOuwKHRm5BKcQ2#imgrc=n08YTXmoZBObuM

61 Kommentare

  1. „Ich fordere dich, weil ich dich achte“ ist ein wunderschönes Zitat von Makarenko. Dieser Beitrag ist sehr lehrreich und enthält viele gute Tipps, die goldwert sind. In der ersten Woche als Vertretungslehrerin kam ich in das Klassenzimmer der 3c hinein und versuchte Ordnung in die Klasse zu bringen. Alle Kinder haben geschrien, mit Sachen um sich geworfen, manche Kinder haben sich gegenseitig beleidigt, aber ein Mädchen kam zu mir und begrüßte mich. Ich habe sie zurück gegrüßt und habe danach geschrien, und einige Kinder ermahnt, dass, wenn sie nicht ruhig sind, sie die Pause im Klassenzimmer verbringen müssen. Nach dieser Drohung kehrte allmählich Ruhe in der Klasse ein und ich konnte meinen Unterricht beginnen. Das erste Mal unterrichten war sehr aufregend. Mein Puls war hoch und ich hatte Angst, ihnen nichts beibringen zu können. Jedoch lernte ich die Klasse in den nächsten Woche gut kennen und mithilfe von Ritualen konnte ich die Klasse dann auch einigermaßen in Schach halten. Doch bei den jahrgangsübergreifenden Klassen war es für mich viel schwieriger, da in diesen Klassen eine größere Anzahl an SchülerInnen war. In der ersten Woche habe ich zu der lauten Klasse gesagt „halt die Klappe“. Ich wurde darauf zum Direktor gerufen und er meinte zu mir, dass ich anstatt „halt die Klappe“ sagen, hätte eher „halt den Mund sagen sollen oder am besten gar nichts sagen und warten bis die SchülerInnen von alleine ruhig werden. Auch hat mir noch einige Tipps gegeben und so hat mein Unterricht in den verschiedenen Klassen immer besser geklappt. Es ist durchaus normal als Mensch und auch als Lehrer Fehler zu machen. Die Fehler sind dazu da, dass man aus ihnen lernt. Deshalb ist es wichtig, dass man als Lehrperson allen Kinder die gleiche Chance gibt, sich zu entfalten trotz individueller, charakterlichen Persönlichkeiten. Kinder, die andere Kinder mobben, haben ein großes Problem mit sich selbst und anstatt über sich selbst nachdenken zu müssen, ärgern solche Kinder andere, um sich größer zu fühlen.
    Zum Schluss möchte ich mich bei Ihnen für die vielen lehrreichen, informativen und wertvollen Tipps bedanken, die Sie uns Studenten gegeben haben. Ganz besonders Ihren letzten Beitrag habe ich gerne gelesen. Ihre Offenheit macht Mut und mir ist klar, dass ich mir nicht den einfachsten Beruf in der heutigen Zeit ausgesucht habe.

    3. Januar 2021
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    • Well done, Katharina! Möge Ihr Weg ein erfolgreicher sein! Den Grundstein dazu haben Sie glegt.

      4. Januar 2021
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  2. Maxi F. sagte:

    „Der Umgang mit problematischen Lerngruppen kann langfristig Ihr Wesen stärken“. Im Praktikum stehe ich vor einer Lerngruppe, die mich herausfordert. An manchen Tagen fällt es mir schwer, die Handlungen der Schüler*innen von meinem Selbstwert zu trennen. J., 9 Jahre liebt es laut in die Klasse hineinzurufen, während ich in einer frontalen Phase ein Spiel erkläre „Lalalala“ oder „Nöö!“ oder auch die Lösungen. Einerseits weiß ich, dass J. nur einen Freund in der Klasse hat, dass er gemobbt wird, dass er auch selbst Schüler*innen ärgert, dass er vermutlich im Authismusspektrum ist, dass er die Folgen seiner Handlungen nicht abschätzen kann. Ich weiß sogar, dass er mich mag. Dennoch fühle ich mich gedemütigt, dass er meinen Vortrag unterbricht. Zusätzlich bin ich im Konflikt, dass ich das nicht zulassen soll, dass er stört, doch er würde nicht freiwillig aus der Klasse gehen. Diese Situation löste sich durch die anderen Lehrkräfte – durch die vielen Kinder mit Förderbedarf sind mit mir immer 3-5 Pädagog*innen im Raum.
    Die Gedanken im oben genannten Beitrag entsprechen meinen Idealen. Ich möchte authentisch sein und meine Menschlichkeit auch zeigen, mit Kindern gemeinsam den Unterricht gestalten.
    An einem anderen Tag habe ich J. gefragt, warum er das macht, in den Unterricht der Lehrkräfte reinzurufen. Er erzählte mir, ihm sei langweilig, das sei alles zu einfach. Auch meinte er zum Unterricht konkret, das wir zu lange brauchten, um anzufangen.
    Und in den nächsten Wochen fiel mir dann auf, wie schnell er mit seinen Aufgaben fertig ist. Während andere noch die Überschriften schreiben, hat er das ganze Blatt ausgefüllt. Er bekommt auch von uns Lehrkräften Aufmerksamkeit, wenn er stört, anstatt für seine (herausragenden) Leistungen. Ich habe dadurch von J. gelernt, indem ich ihn gefragt habe, so wie ich eine Erwachsene auch fragen würde, warum sie sich so verhält.

    6. Januar 2021
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  3. Maria Leps sagte:

    Ein sehr lehrreicher Artikel mit großem Mehrwert!
    Während des Lesens viel mir der Aspekt der Vorbildfunktion ein. Fällt es einem selbst leichter, mit eigenen Fehlern umgehen zu können, spiegelt sich das auch auf die Kinder wieder. Ist man offen und bereit Fehler ehrlich zugeben zu können, vermute ich, fällt es den Kindern auch leichter, Dinge in Angriff zu nehmen, bei denen sie eigentlich einschätzen würden, dass sie es nicht komplett schaffen würden. Herrscht in der Klasse jedoch eine angstfreie und fehlertolerante Atmosphäre, die von der Lehrkraft geprägt wurde, erzielen die Kinder vermutlich neue, andere Ergebnisse.
    Ich werde es im Ref und im weiteren Berufsleben als Lehrkraft in Erinnerung behalten.
    Vielen lieben Dank dafür!

    6. Januar 2021
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    • Kathleen Sz sagte:

      Ich stimme dem Kommentar davor zu, dass Lehrkräfte für viele Schüler*innen eine Vorbildfunktion sind.
      Als Lehrkraft darf man allerdings auch Fehler machen, muss diese dann aber eingestehen. Denn auch Lehrkräfte können und müssen nicht alles Wissen. Man kann in diesem Fall selbst nachschauen oder lässt die Schüler*innen selbst forschen.

      Ich selber habe mitbekommen, dass störende Kinder Aufmerksamkeit benötigen, in einigen Fällen ist dies aber auch ein Hilferuf. In einem mir bekannten extremem Fall gibt es ein Kind, welches stört und noch andere Sachen macht. Auf diese möchte ich allerdings nicht weiter eingehen.
      Das Kind respektiert aber die Lehrkraft, weil diese, klare Regeln hat. Alle Schüler*innen wissen das und befolgen diese.
      Wenn etwas passiert, werden die anderen Schüler*innen mit einbezogen, z.B. bei Abstimmungen.

      19. Januar 2021
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  4. Jessica Perkovic sagte:

    Am Anfang meines Praxissemesters war ich schier verzweifelt: Die Kinder meiner Klasse waren so unglaublich frech und respektlos, sie waren laut und ließen mich teilweise komplett auflaufen. Unterrichtstörungen waren eher die Regel als die Ausnahme. Gegen einige Kinder, die besonders respektlos waren, fasste ich eine regelrechte Abneigung, obwohl ich als Lehrkraft das eigentlich nicht durfte. Doch mit der Zeit lernten mich die Kinder besser kennen und ich sie. Sie fassten Vertrauen zu mir und ich zu ihnen. Ein besonderer Wendepunkt stellte mein Unterrichtsprojekt im Sachunterricht dar, ich dem ich ihnen die Möglichkeit gab, frei zum Thema Mobilität zu forschen und ihnen auch die Art der Ergebnispräsentation freistellte. Die Kinder waren begeistert, glänzten regelrecht mit ihrem Expertenwissen und malten Plakate, zeichneten Comics oder drehten sogar Filme. Dadurch, dass ich ihnen mein Vertrauen zum freien Arbeiten aussprach und mich wirklich über ihre individuellen Ergebnisse freute, nahmen mich die Kinder plötzlich anders war: Nicht mehr nur als Lehrkraft, die Leistung fordert, sondern als Mensch, der sich für sie interessiert. Ich dagegen erkannte in ihnen Persönlichkeiten mit ihren Stärken und Schwächen und nicht nur nervige Unterrichtsstörer. Es war ein absoluter Wendepunkt: Ich reichte ihnen die Hand und sie reichten mir ihre, ganz so wie oben im Artikel beschrieben. Ich hoffe, ich werde mir dieses Erlebnis immer vor Augen halten, wenn ich in meiner weiteren Arbeit als Lehrkraft mit solchen Herausforderungen konfrontiert bin.

    6. Januar 2021
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  5. Kimberley Goldbach sagte:

    Vielen Dank für diesen sehr lehrreichen Beitrag. Ich kann Ihrem Beitag nur zustimmen, denn ich denke man sollte den Schülerinnen und Schülern immer authentisch und ehrlich gegenübertreten. Nur so ist ein offener, wertschätzender und respektvoller Umgang miteinander möglich und schafft eine gute Lehrer- Schüler- Beziehung. Meiner Meinung nach ist die Lehrer – Schüler- Beziehung das A und O. Nur wenn man sich als Lehrkraft gegenüber seinen Schülerinnen und Schülern öffnet, seine Stärken und auch seine Schwächen mitteilt, dann öffnen sich auch die Kinder. Es ist wichtig als Lehrkraft eine angstfreie Atmosphäre zu schaffen, sodass die Kinder lernen, dass Fehler zu machen, Schwächen zu besitzen nicht schlimm ist. Die Kinder sollten erfahren, dass Schule nicht nur ein Ort ist an dem man Lesen, Schreiben und Rechnen lernt, sondern auch ein Ort darstellt, wo sie mit ihren Schwächen und Problemen wahrgenommen und aufgefangen werden.

