{"id":191,"date":"2016-04-07T09:59:16","date_gmt":"2016-04-07T09:59:16","guid":{"rendered":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=191"},"modified":"2019-10-09T13:20:09","modified_gmt":"2019-10-09T13:20:09","slug":"ein-unterrichtsbeispiel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=191","title":{"rendered":"Ein Unterrichtsbeispiel"},"content":{"rendered":"<h5>\u201eSchl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen&#8230;\u201c (Eichendorff).<\/h5>\n<p><a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/08_wuenschelrute.jpg\" rel=\"attachment wp-att-192\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-192\" src=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/08_wuenschelrute-200x300.jpg\" alt=\"08_wuenschelrute\" width=\"137\" height=\"206\" \/><\/a><\/p>\n<p>W\u00fcnschelrute<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Schl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen,<\/em><\/p>\n<p><em>Die da tr\u00e4umen fort und fort,<\/em><\/p>\n<p><em>Und die Welt hebt an zu singen,<\/em><\/p>\n<p><em>Triffst du nur das Zauberwort.<\/em><\/p>\n<p>Texterschlie\u00dfung und Weltverstehen<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erschlie\u00dfung dieses romantischen Vierzeilers m\u00f6chte ich folgende methodische Vorgehensweise anbieten:<\/p>\n<p>Zuerst lesen die Sch\u00fcler*innen nur 2 Begriffe, ohne das Gedicht zu kennen:<\/p>\n<p><strong>Dinge<\/strong> und <strong>Tr\u00e4ume<\/strong>.<\/p>\n<p>Sie erhalten die Aufgabe, diese in Beziehung zueinander zu setzen und werden antworten, dass man von Dingen tr\u00e4umen kann, von Gegenst\u00e4nden oder Tageserlebnissen (Vorg\u00e4ngen). Stellt man ihnen die Frage, ob nicht auch der umgekehrte Fall denkbar w\u00e4re, n\u00e4mlich der, dass die Dinge selbst Tr\u00e4ume haben, dann reagieren sie oft ungl\u00e4ubig. Genau das ist aber Eichendorffs Botschaft. Wenn wir dann einige Gegenst\u00e4nde im Klassenraum betrachten wie z. B. Tafel und Kreide, oder den Baum vor dem Fenster, ordnen die Kinder ihnen rasch und unkompliziert Tr\u00e4ume zu. Die Kreide m\u00f6chte niemals verbraucht, die Tafel gut gewischt werden. Der Baum m\u00f6chte je nach Jahreszeit Bl\u00e4tter bekommen oder gegossen werden oder spielende Kinder beh\u00fcten. Die Imagination ist grenzenlos.<\/p>\n<p>Nun pr\u00e4sentiere ich die ersten 2 Zeilen und frage danach, was der Dichter behauptet.<\/p>\n<p><em>\u00a0 Schl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen,<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0 Die da tr\u00e4umen fort und fort,<\/em><\/p>\n<p>Die Sch\u00fcler*innen stellen fest, dass Eichendorff der Meinung ist, dass es tats\u00e4chlich die Dinge sind, die tr\u00e4umen.\u00a0Der Begriff Lied m\u00fcsste gekl\u00e4rt werden und dann nehmen wir den Dichter beim Wort. Ich verteile Dinge und zwar viele verschiedene. M\u00e4rchenhafte, wie einen goldenen Schl\u00fcssel, aber auch Schraubenzieher und B\u00fcroklammer. Denn es ist ja von \u201eallen Dingen\u201c die Rede, nicht nur von romantischen.\u00a0Die Sch\u00fcler*innen erhalten eine Schreibaufgabe. Sie versetzen sich in \u201eihr Ding\u201c und schreiben in der Ich-Form dessen Tr\u00e4ume auf.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Beispiele:<\/span><\/p>\n<p>\u201eIch bin ein Schraubenzieher und m\u00f6chte mich n\u00fctzlich machen. Aber immer, wenn ich einen Fehler mache, werde ich angeschrien. Dabei m\u00f6chte ich es lernen, sauber und glatt eine Schraube reinzudrehen.\u201c<\/p>\n<p>(Gina, 4. Klasse)<\/p>\n<p>\u201eIch bin ein goldener Schl\u00fcssel, aber ich stelle Aufgaben. Wenn ein Angeber mich nimmt, kriegt er die T\u00fcr nicht auf. Erst muss er seine Fehler zugeben.\u201c<\/p>\n<p>(Yunus, 4. Klasse)<\/p>\n<p>Bei der Auswertung der Texte stellen wir fest, dass es m\u00f6glich ist, den Dingen einen \u201eTraum\u201c zu geben und diesen Traum mit eigener Weltwahrnehmung zu f\u00fcllen. Man muss nur dazu bereit sein.<\/p>\n<p>Jetzt wenden wir uns dem zweiten Verspaar zu. Ohne es zu kennen, lesen die Sch\u00fcler nur den Begriff \u201e<strong>Welt<\/strong>\u201c.<\/p>\n<p>Die Frage an sie lautet, ob sich denn die Welt ver\u00e4ndert, wenn alle Dinge von etwas tr\u00e4umen.\u00a0Schon zu Beginn des Unterrichts haben wir festgestellt, dass sich unsere Wahrnehmung von der Kreide, die nicht schrumpfen will, ver\u00e4ndert hat. Wir haben sie angeschaut, sie hat jetzt f\u00fcr uns eine Bedeutung. Die Welt wird bunter durch die tr\u00e4umenden Dinge oder wichtiger, das sind typische Inhalte von Sch\u00fcler\u00e4u\u00dferungen.\u00a0Und die Anschlussfrage wird durch das Lesen des einzigen Wortes \u201e<strong>Du<\/strong>\u201c inszeniert.<\/p>\n<p>Was musst du tun, damit die Tr\u00e4ume der Dinge entdeckt werden?<\/p>\n<p>Nun ist Zeit, f\u00fcr die Aufdeckung des 2. Verspaares:<\/p>\n<p><em>\u00a0 \u00a0 \u00a0Und die Welt hebt an zu singen,<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0 \u00a0 \u00a0Triffst du nur das Zauberwort.<\/em><\/p>\n