    6. Januar 2021
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  6. Jane Deutscher sagte:

    Ich denke auch, dass es genau darum geht: Wir alle sind Menschen und grundsätzlich möchte keiner dem anderen etwas böses. Hinter jedem Verhalten steht ein Bedürfnis. So tut auch kein Kind etwas, um jemanden zu schaden (den Unterricht zu stören, die anderen vom Lernen abzuhalten), sondern tut bestimmte Dinge nur, um ein unerfülltes Bedürfnis zu befriedigen. Mit dieser Annahme ist so vieles klarer und nimmt vor allem auch den Druck. Auch das Hinterfragen von Regeln ist ein wichtiger Aspekt. Verbieten wir etwas, weil MAN es eben nicht so macht?! Es ist nicht immer leicht und teilweise auch ein wirklich schwerer Weg, weil wir mit Glaubensätzen erzogen worden sind, die uns impulsiv und irrational handeln lassen. Stets die eigenen Beweggründe hinterfragen und immer wieder in Reflexion und im Prozess bleiben, tief festsitzende und vor allem negative Glaubenssätze aufbrechen, das ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aufgaben, wenn wir authentisch und friedvoll mit anderen umgehen möchten und das nicht nur im Klassenraum.

    6. Januar 2021
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    • Katarina Drese sagte:

      In dem Beitrag ist vieles angesprochen, was mich besonders als Studierende beschäftigt.
      Zur Zeit darf ich an einer Grundschule hospitieren und begegne dabei vielen unterschiedlichen Lehrerpersönlichkeiten und beobachte ihre Wirkung auf die Kinder. Das fachliche und zum Teil auch das pädagogische Geschick treten häufig in den Hintergrund, vielmehr scheint die Stimmung im Klassenraum davon abhängig zu sein, wie die Lehrkraft mit den Kindern umgeht.
      Im Beitrag von Jane Deutscher lese ich deutlich einen Bezug zur Gewaltfreien Kommunikation heraus.
      Ich finde es auch wichtig, dass PädagogInnen lernen sollten Strategien von Bedürfnissen zu unterscheiden. Auch hinter vermeintlich störendem Verhalten im Unterricht stecken Bedürfnisse bei den SchülerInnen. Die Aufgabe der PädagogInnen besteht darin, diese zu erkennen. Es ist davon auszugehen, dass kein Kind den Unterricht stört, um die PädagogInnen zu verärgern.

      15. Januar 2021
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  7. Christopher Mischow sagte:

    Es heißt ja oft man soll „den Kindern auf Augenhöhe begegnen“. Übereinstimmend mit den Ratschlägen hier, bedeutet das für mich, auch Schwächen, Fehler und eigene offene Fragen zuzugeben. Die Kunst ist es, so denke ich, die richtige Balance zu finden. Ein gewisses Maß an Respekt stets einzufordern ist auch eine Art der Forderung und damit nach Makarenko eine Form der Achtung. Das bedeutet aber nicht, dass harte Strafen oder Gebrüll ein probates Mittel wären, diesen Respekt zu gewinnen. Ich finde da den Gedanken sehr hilfreich stattdessen den Kindern mit Menschlichkeit zu begegnen. Das signalisiert dem Kind: „Da ist jemand, der mich fordert mich besser zu verhalten, ich bin ihm nicht egal, aber er respektiert mich als Mensch.“ Und das ist eine sehr positive Botschaft.

    7. Januar 2021
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  8. Lisa K. sagte:

    „Scham steigt in mir hoch, bei diesem Lärm blamiere ich mich vor allen Kollegen zumindest dieses Flures.“ Vielen Dank für diesen Satz!
    Ich habe während meines Praktikums oft die Erfahrung gemacht, dass ich mich zu sehr an meiner betreuenden Lehrkraft orientiere. Ein Beispiel: Mich stört es in der Regel nicht, wenn sich die Kinder im Unterricht leise (oder auch manchmal etwas lauter) mit ihren Sitznachbar*innen unterhalten. Ich denke eigentlich, dass es manchmal helfen kann, wenn sie kurz loswerden können, was sie bewegt. Allerdings besteht die Klassenlehrerin auf absolute Ruhe, ermahnt die Kinder, benutzt eine Klangschale oder andere Methoden, die Kinder wieder zum Arbeiten zu bringen. Dadurch sehe ich mich auch oft gezwungen einzugreifen, obwohl es mir gar nicht wichtig wäre. Ich wünsche mir im weiteren Berufsleben mehr Gelassenheit und dass mir die Meinungen und Ansichten meiner Kolleg*innen egaler werden.

    7. Januar 2021
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    • KD sagte:

      Ich habe sehr ähnliche Erfahrungen gemacht und habe eine ganze Weile gebraucht mich davon zu lösen. Meine Mentoren haben neutral gesehen alle die Klasse „gut im Griff“ sie haben viel Erfahrung im Beruf und ziehen schon eine Weile ihren Stiefel durch, dabei ist die Klasse auch immer ruhig und wirkt regelrecht gehorsam. Das hat in mir recht schnell den Druck aufgebaut auch so eine ruhige Klasse zu haben, mit der ich genau so viel schaffen kann wie meine Mentoren. Damit bin ich jedoch recht schnell auf die Nase gefallen und es ging mir nach meinen ersten Stunden gar nicht gut. Ich habe durch meine Art eine regelrechte Distanz zu den Kindern aufgebaut und war gedanklich gar nicht so bei ihnen, wie ich es gern gewollt hätte, da ich die vielen Gedanken an meine ach so tollen Ansprüche im Kopf hatte, die mich eigentlich nur reglementierten und zurückhielten. Deshalb möchte ich mich auch noch einmal für diesen Beitrag bedanken, der mich darin noch einmal bestärkt ich selbst zu sein und mich und meine Einstellungen auch erstmal so zu akzeptieren wie sie sind. So kann ich authentisch vor die Kinder treten und auch sie so akzeptieren wie sie sind. Nach einem holprigen Anlauf konnte ich die Kinder mit einer wohlwollenden und authentischen Begegnung erreichen, sie ließen sich mehr und mehr auf mich und mein Material ein und die Ruhe kehrte nicht durch Regeln und Strafen, sondern durch Spaß und Freude ein.

      18. Januar 2021
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  9. Lisa K. sagte:

    Neben allen persönlichen Erfahrungen regt die Lektüre von Makarenko insbesondere auch an über Hierarchien oder die Bedeutung von Kollektiv und Einzelnem nachzudenken.

    7. Januar 2021
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  10. Celina Schmidt sagte:

    Dieser Text erinnert mich etwas an das D2 Blockseminar bei Ihnen.
    Auch in diesem haben wir darüber gesprochen als Lehrkraft man selbst zu sein.
    Man sollte sich den Kindern zeigen, wie man ist, denkt und fühlt und nichts gekünstelt vorspielen wollen.
    Jedes Kind hat sein eigenes Schicksal und seinen eigenen Lebensweg und verhält sich dementsprechend… und so auch die Lehrkraft. Die Kinder geben sich (gerade in den jüngeren Jahren) auch meist so wie sie sind.
    Wenn wir von den Kindern ein offenes Miteinander erwarten, in welchem sie sich uns bestenfalls anvertrauen sollten, um eine ehrliche und heimelige Atmosphäre zu schaffen, dann müssen die Kinder wissen, wen sie da vor sich zu stehen haben.
    Um ein Klassenklima zu schaffen, welches einen gefestigten Hafen darstellen soll, darf der Leuchtturm nicht wunderschön, jedoch aus Pappe sein, der, sobald ein Schiff dagegen fährt umfällt, oder sobald es regnet einweicht. Dann werden die Schiffe den Hafen nicht mehr ansteuern – zu gefährlich.
    Der Leuchtturm sollte lieber, auch wenn ein Stein im Mauerwerk fehlt, fest stehen und verlässlich leuchten.

    7. Januar 2021
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  11. Marie Schulze sagte:

    Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass Lehrkräfte sich nicht als unfehlbar sehen. Jeder Mensch macht Fehler, egal welchen Alters. Durch das Zugeben von Fehlern wird man menschlich. Und ich denke, dass Menschlichkeit eins der wichtigsten Voraussetzungen ist, um eine gute Beziehung zu seinen SuS zu etablieren. Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, dass Kinder über ihren Fehlern zerbrochen sind. Es war für sie jedes Mal ein Weltuntergang, wenn sie ein Ergebnis nicht auf Anhieb richtig hatten. Ich versuchte ihnen klar zu machen, dass jeder Fehler macht, aber so richtig nachvollziehen konnten sie es nicht. Also baute ich, zum Beispiel im Matheunterricht, Fehler in meine Rechnung ein. Die Kinder merkten dann häufig schnell, dass ich falsch gerechnet hatte und so konnte ich ihnen vermitteln, dass ich auch nicht unfehlbar bin. Mit der Zeit kam immer weniger Frust auf, nicht bei jedem, aber bei einigen.
    Ich finde es auch wichtig, als Lehrkraft einfach mal abzuwarten. Sich im lärmenden Musikraum hinzusetzen und der „Musik“ zuzuhören. Vielleicht mit einer Melodie einstimmen, an der sich die Kinder rhythmisch beteiligen können und so wird aus dem Lärm Musik. Abwarten, wenn die Kinder mal nicht sofort eine Antwort parat haben, gute Ideen können auch mal länger brauchen. Es muss nicht alles unter Druck und Zwang geschehen. Die Kinder lernen von uns und wir lernen mit und von den Kindern.

    7. Januar 2021
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  12. Ines Saydan sagte:

    Letztes Semester konnte ich im Rahmen eines Seminars an einer Projektwoche mit einer Schulklasse teilnehmen. Meine Partnerin und ich haben uns vorher mit unterschiedlichster Literatur auf diese Woche vorbereitet, allerdings hatten wir uns nur einen groben Plan für die Arbeit mit den Kindern überlegt. Also nicht penibel versucht jede Minute zu planen. Wir wollten uns eine gewisse Freiheit lassen, denn nur so glaubten wir uns und den Kindern Raum für Entwicklung geben zu können. Wir wollten den Kindern auf Augenhöhe begegnen und sie als gleichberechtigte Partner ansehen. Das beginnt für mich – was für viele jetzt nun als ganz selbstverständlich klingt, aber meiner Meinung nach nicht der Realität entspricht – damit, die Namen der Kinder richtig auszusprechen. In der ersten Gruppe von 6 Kindern, mit denen wir unsere Arbeit begonnen, gab es einen Jungen mit einem Namen, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Ich fragte ihn daraufhin, wie man seinen Namen ausspricht und woher dieser Name stammt. Er sagte mir, es sei ein türkischer Name. Da die Eltern meines Mannes aus der Türkei stammen, habe ich türkisch gelernt und sagte ihm, dass ich sehr erstaunt bin, da ich viele türkische Namen kenne, aber seinen eben nicht. Auf diese Weise entstand sofort ein aufrichtiger Dialog zwischen uns. Mir fiel dabei auch auf, dass die Kinder es gar nicht gewohnt sind, sich auf diese Weise zu unterhalten. Da meine Kinder selbst türkische Namen tragen, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie ignorant viele Menschen die Namen einfach falsch aussprechen. Sie wollen es aber auch nicht besser machen, sie wollen es noch nicht einmal versuchen!!! Ein Mädchen hieß Pınar. Ich sprach ihren Namen türkisch aus, woraufhin sie darauf beharrte, ich solle sie Pina nennen. Das akzeptierte ich. Ich frage mich allerdings, wie sie darauf kommt. Vermutlicherweise ist sie es einfach leid und hat sich auf diese Weise ihrer Umgebung angepasst. Wirklich sehr schade und traurig. Aber das sollte uns nicht entmutigen, sondern im Gegenteil ermutigen es einfach anders zu machen. Dazu gehört auch, dass wir uns selbst stets reflektieren.

    7. Januar 2021
    Antworten
    • Zeliha Aksünger sagte:

      Liebe Ines, ich bin auch der Meinung, dass Wertschätzung damit anfängt, dass wir die Namen der „Menschen“ richtig aussprechen.

      7. Januar 2021
      Antworten
    • Emily G. sagte:

      Sehr passendes Beispiel zum Thema und ich kann deine Ansicht vollkommen nachvollziehen. Man selber möchte ja auch nicht – insbesondere später als Lehrkraft – immer falsch angesprochen bzw. der Name falsch ausgesprochen werden. Somit ist die logische Schlussfolgerung seinen Gegenüber, in unserem Falle die Lernenden, auch mit richtig ausgesprochenen Namen anzusprechen.
      Zudem muss ich einfach erwähnen, wie toll ich in diesem Beitrag finde, dass nicht der RLP im Fokus steht, so wie sonst bei vielen Fächern bzw Modulen, sondern uns hier gut zu gesprochen wird, darauf zu achten, dass wir die Kinder später ermutigen sich kennenzulernen. sich zu entwickeln, sich zu reflektieren. Diese Aufgabe kann man als Lehrkraft gut mit dem RLP verknüpfen und gibt den Kindern trotzdem so viel mehr mit auf dem Weg. Genauso, wie die Tatsache, dass Lehrkräfte nicht allwissend sind und man dies auch zugeben sollte. Ich kann mich noch gut an Lehrkräfte aus meiner eigenen Schulzeit erinnern, die immer Recht behalten wollten, selbst wenn sie ein Fehler gemacht haben, waren es die anderen. Diese Lehrkräfte macht sich und ihren Unterricht damit nicht transparent und unglaubwürdig – was nicht Sinn und Zweck des Lehrens sein sollte. Als sollte man sich den Beitrag zu Herzen nehmen und in jeder Unterrichtsstunde dran denken, offen bleiben, sich reflektieren und einfach mal lockerer werden. SO lernen wir alle was im Unterricht – Schüler*innen und Lehrende.

      9. Januar 2021
      Antworten
  13. Beyza Demir sagte:

    Ich hebe in diesem tollen Beitrag insbesondere diesen Punkt hervor:
    ,,Wie mache ich das Beste aus meinem Leben und wie befähige ich meine Schüler*innen dazu?“
    Ich war bereits immer der Meinung, dass das hierarchisierende Bild der Schule (Lehrer:Alleswisser etc.) nicht mehr zu unterstützen ist. Schule ist ein Ort des gemeinsamen Mit- und Voneinanderlernens. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir auch unsere Schwächen, Hindernisse, aber auch Hoffnungen etc. im Leben mit den Kindern teilen. Das wäre ein erster Schritt in Richtung der Kinder! Wie schön du es gesagt hast, sind wir im ,,wahrsten Sinne Suchende“. Lasst uns mit den Kindern gemeinsam suchen!

    7. Januar 2021
    Antworten
  14. Lena J. sagte:

    Ein toller Artikel, der zum Nachdenken anregt. Sie haben das Horrorszenario eines jeden Lehranfängers beschrieben und machen mit dem Artikel Mut. Die vielen lehrreichen Tipps werden mir hoffentlich helfen, wenn ich das erste Mal in so einer Situation stecke.

    7. Januar 2021
    Antworten
  15. Anne-Sophie Bach sagte:

    In ihrer beschriebenen Situation als Berufsanfängerin konnte ich mich wiederfinden. Ich habe zwar noch keine Erfahrung als Lehrkraft, jedoch würde ich zum jetzigen Zeitpunkt genauso handeln, wie es einem damals in der eigenen Schulzeit vorgemacht wurde. Es ist sehr traurig, weil genau dann die Kinder in ihrem Treiben gehindert werden. Ich möchte nach dem Lesen ihres Beitrags etwas an mir ändern. Niemand ist perfekt und es ist in Ordnung am Anfang nicht alles perfekt zumachen.

    7. Januar 2021
    Antworten
  16. Lena Zadruzynski sagte:

    Ich finde Ihren Beitrag zu diesem Thema sehr hilfreich. Meiner Meinung nach ist es immer wichtig zu seinen Fehlern zu stehen und daraus das Bestmögliche mitzunehmen. Sobald man mit Menschen kommuniziert können Fehler auftreten, sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Schülern und Schülerinnen. Daher finde ich diesen Beitrag wirklich hilfreich, um sich Tipps zu holen, wie man mit solchen Situationen als Lehrkraft umgeht. In meinen Augen können auch die Lehrkräfte besonders viel von den Schülern und Schülerinnen lernen. Aus diesem Grund ist ein respektvoller Umgang untereinander in einer Klassengemeinschaft unabdingbar.
    Ebenfalls finde ich die anderen verfassten Beiträge spannend. Es ist sehr interessant zu lesen, in welchen Situationen sich die Kommilitonen und Kommilitoninnen bereits befasst haben und wie sie das Problem gelöst bzw. eine Bindung zu den Schülern und Schülerinnen aufgebaut haben.

    7. Januar 2021
    Antworten
  17. Michael R. sagte:

    Bildung ist nicht nur die Vermittlung eines reinen Faktenwissens. Bildung ist die Entfaltung und Entwicklung von Persönlichkeiten. Ich glaube, dass bei vielen Lehrkräften das Individuelle, die Persönlichkeit ihrer Selbst bzw. die Wahrnehmung der Persönlichkeiten ihrer Schüler/innen immer mehr in den Hintergrund treten und dabei den wahren Sinn der Bildung aus den Augen verlieren.
    Wollen wir, dass Bildung ganzheitlich ist und die Lernenden vollkommen durchdringt, dann müssen wir als Lehrer/innen nicht nur an der Oberfläche der Dinge arbeiten, sondern auch in die Tiefe gehen. Und mit „Tiefe“ meine ich nicht die Tiefe des zu vermittelnden Stoffes, sondern die Tiefe von Persönlichkeiten.
    Ich habe in meiner schulpraktischen Erfahrung immer wieder herausgefunden, dass Schüler/innen Lehrkräfte schätzen, die wahrhaftig und ehrlich sind. Sie wollen keine Lehrer/innen, die vorne stehen und alles wissen. Sie sehnen sich nach dem Unvollkommenen. Sie sehnen sich danach, dass auch mal eine Lehrkraft offen sagt, dass sie etwas nicht wüsste. Sie wollen mit uns kommunizieren und nicht nur mit Informationen begossen werden. Ich glaube, dass Bildung nur dann funktioniert, wenn wir uns und unsere Schülerinnen und Schüler als Persönlichkeiten mit allen Facetten wahrnehmen und nicht nur die guten, sondern vielleicht auch mal die „etwas abweichenden“ Facetten lobpreisen. Eine Schülerin, die ich das letzte halbe Jahr im Rahmen des Deutschunterrichts kennenlernen durfte, war von meinem Ansatz, dass mir ihre ehrliche Art und Weise Dinge auszudrücken (und sie nimmt kein Blatt vor den Mund) gefalle, nahezu ungläubig vom Stuhl gefallen. Sie ist eine Schülerin, die bei allen Lehrern als sogenanntes „Problemkind“ bekannt ist. Alle wollen ihr diese Art und Weise mit Sanktionen austreiben, allerdings weiß ich nicht, ob dies der richtige Weg ist. Immer wieder wird ihr dadurch aufgezeigt, dass sie und ihr Verhalten fehlerhaft sei. Ich frage mich bloß, ob es ein Fehler ist, so zu sein, wie man nun einmal zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. Auch ich hatte in meiner Jugend eine Phase, da habe ich im Ethikunterricht gewettert wie Zeus Donnergrollen im Antlitz der frevlerischen Taten der Menschheit. Menschsein heißt auch Entwicklung und Veränderung. Nur weil man zu bestimmten Zeiten im Leben bestimmte Entwicklungen durchläuft, muss man den Lernenden nicht immer wieder vorhalten, dass sie deshalb unvollkommen wären.

    Nehmen wir doch nur den Spruch über den Portal von Delphie. Der Weg zur wahren Erkenntnis – und ich glaube das Bildung eben dies bezwecken will – ist die Erkenntnis des eigenen Selbst. Und Erkenntnis sollte immer auch mit Akzeptanz einhergehen.

    Lasst es uns doch zur Devise werden, dass wir uns einander im Unterricht erkennen und schätzen lernen.

    7. Januar 2021
    Antworten
  18. Sandra K. sagte:

    Und wieder ein sehr gewinnbringender, berührender Text, der zum Nachdenken und auch zum Reflektieren über die eigene Persönlichkeit anregt. Die Grundlage, um erfolgreich zu lehren, ist nicht, die Kinder zu belehren, sondern sie auf ihrem Bildungsweg zu begleiten – und begleiten können wir nur, wenn man uns vertraut! In diesem Sinne ist es wichtig, Vertrauen und Authentizität in der Lehre zu schaffen.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass es richtig ist, auch eigene Schwächen und Fehler einzugestehen. Wenn Lehrkräfte zu ihren Fehlern stehen können, dann können auch die Kinder ihre Schwächen annehmen und akzeptieren und darin ihre eigene Menschlichkeit erkennen. Auch ist es oftmals so, dass in vermeintlichen Schwächen auch Stärken liegen. Vielleicht werden die Kinder, die heute den Unterricht ständig stören, die erfolgreichen Fernsehmoderatoren von morgen, die dann die Gesellschaft mit ihren Späßen und ihrem Humor unterhalten. Vielleicht werden Kinder, die ständig Streit angefangen haben, irgendwann die besten Strafverteidiger, vielleicht werden die Stillen, die nie etwas sagen, irgendwann Philosophieprofessoren…. vielleicht sind es genau die Schwächen, die irgendwann zu Stärken werden und dann den Platz in der Gesellschaft weisen.
    Natürlich heißt das nicht, dass jedes Fehlverhalten im Schulalltag großen Applaus verdient. Aber wer hat schon im Leben alles immer richtig und korrekt entschieden und gemacht. Ich denke niemand und dennoch sind wir alle unseren Weg gegangen und haben aus jeder Situation etwas gelernt und mitgenommen. Und daher sollten wir Kinder darin bestärken, ihr eigenes Verhalten und Sein anzunehmen und zu reflektieren und auch vermeintliche Schwächen in Stärken zu wandeln.
    Vielen Dank für diesen sehr anregenden Text!

    7. Januar 2021
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    • Luisa Müller sagte:

      Ich sehe es ganz genauso. Man sollte sich frei machen von dem Bild der unfehlbaren Lehrkraft, um Vertrauen und Authenzität zu schaffen .
      Leider merke ich, dass im Unterricht noch immer Ruhe und Disziplin und eigene Unfehlbarkeit an oberster Stelle bei den meisten Lehrkräften stehen. Man steht daher unter dem unausgesprochenen Druck als Lehranfänger im Unterricht auch so zu agieren. Besonders bei „problematischen“ Klassen hat man das Gefühl besonders streng und laut sein zu müssen, um nicht unterzugehen. Mir macht Ihr Beitrag Mut, dass es auch anders funktionieren kann und man sich treu bleiben sollte. Ein wirklich bestärkender Beitrag!

      8. Januar 2021
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  19. Zeliha Aksünger sagte:

    Danke für Ihre Offenheit! Es macht Mut zu wissen, dass wir mit dem Beruf wachsen und lernen können. Ich finde es auch richtig und wichtig, dass die Kinder sehen dürfen, dass auch Lehrkräfte Menschen sind, die nicht alles wissen können und auch Fehler machen können. Sie können sehen, dass wir auch Gefühle haben. Denn ich glaube, daraus entsteht Vertrauen. Die Kinder sehen, dass sie auch Fehler machen können und dass sie sich öffnen dürfen.

    Ich habe auch Anfangs viele Bedenken und Sorgen gehabt. Ich wusste nicht, ob die Kinder mich akzeptieren würden und ob sie meinen Unterricht mögen würden. Aber dann ging es los und ich hatte plötzlich gar nicht mehr die Zeit, mir darüber viele Gedanken zu machen. Eines Tages fragte ein Schüler mitten im Unterricht, warum es gerade so schön harmonisch sei. Und ich stand nur da und musste lächeln. Dann arbeitete er einfach weiter! Ich war unglaublich glücklich und zufrieden.
    Ich glaube, wir müssen uns von den Zwängen lösen, alles richtig machen zu müssen, um einfach frei zu sein. Die Kinder merken es.

    7. Januar 2021
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  20. Ihre Beiträge zeigen große Stärke, ehrliche Reflektion und eine schöne tiefe Emotionalität.Wirklich ganz starke Botschaften.

    8. Januar 2021
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  21. Justine Jung sagte:

    Als LehrerIn wird man von der Gesellschaft insbesondere von den SuS anders wahrgenommen. Wenn ich an meine Grundschulzeit zurückdenke, dann kann ich mich noch gut daran erinnern wie erstaunt ich gewesen war als die Lehrerin zu uns meinte, dass sie einen Mann, ein Haus und ein Kind hat, mit das sie jeden morgen frühstückte. In Laufe der Zeit lernte man sich kennen und erkannte den Menschen hinter diesem Beruf. Gerade diese Öffnungen und Vertrauen gegenüber seiner SuS sind wertvoll und wichtig. Dabei geht es nicht darum, denn SuS sein privates Leben anzuvertrauen, jedoch ihnen die Möglichkeit zu geben auch ihre Lehrkraft kennenlernen zu dürfen. Es braucht eine bestimmte Vertrauensbasis, damit uns ein guter Unterricht gelingen kann und wie man weiß, beruht Vertrauen auf Gegenseitigkeit.

    8. Januar 2021
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    • Linda Pa sagte:

      Ich musste sehr schmunzeln, als ich das mit dem Frühstück gelesen habe. Ich selbst wurde letztens von einem Kind gefragt, wie ich in echt heiße. Gemeint war mein Vorname. Ich denke auch, wir müssen den Kindern die Möglichkeit geben, uns kennenzulernen. Dazu zählt, dass wir den Kindern auch unseren Vornamen verraten (wir nennen die Kinder ja auch beim Vornamen) und auch, dass wir unsere Fehler offen zugeben. Ich habe in letzter Zeit öfter darauf geachtet und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ein kleines „Tut mir leid, ich habe übersehen, dass du dich gemeldet hast. Ich achte beim nächsten Mal besonders darauf.“ kann schon viel bewirken und dazu führen, dass sich die Schüler*innen ernstgenommen fühlen.

      13. Januar 2021
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  22. Annabel Städtler sagte:

    Der Beitrag hat mich in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken gebracht, sodass ich ihn mehrmals lesen musste. Auch ich finde es so bedeutend den Kinder offen und ehrlich gegenüber zu treten. Der Beruf bringt so viel Verantwortung mit sich und manchmal vergessen wir vielleicht, worauf es wirklich ankommt. Ich finde es sehr wichtig den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen Respekt und Offenheit gegenüber zu bringen. Ich denke nur so kann richtiges Lernen und Kooperieren stattfinden.

    8. Januar 2021
    Antworten
  23. Beyza Kamasik sagte:

    Zunächst möchte ich betonen, dass mich dieser Beitrag tatsächlich zur Reflexion angeregt hat und mich eine weitere Zeit beschäftigen wird. Diesen hier ausgeführten Gedankengang kann ich so gut nachvollziehen. Gerade am Anfang der Laufbahn ist man dermaßen überfordert damit ein perfektes und fehlerfreies Bild nach außen zu zeigen. Ständig den Drang zu haben den Unterrichts möglichst fehler- und störungsfrei zu gestalten und voll mit Inhalten zu füllen, führt dazu bestimmte Momente, wie z.B. die Komplimente oder die netten Wörter der SuS nicht wahrnehmen zu können.
    Oftmals vergessen wir , dass auch wir Lehrkräfte nur Menschen sind mit unseren Schwächen, Fehlentscheidungen, Überforderung etc. Warum versuchen wir diese zu verdrängen und verstellen uns? Wir können bzw. sollten mutig sein und den Kindern ehrlich gegenübertreten. Das kann nur zu einer besseren Atmosphäre führen.

    8. Januar 2021
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  24. Katharina Bork sagte:

    Sie haben meiner Meinung nach zum Einstieg ein sehr ergreifendes Zitat gewählt, was mich als Leserin direkt angesprochen hat. Auch Ihr Beitrag hat mich sehr nachdenklich gestimmt – nachdenklich über mich selbst.
    Da ich momentan als PKB-Lehrkraft an einer Grundschule arbeite, musste ich über Ihren Abschnitt bezüglich der 3c etwas „schmunzeln“; es kam mir bekannt vor: Eines Tages hatte ich meine erste Vertretungsstunde. Keine Vorbereitungszeit. Sonst bin ich fest für Förderstunden eingeplant. Und diese erste Vertretungsstunde war für mich schlimm. Ich habe mich noch in der Stunde selbst gefragt, ob ich wirklich Lehrerin werden möchte. Die Klasse war laut, einige Kinder verfeindet, einander beleidigend gegenüber…. Und ich stand da, kannte keines der Kinder, geschweige denn ihre individuellen Geschichten oder den Grund, warum die Klasse so ist, wie sie ist.
    Zwei Kinder der Klasse haben mir ihre Klassenregeln erklärt, dafür war ich ihnen sehr sehr dankbar. Und dann hat es irgendwie funktioniert. Aber selbst nach der Stunde, haben mich die Schwingungen der Klasse nicht losgelassen. Ich fragte bei Kollegen nach, schaute mir bei der nächsten Gelegenheit das Klassenbuch ganz genau an und sprach mit der Klassenlehrerin….(und so weiter).
    Glücklicherweise ist dies bis jetzt die einzige schlimme Stunde gewesen. Alle weiteren Vertretungsstunden (in der besagten Klasse, aber auch in anderen) und meine Förderstunden bereiten mir viel Freude. Es ist eben unheimlich wichtig, jedes Kind individuell zu achten, zu betrachten, zu fordern, zu fördern, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen offen und ehrlich gegenüber zu sein. Erst dann wird man als Lehrkraft meiner Meinung nach seiner Verantwortung gerecht.

    8. Januar 2021
    Antworten
  25. J.Rasel sagte:

    Und da spiegelt sich gleich meine erste Erfahrung wieder, die ich in der Schule sammeln durfte. Ich sollte eine 6. Klasse in Deutsch vertreten. Mein Wunsch war es, gut mit den SuS klarzukommen und nicht als böse Lehrerin dazustehen, da ich schon eine gewisse Ruhe im Unterricht wünschte. Mir ist es gelungen eine Ebene zu finden, in der ich auf die Späße der SuS einging und eine in gewissem Maße, lockere Art einnahm. Demnach wussten die SuS, dass ich an sich eine sehr offene Art habe und Fragen auch jederzeit gestellt werden konnten und auch mal Gequatschte akzeptiert wurde. Durch dieses Verhalten, nahmen sie mir es nicht übel, wenn ich mal lauter wurde und sie ermahnte.Im Feedback von den SuS, schrieben auch einige ich hätte sogar noch strenger mit den Jungs sein dürfen.

    Ich empfinde es als wichtig, den SuS das Gefühl zu geben, dass wir alle an einem Strang ziehen und wir es nur in einer Gemeinschaft zum Ziel schaffen können. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, dann ist es gut zu schauen, wo das Problem liegt und ob ich es vielleicht, besser erklären könnte.
    Ich freue mich darauf, durch meine Schüler*innen selber zu wachsen und das Beste aus mir als Lehrkraft rauszuholen, um meine SuS zu fördern und ihnen eine schöne Schulzeit zu bieten, mit vielen tollen Erfahrungen.

    8. Januar 2021
    Antworten
  26. Maxim Shcherba sagte:

    Jeder Mensch möchte gesehen werden und einen gleichberechtigten Umgang erfahren. Kindern geht es dabei nicht anders, weswegen ich glaube, dass Lehrkräfte ihren Schüler*innen auf einer menschlichen Basis begegnen sollten. Das schließt ein, dass alle Meinungen gleich viel wert sind und man sich als Lehrperson, genauso wie man das von seinen Schüler*innen erwartet, seine eigenen Fehler eingestehen sollte.
    Diese Überzeugung von mir fand ich in diesem Beitrag bestätigt.
    Darüber hinaus bin ich sehr fasziniert von den Fähigkeiten von Kindern. Gemeinhin herrscht meiner Meinung nach ein Bild, welches die Kinder stark unterschätzt. So besitzen Kinder ein Empfinden für Kreativität, sowie für Empathie, welches ältere Menschen alt aussehen lässt. Daran musste ich denken, als ich darüber las, dass die Schüler*innen einen eh durchschauen würden, weswegen es hinderlich ist, „negative“ Verhaltenseigenarten verstecken zu wollen.
    Abschließend finde ich es sehr beruhigend, dass Sie über einen Fehler Ihrer Vergangenheit schrieben. So merke ich nochmals, dass ich mich durch die Fehler, die ich begehen werde, nicht beirren lassen muss, solange ich aus ihnen lernen und es daraufhin besser machen werde.

    9. Januar 2021
    Antworten
  27. V. M. sagte:

    Danke für diesen tollen Beitrag! Er regt dazu an, meine bisherigen Erfahrungen im Praxissemester noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu reflektieren. Auch ich habe meine ersten Berufserfahrungen in einer sehr munteren und lebensfrohen Klasse erlebt. Ich wähle diese Worte extra, da ich die Auffassung, die Klasse sei eine sehr schwierige Klasse nicht teilen möchte. Damit kann und möchte ich nun auf keinen Fall mit dem moralischen Zeigefinger auf irgendjemanden zeigen, denn auch ich stand in der einen oder anderen Unterrichtsstunde verzweifelt vor der Klasse und war mit meiner Geduld am Ende. In diesem Moment war die Klasse für mich einfach nur „schwierig und unfassbar frech“ und ich musste meine Mentorin um Hilfe bitten. Zusätzlich habe ich mich oft dabei erwischt, alles nur all zu perfekt machen zu wollen. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Unterrichtsstunden, die nicht bis ins Detail „durchgeplant“ waren, und in denen ich nicht versucht habe den Idealen anderer (sei es die Uni, Kolleg*innen…) zu entsprechen, sondern in denen ich mehr ich selbst war, die meisten Erfahrungen gebracht haben. Ihre Worte bestärken mich sehr in meiner Auffasung, dass es unabdingbar ist, sich seine Fehler und Schwächen einzugestehen und man durch sie erst den Weg zu sich selbst und zu seiner Rolle als Lehrkraft finden kann.

    9. Januar 2021
    Antworten
  28. Augustine Schubert sagte:

    Ein sehr ermutigender und anregender Beitrag, der die Quintessenz des Lehrerberufes, mit all seiner Vielseitigkeit, seinen Hürden und Freuden darlegt.
    „Ein Kind, das mobbt, ist nicht frei. Ein Kind, das ständig stört, ist getrieben von dem Wunsch nach Anerkennung“, beim Lesen dieser Zeilen erinnerte ich mich gleich an den Film „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt. Denn wie im Film als auch im obigen Beitrag, zeigt sich, dass es in Zeiten, in denen weltweit in Teilen der Gesellschaft eine Tendenz zur Abschottung und der Errichtung von geistigen Mauern zu beobachten ist, ist eine Offenheit im Denken wichtiger denn je. Der Beruf erfordert es geistige Freiheit, Vielfalt und Fantasie sowie Mut bestehende Mauern einzureißen sich selbst zu eigen zu machen und auch an die Kinder weiterzugeben.

    10. Januar 2021
    Antworten
  29. Daniela Krauß sagte:

    Beim Lesen des Beitrags fielen mir zwei Gedanken dazu ein. Zum einen liest sich der Beitrag wie eine Stellenbeschreibung für unseren verantwortungsvollen Beruf. Ich finde, dass die genannten Kriterien, wie Glaubwürdigkeit, Kritikfähigkeit – vor allem an der eigenen Person -, Güte, Warmherzigkeit, Lust am eigenen Lernen, als Individuum und mit der Gruppe, sich verantwortlich fühlen usw. ein absolutes Muss für eine gute Lehrkraft sind. Fehler macht jeder, auch die Lehrkraft. Das sollte jeder für sich akzeptieren, sich regelmäßig reflektieren und das eigenen Handeln hinterfragen. Dann bin ich sicher, kann jeder in diese verantwortungsvolle Position, in der wir nicht nur in positiver Hinsicht Vorbilder sind, hineinwachsen. Zum anderen gehört es für mich zur Professionalität von Lehrkräften dazu, die vielen Störungen, Bemerkungen und aufmerksamkeitsziehenden Handlungen von Schüler*innen nicht auf sich und sein Können zu beziehen, sondern immer die Schüler*innen im Blick habend, zu überlegen, was die Schüler*innen von mir brauchen, um innerlich wachsen zu können und sich in der Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Ich sehe es als meine Aufgaben an, die jungen Menschen dabei wohlwollend zu unterstützen. Natürlich sind auch mir schon die Nerven durchgegangen, gerade in den allerersten Stunden vor einer Klasse. Am Ende so einer Stunde habe ich aber immer mich hinterfragt und überlegt, wie ich die Situation besser hätte lösen können. Der Lehrberuf benötigt ohne Zweifel die richtige Einstellung. Diese ist wichtig, damit wir selbst auch gesund bleiben. Ich wünsche allen engagierten Jung-Lehrkräften den Mut und die Kraft immer sie selbst zu sein. Viel Erfolg auf eurem Weg!

    10. Januar 2021
    Antworten
  30. Peter Krauß sagte:

    „Nun ja, wenn sie es schaffen, nicht ständig zwanghaft auf alles und jeden zu reagieren, wenn Sie die Größe haben, Schwäche zu zeigen.“

    Ich möchte mit diesen von Ihnen geschriebenen Zeilen beginnen, weil sie mir für meinen Weg sehr bedeutsam scheinen. Das, was sie dort beschreiben, war für mich als ich vor 2 Jahren meine erste PKB-Stelle antrat eine große Herausforderung. Mir klingt immer noch der Rat von einer erfahrenen Lehrkraft in den Ohren: „Am Anfang musst du sehr streng sein, sonst wirst du verbrannt. Locker lassen kannst du später immer noch“ Das gab sie mir mit auf den Weg. Strenge, Härte und Disziplin schien, wenn man den Stimmen im Lehrerzimmer glauben durfte, die einzige Methode mit dieser Art von Schüler*innen klarzukommen. Ich versuchte also nach Möglichkeit jede Störung zu unterbinden und mit Konsequenz und einer gewissen Härte mir Respekt zu verschaffen. Das Ergebnis nach ca.6 Wochen waren Heiserkeit, ständige Kopfschmerzen und die scheinbare Erkenntnis, dass ich für diesen Beruf nicht geeignet bin. Ich merkte aber relativ schnell, dass ich erstens niemals so eine Lehrkraft sein wollte. Daher fing ich an, den Kinder mehr Raum zu geben, sie nicht als Störfaktor wahrzunehmen. Ein echtes Interesse auch an den Persönlichkeiten vor mir zu entwickeln. Ich ließ ihnen mehr Luft zum Atmen und bemerkte eine stetige Verbesserung meiner persönlichen Befindlichkeit und gleichzeitig eine Verbesserung der Atmosphäre in den Klassen. Wo vorher eine Ermahnung kam, lachte ich auch schon mal über ein „Störung“ mit den Kindern. Eine harmlose, aber störende Bemerkung wurde auch schon mal überhört oder mit einen freundlichen Blickkontakt gekontert. Es heißt immer, man soll authentisch sein. Ich kann das nur unterstreichen, aber was das genau bedeutet, muss jeder für sich selber herausfinden. Das steht in keinen Lehrbuch für Classroom-Management. Ich wünsche euch allen, dass ihr euen eigen Stil findet, mit dem ihr und hoffentlich eure Schüler*innen eine glückliche Schulzeit zusammen erlebt.

    10. Januar 2021
    Antworten
  31. Laura Holländer sagte:

    Auch ich habe im Praxissemester gelernt, wie wichtig es ist, den Schüler*innen zu vermitteln, dass Fehler menschlich sind und immer eine Möglichkeit für weiteres Lernen und die eigene Entwicklung darstellen. In diesem Zusammenhang ist es besonders bedeutsam, dass den Kindern klar wird, dass Fehler sowohl von ihrer Seite aus geschehen dürfen, als auch seitens der Lehrkraft. Oftmals kommt an dieser Stelle allerdings die Reflexion von Fehlverhalten viel zu kurz, sodass dieses lediglich bestraft wird ohne dem tieferen Grund nachzugehen. Ich denke, es ist sinnvoll und wichtig Schüler*innen die Klassenkameraden mobben oder den Unterricht stören nicht nur zu bestrafen, sondern ihnen auch zu erklären, warum ihr Verhalten falsch ist und zu versuchen Beweggründe zu verstehen.

    10. Januar 2021
    Antworten
  32. Berivan Yasar sagte:

    Ihr Beitrag ist wirklich sehr interessant und hilfreich.
    Ich habe leider nicht so viel Erfahrung in diesem Beruf, obwohl ich Grundschulpädagogik studiere. Deshalb habe ich auch Ängste und Sorgen. Vor allem die Frage: „Werde ich eine gute Lehrerin?“ plagt mich oft. Doch dieser Beitrag hat mir Mut gegeben und mir gezeigt, dass ich keine Angst haben sollte. Auch wenn ich am Anfang meines Lehrerseins Fehler mache ist es völlig normal, denn jeder macht Fehler und sie sind da, um aus ihnen zu lernen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kindern und kann es kaum abwarten viele Erfahrungen sammeln.

    10. Januar 2021
    Antworten
  33. Mareike Ulbrich sagte:

    Dieser Gedankengang ist sehr interessant und regt dazu an über die eigene Schulzeit und das Verhalten der damaligen Lehrkräfte und das eigene Schülerverhalten nachzudenken. Eine wichtige Aufgabe und meiner Meinung nach auch verpflichtende Aufgabe für uns Lehrkräfte sollte es sein aufmerksam zu sein, reflektiert zu handeln und sich weiter zu entwickeln. In den Bildungsstandards der KMK für die Lehrerausbildung steht dies auch verankert.
    Des Weiteren habe ich in der Praxis festgestellt, dass eine kleine Geschichte aus der eigenen Schulzeit in einer passenden Situation das Eis brechen und die Situation lockern kann. Man teilt sich den Schüler*innen so mit und gibt etwas persönliches preis.

    10. Januar 2021
    Antworten
  34. Gesine Corsepius sagte:

    Die Unbezwingbarkeit der Lehre Ich fordere dich, weil ich dich achte (Makarenko).
    Beim Lesen des zweiten Beitrages musste ich gleich an meine Zeit als Erzieherin in der Grundschule denken. Wie ich aus mir selbst gelernt habe. Oft musste ich ausfallende Stunden in den Klassen füllen und kann daher genau das Beschriebene bestätigen und nachvollziehen. Da ich zudem täglich eine feste Klasse begleitete, konnte ich noch einmal einen anderen Blick auf die Klasse und die einzelnen Schüler werfen, wie die vorne stehende Lehrkraft es vermutlich getan hat. So beobachtete ich wahrscheinlich viel aufmerksamer, weil ich eben die Zeit hatte, wie auch zu vielen Kindern ein intensiveres Verhältnis aufgrund der anschließenden Zeit im Hort. Das hat mich erst zu dem gemacht, wie ich am Ende agierte. Ich kann rückwirkend sagen, dass ich an meinen Erfahrungen und Handlungen gewachsen bin. Sich in das Kind hineinzuversetzen und auf Augenhöhe zu kommunizieren erachte ich als sehr wertvoll und wichtig. Ebenso selbst Mensch zu sein. Wie im Beitrag auch erwähnt wurde, selbst nicht allwissend und erhabend zu sein, sondern realistisch. Als ich mich für das Studium entschloss, habe ich oft darüber nachgedacht, dass ich mit der Position der Lehrkraft eine andere Einnehme, wie ich zuvor als Erzieherin eingenommen habe und ob mir das überhaupt gelingt. Ich hatte eben genau diese Angst, dass ich mich eben nicht mehr so intensiv mit den Kindern beschäftigen kann und die „Aufgabe des Lehrerens“ überwiegt. Jetzt im Laufe des Studiums bin ich mir sicher, dass mir das gelingt, weil ich das zuvor Erfahrende nicht als „positionsbedingt“ mehr ansehe, sondern als Bereicherung, selbstverständlich und als meine Persönlichkeit

    11. Januar 2021
    Antworten
  35. Julika Schulze sagte:

    An meiner Praktikumsschule gibt es viele Kinder, die es nicht gerade leicht haben. Teils sind sie sehr demotiviert, stören oder sagen von sich selbst, dass sie die Aufgaben gar nicht bearbeiten müsseten, da sie eh alles falsch machen würden. Aber wäre dies nicht der erste Schritt – es falsch machen? Ich finde es sehr wichtig, wenn ein Kind beispielsweise eine falsche Antwort ibt, nicht gleich das nächste Kind nach der richtigen Lösung zu fragen, sondern zu hinterfragen, wie das Kind zur Lösung gekommen ist. Denn aus Fehlern lernt man! Und natürlich muss nicht jedes Kind alles wissen. Wir Lehrer können dies auch nicht, was einfach nur menschlich ist und dann finde ich es nur wichtig, dies vor den Schüler*innen auch offen und ehrlich zuzugeben und vielleicht gemeinsam nach der Antwort zu suchen. Auch reinrufen sollte nicht immer nur getadelt werden. Mit den Worten: „Toller Beitrag aber wenn du dich beim nächsten Mal meldest, wäre es noch besser.“, kann man sicherlich einige Schüler*innen dazu bringen ihre Antworten erst nach dem Aufrufen der Klasse mitzuteilen.

    11. Januar 2021
    Antworten
  36. Matea Matic sagte:

    In diesem kurzen Beitrag konnte ich vieles Lernen, was mir im Laufe des Studiums und im Praxissemester so nicht bewusst war. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Kinder eher positiv sehen, wenn Lehrkräfte nicht versuchen alles besser zu wissen und immer Recht haben wollen. In einer 5. Klasse habe ich eine Stunde zum Thema Steinzeit gehalten. Für die Kinder waren es neue Themen und sie stellen mir unzählige Fragen. Auf viele hatte ich keine Antwort. Ich erklärte den Kindern, dass ich keine Forscherin bin und leider nicht alles weiß, aber wir unsere Fragen notieren können und recherchieren. Es wurde zum Ritual, dass jeden Tag ein anderes Kind eine Frage und die Antwort vorbereitet. Dadurch konnten sie den anderen Kindern und der Lehrkraft etwas Neues beibringen. Man konnte merken, wie stolz die Kinder waren und es war eine schöne Idee, die ich so jederzeit wiederholen würde.

    11. Januar 2021
    Antworten
  37. Laura Schmidt sagte:

    Dieser Beitrag Ihrerseits ist sehr aufschluss- und hilfreich. Ich werde ihn immer im Hinterkopf behalten, vor allem wenn ich in so eine Situation gerate, wie Sie sie beschrieben haben. Es wird eine „neue“ Perspektive geöffnet, sich auch vor den Kindern offen zu zeigen und nicht versucht eine falsches oder besser unechtes Bild (wie man es gern von sich selbst hätte oder es einem von der Gesellschaft untergejubelt wird) von sich zu zeigen und sich dann auch dementsprechend zu Verhalten. Damit wird niemand glücklich. Ich denke es ist sogar stark kontraproduktiv, vor allem für die eigene Persönlichkeit und im Miteinander der Schüler*Innen. Kinder sind sehr schlau in dieser Hinsicht und bemerken oft, wenn man etwas vortäuscht und nutzen diese evtl. erkannten Schwächen vielleicht auch um Provokationen auszulösen (es kann natürlich aus anders sein). Und diese ja eigentlich vermeintlichen Provokationen, die in unsere Richtung gesendet werden, können dann gestresstes Verhalten auslösen und uns laut und einschränkend werden lassen. Diese Prinzip ist jedoch sehr unnötig, da wir uns ja durch etwas angegriffen fühlen, was uns außerhalb der Schule gar nicht ausmacht, aber dennoch trifft es uns und nehmen diese „Niederlagen“ mit. Durch unser Verstellen schaden wir uns selbst und unserem Selbstbewusstsein am meisten ,machen uns Vorwürfe zu Situationen, die wir mit unserem Verhalten selbst hervorgerufen haben.
    Einfach mal nicht verklemmt sein, sondern so wie man ist, wie schön wäre es, wenn sich das so einfach umsetzen ließe. Doch sich zu öffnen ist ein langer Prozess, (der sich wahrscheinlich nie abschließt), es ist quasi leichter gesagt wie getan. Wenn mir nun jemand das „perfekte Rezept“ mitteilen würde, würde es mir wahrscheinlich nichts bringen, denn jeder ist individuell geprägt und trägt unterschiedliche Unsicherheiten und Ängste mit sich und diese Erkenntnis ist nicht nur für uns wichtig, sondern dies auch in Bezug auf die Schüler*Innen zu wissen und zu akzeptieren.

    11. Januar 2021
    Antworten
  38. Marleen Platzer sagte:

    Als Lehrkraft stehen wir tagtäglich vor großen Aufgaben und besonders die Anfänge in der Berufslaufbahn bringen viele Ängste und Unsicherheiten mit sich. Ihr Beitrag hat noch einmal verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich Fehler einzugestehen. Auf der einen Seite fällt dies Berufsanfängern anfangs schwer zu akzeptieren, aber es nimmt auf der anderen Seite auch sehr viel Druck heraus. Authentizität und Respekt erlangt man bei den Kindern eben nicht durch das perfekt sein, sondern durch das menschlich sein. Sich zu einer guten Lehrkraft zu Entwickeln ist ein ständiger Prozess, welcher unter anderem auch mit viel Selbstreflexion zusammenhängt. Kinder brauchen sowohl die Freiheit um sich zu Entfalten, als auch Regelungen um Grenzen zu erkennen. Als Lehrkraft ist es unsere Aufgabe diesen schmalen Grad zwischen Freihat und Regelungen zu finden . Wichtig ist dabei, dass man sich selbst treu bleibt und keine Rolle spielt, da Kinder sehr klug sind und auch schnell ein Gespür dafür bekommen, wenn die Person sich in sich selbst widerspricht.

    11. Januar 2021
    Antworten
  39. Josefina H. sagte:

    Durch meine Arbeit als Nachhilfelehrerin habe ich gelernt, dass Unterrichten und Lehren nur auf Basis einer Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*in gut funktionieren kann. Vor allem in der Nachhilfe, die überwiegend nachmittags bis abends stattfindet und die bei Grundschüler*innen häufig durch die Eltern bestimmt wird, basiert der Unterricht auf zwischenmenschlichen Beziehungen, Absprachen, „Lernverträgen“, Kompromissen, Verständnis und auch Freiräumen, die die Kinder sehr oft brauchen.
    Demnach sehe ich die exakte Planung und den Ablauf des Unterrichts nicht mehr so engstirnig, gerade weil eine gewisse Flexibilität geradezu notwendig ist.

    Ein Punkt dieses Beitrages hat mich besonders angesprochen:
    „Nun ja, wenn sie es schaffen, nicht ständig zwanghaft auf alles und jeden zu reagieren, wenn Sie die Größe haben, Schwäche zu zeigen. Wenn Sie Erziehungsakte wie Disziplinierung auch in die Gruppe hineingeben. Sie müssen nicht alles kontrollieren, nicht alles wissen und verstehen, nicht für alles einen Plan oder eine Erziehungsstrategie haben.“

    Lerngruppen sind immer dynamisch und lassen sich nicht bändigen oder müssen sich auch nicht unbedingt bändigen lassen. Oft regeln die SuS die Situationen unter sich.

    12. Januar 2021
    Antworten
  40. Fred Rauch sagte:

    Der Beitrag spricht dafür, mit den SuS ein Team zu bilden und gemeinsam zu „werden“, sich zu entwickeln. Sich gemeinsam in das Abenteuer stürzen. Ja, dafür muss man sich von Vielem befreien, z.B. von der Scham, die auch ich kenne: „Oh mein Gott, bei mir sind die Kinder so laut, was denkt der Flur..“. Aber vielleicht sind sie so laut, weil sie dabei sind? Klar, braucht es auch für die Lautstärke Regeln. Aber warum immer diese Angst vor Lautstärke? In der Kneipe, beim Fußballspiel, beim Konzert fühlen sich die Leute wohl und sie sind laut! Aber natürlich natürlich muss es auch ruhige Momente geben. Die funktionieren allerdings viel besser, wenn die Lautstärke kein Verbot mehr darstellt. Und so viel unattraktiver wird. Wir sollten uns gegenseitig nicht so sehr als SuS auf der einen Seite und Lehrkräfte auf der anderen Seite erleben, sondern als Menschen, die gemeinsam diesen Raum (den Klassenraum) füllen und uns dort gegenseitig begegnen. Diese Begegnung mit so vielen unterschiedlichen Menschen ist unglaublich bereichernd.

    12. Januar 2021
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  41. Olivia Piechowski sagte:

    Als Lehrkraft hat man eine Vorbildsfunktion, die man nicht unterschätzen sollte. Gerade wenn man selbst Fehler begeht. sollte man sich diese selbst eingestehen und offen ansprechen. Dies führt nicht nur dazu, dass die Kinder die Lehrkraft, nicht nur als diese sieht, sondern als Person selbst. Es führt auch dazu, das den Schüler und Schülerinnen bewusst wird, das man Fehler machen kann und es wichtig ist, diese zu reflektieren und zu überlegen, wie man es besser machen könnte.
    Die Lehrkaft sollte nicht als Meister und Allwissender gesehen werden, sondern als einer von ihnen, sodass ein gegenseitiges Lernen und ein Informationsaustausch stattfinden kann.

    12. Januar 2021
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  42. Svenja Schmidt sagte:

    *Schluck*!
    Bei diesem Beitrag musste ich direkt an zwei bestimmte und essentielle Situationen binnen meines bisherigen Studiums denken. Aber dazu später mehr.
    Ich fand es sehr hilfreich und beruhigend diesen Beitrag zu lesen. Er hat mich (erneut) daran erinnert, mich, mein Studium, meine Einstellung zu Kindern und meinen (zukünftigen) Beruf stetig zu reflektieren und zu „reinigen“. In der heutigen schnellen, vielschichtigen und dennoch in so vielen alten Mustern, Normen und Regeln verhafteten Welt ist die ständige und neue Reflexion des Selbst, der Umwelt und der Situation der einzige Weg dazu, sich nicht in der Endlosigkeit zu verlieren. Das passiert nämlich sehr schnell, wenn man aufhört sich selbst zu betrachten und beginnt sich die Schablonen der Gesellschaft, beruhend auf vermeintlich allgemein angenommenen und axiomatischen Auftritt- und Verhaltensweisen, überstreift. Trägt man zu viele, ist es schwer das authentische und echte Selbst zu finden und zu zeigen.
    In einem Ihrer Deutsch-Blockseminare, um den Bogen zur ersten essentiellen Situation zu schlagen, an die ich denken musste, sollten wir der Gruppe am zweiten Tag etwas in einer performativen Weise vermitteln, wobei im Fokus stand, dies authentisch zu tun. Ich bastelte mir den Nachmittag davor mit Mühe, Konzentration und Engagement ein kleines „Erzähl-Theaterstück“ zusammen, was zwar viele persönliche Elemente meines Lebens enthielt, welche jedoch gut maskiert waren und stellte es am anderen Tag mit als erste vor. Sehr viele meiner Kursmitglieder*Innen, welche im Anschluss dran waren, vermochten mich und viele andere mit deutlich mehr authentischer, teilweise spontaner und sehr persönlicher Erzählungen emotional zu erreichen und somit auch zu öffnen. Am Ende des Seminars habe ich mich gefragt, warum mir das so schwer fällt, warum ich mich lieber ständig maskiere und was und wie genau ICH eigentlich bin. Diese Situation beeinflusste meine Sicht auf mich, mein Auftreten und meinen „Erzählstil“ sehr.
    Die zweite Situation lässt sich in mein Praktikum einordnen. Schule in einem Brennpunkt, ebenfalls eine 6. Klasse, ebenfalls Musikunterricht. Die Schüler*Innen waren, ähnlich wie oben von Ihnen geschildert, laut und ungezügelt. Die Lehrperson, welche ich an diesem Tag begleitet habe, hatte erneut Vertretungsunterricht in der Klasse. Sie ermahnte die Schüler*Innen mehrfach lautstark und begann schließlich mit rotem Kopf zu Brüllen. Als auch das keine Wirkung zeigte, schrieb sie Namen einzelner Schüler*Innen auf und ließ diese nach der Stunde warten. Es waren überwiegend arabische Jungs, welchen sie dann drohte, die Eltern über ihr „aggressives“ und unangemessenes Verhalten zu informieren. Viele der Schüler hatten offensichtlich Angst vor dieser Konsequenz und versprachen Besserung in der nächsten Sitzung, wenn sie nicht anrufen würde. Diese Situation weckte absolutes Grauen in mir. Wie kann sie die Kinder erpressen, wissentlich ihrer Ängste, ohne den Versuch zu unternehmen mit ihnen in einen Dialog zu treten?
    Der hier verfasste Beitrag erinnert mich daran, dass ich mir in dieser Situation schon dachte: NEIN! So kann das nicht funktionieren. Nur durch Kommunikation auf Augenhöhe, durch eine symmetrische Beziehung und durch den authentischen Umgang mit der eigenen Person, den Ängsten, Schwächen, Stärken und der Umwelt mit seinen Individuen kann eine vertraute (Lern-) Situation geschaffen werden. Respektiere ich mich und alles was dazu gehört nicht oder verschleiere es, so kann ich auch mein gegenüber nicht klar wahrnehmen und schon garnicht erreichen.

    12. Januar 2021
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  43. Luisa Zeidler sagte:

    Der Text wird mich eine Weile beschäftigen, da im Praxissemester ähnliche Situationen beobachtet habe. Lehrerkräfte, die schreien und zetern, weil sie die Situation mit den Schüler*innen überfordert. Der Fokus lag häufig darauf Ordnung in die Klasse zu bringen und zwar so, dass die Kinder keinen Mucks mehr machen durften. Das finde ich sehr schade, weil die reine Disziplinierung noch kein Lernerfolg bringt. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Kinder besser lernen, sondern dass die Lehrkraft die Stille brauchte. Ich hoffe, dass ich mich später im. Berufsleben an diesen Text erinnere, wenn ich selbst das ein oder andere Mal überfordert vor einer Klasse stehe.

    12. Januar 2021
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  44. Lia Gaulke sagte:

    Ich konnte aus diesem Artikel viel für mich mitnehmen. Was ich besonders im Praxissemester gelernt habe, war, dass laut und böse werden, die Kinder zwar leiser werden lässt, sie gleichzeitig aber auch verschrecken kann, sodass sie sich nicht mehr trauen Gedanken im Unterricht zu äußern oder dass Kinder sauer und bockig werden, wenn sie angeschrieen werden. Je lauter die Lehrkraft wird, desto lauter wird auch die Klasse. Ich habe dies bei einer Hospitation beobachtet. Auch ich wurde bei meiner ersten eigenen Deutschstunde laut. Danach war ich heiser. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich war unzufrieden mit mir und der Sitution. Das nächste Mal versuchte ich es mit einer Klangschale und Schweigen, bis die Kinder mir ihre Aufmerksamkeit von alleine und nicht durch Zwang wegen des Rumschreiens. schenkten. Das war deutlich angenehmer. Mir ist es wichtig mein Handeln als Lehrkraft zu reflektieren und mir deutlich zu machen, dass Kinder andere Bedürfnisse haben und das still sein für sie manchmal wirklich sehr schwer sein kann. In ihnen steckt viel Energie und der Wunsch neue DInge kennen zu lernen. Durch das laut werden wird aber eher die extrinsische Motivation gefördert und das finde ich schade. Ich muss manchmal immer noch laut werden, aber ich habe für mich gelernt, dass der leisere Weg, der bessere ist.

    12. Januar 2021
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  45. Vivien Gerstmeyer sagte:

    Vielen Dank für den ermutigenden Artikel!
    Als ich Ihr Beispiel als Berufsanfängerin gelesen hab dachte ich: „Ja, das beobachten, abwarten und auch aushalten muss man (ich) üben.“ Auch der Gedanke was andere Lehrkräfte über den eigenen Unterricht für eine Meinung haben beschäftigt mich. Und genau das ärgert mich, ich möchte nicht darüber nachdenken was die Anderen denken, sondern mich selbst reflektieren und meinen eigenen Weg und Stil finden. Dazu gehört auch sich Fehler und Fehlentscheidungen einzugestehen und über diese mit den Kindern zu reden. Ich finde es sehr wichtig den SuS zu vermitteln, das niemand, auch kein Erwachsener perfekt ist.

    13. Januar 2021
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  46. Katja Archut sagte:

    „Auch wir [Lehrkräfte] können nicht alles“ – genau so ist es. Doch diese Erkenntnis hatte ich als Schülerin noch nicht. Ich dachte immer, dass meine Lehrkraft „allwissend“ sei (zumindest in den Fächern, die sie unterrichtet) und dass ich bei der Lehrkraft immer eine Antwort auf meine Frage bekommen würde. Als Schüler oder Schülerin kommen einem die Lehrer und Lehrerinnen oft nicht wie Menschen vor – denken wir doch beispielsweise daran, wie verrückt es für uns als Schüler/on war, wenn wir in unserer Freizeit eine Lehrkraft z.B. beim Einkaufen getroffen haben. Dieses Bild von der übergeordneten und allwissenden Lehrkraft konnte ich auch im Praktikum in einer 6. Klasse feststellen. Ich war im Nawi-Unterricht dabei und es ging um tierische und pflanzliche Zellen. Die Kinder sollten ein Arbeitsblatt bearbeiten und kamen bei einer Aufgabe nicht weiter, weshalb sie sich meldeten. Sie meinten: „Komm, wir fragen Frau Archut, die muss es wissen, die ist ja schließlich Lehrerin.“ Ich ging zu den Kindern, las mir die Aufgabe durch und kannte die Antwort nicht. Das teilte ich den Kindern mit, woraufhin diese mich verwirrt anschauten. Dass Lehrer nicht alles wissen und können, stand für sie außer Frage. Daraufhin habe ich vorgeschlagen, dass wir zusammen über die Lösung nachdenken. Ich machte einen Vorschlag, bzw. äußerte eher eine Vermutung und meine Gedanken dazu. Eine Schülerin griff diese Vermutung auf, entwickelte sie weiter und kam schließlich auf die richtige Lösung. Für mich war das ein tolles Gefühl, dass wir zusammen im Gespräch die Aufgabe gelöst haben. Für die Kinder war es wohl eher befremdlich. Ich denke, dass es wichtig ist, nicht nur bei uns (Lehrkräften) das Bewusstsein zu schaffen, Fehler machen zu dürfen und nicht alles zu wissen, sondern, dass wir dieses auch bei den Kindern aufbauen und ihnen kommunizieren sollten. Wir sind auch nur Menschen, die immer noch dazu lernen.

    13. Januar 2021
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  47. Aylin P. sagte:

    Wow! Ein sehr schöner Beitrag. Auch die Kommentare sind sehr interessant. Der Beitrag hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Zu wissen, dass ich als Lehrerin auch Zeit benötige, um mich zu entwickeln, beruhigt und entlastet mich. Ich denke, das Schöne an dem Lehrberuf ist, nicht nur SuS können sich persönlich entfalten, sondern auch wir!

    14. Januar 2021
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  48. Ramona Irmscher sagte:

    Ein lesenswerter Beitrag, der einem noch mal vor Augen führt, dass wir alle Menschen sind. Lehrkräfte sollten nicht nur ihren Lehrplan vor Augen haben, der sicherlich eine wichtige Sache ist, aber eben auch nicht alles. Wo mit Menschen gearbeitet wird, sollte Menschlichkeit nicht fehlen.
    Das Unterrichtsbeispiel kann ich sehr gut nachempfinden. Ähnlich fühlte ich mich auch während des Praktikums in den Unterrichtsstunden, die ich gehalten hatte. Es tut gut zu lesen, dass es anderen auch so gut. Aber auch, dass es ein Prozess ist, der einem zum Nachdenken bringt und somit einem auch weiterbringt.

    14. Januar 2021
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  49. Meike Lippold sagte:

    Im Verlauf meines Praktikums habe auch ich festgestellt, dass es eine fehlende „Fehlerkultur“ gibt. Fehler werden von den meisten Lehrkräften als negativ angesehen und bestraft. Doch sind Fehler nicht ein wichtiger Bestandteil, um der Lösung näher zu kommen? Häufig führen Kleinigkeiten zu Fehlern. Genau diese sollten dann gemeinsam, ob in der Klasse oder mit der Lehrkraft, gelöst werden. Viele Kinder haben jedoch Angst, da sie in der Schule vermittelt bekommen, dass es „Bestrafungen“ gibt, wenn sie Fehler machen. Das sollte sich meiner Meinung nach ändern. Den Schüler*innen muss von Seiten der Lehrkraft aufgezeigt werden, dass Fehler ein wichtiger Bestandteil des Lernprozesses sind.
    Weiterhin habe auch ich festgestellt, dass sich die Zusammenarbeit und Kooperation zwischen mir und den Schüler*innen wesentlich positiver gestaltet, wenn das Vertrauen vorhanden ist und man den SuS auf „Augenhöhe“ begegnet und sie nicht „von oben herab“ behandelt.

    14. Januar 2021
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  50. Aysu Akalin sagte:

    Ich finde den Beitrag sehr gelungen. Nachdem ich ihn gelesen habe, habe ich erneut über meine Erfahrungen aus dem Praxissemester nachgedacht. Wie authentisch und ehrlich war ich in allen Situationen? Meine Praktikumsklasse war eine sehr auffällige und zum Teil problematische Klasse. Anfangs hatte ich meine Bedenken und Befürchtungen, doch habe diese kaum angesprochen. Auch in einigen von mir durchgeführten Unterrichtsstunden habe ich Erfahrungen gemacht, die für mich „unbequem“ waren. Im Nachhinein habe ich mich dazu entschieden mit Lehrkräften über diese Erfahrungen zu sprechen. Insbesondere nachdem ich erfahren habe, dass auch andere die Erfahrungen gemacht haben, war ich erleichtert. Diese Erleichterung hat sich meiner Meinung nach positiv auf die folgenden Unterrichtstunden ausgewirkt. Somit hat die Reflexion und das Sprechen über meine eigenen Gefühle und Gedanken dazu beigetragen, dass meine sich Persönlichkeit während des Unterrichtens entwickelt hat.

    15. Januar 2021
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  51. Robin Kern sagte:

    Ich denke sowohl der Wille als auch der Mut sind entscheidende Faktoren für unser Gelingen als Lehrkraft. Hierzu zwei Zitate von Kant: „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen (…)“ und „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“

    19. Januar 2021
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  52. Tilla Schmitz sagte:

    Was für berührende Zeilen von Ihnen! Vielen Dank dafür, dass Sie uns an Ihren Gedanken teilhaben lassen.

    **Wir lehren den Kindern, an sich selbst zu glauben und versuchen sie bestmöglich auf die Welt vorzubereiten, damit sie so gesund und so mündig wie möglich leben können.**

    Sie lehren uns unsere Stärken und Schwächen mit einer glasklaren Ehrlichkeit, für die wird dankbar sein können.
    Meine größte Herausforderung in der Schule: Ich kann nicht von allen gemocht werden, ich kann es nicht jedem Recht machen.
    Was wir von ihnen lernen können: Wahrnehmen, reflektieren, hinterfragen, zulassen, fühlen, erinnern, aufarbeiten, vertrauen, zutrauen, Selbstliebe.

    **Die Kinder lehren uns, an uns selbst zu glauben und versuchen uns bestmöglich auf die Welt vorzubereiten, damit wir so gesund und so mündig wie möglich leben können.**

    24. Januar 2021
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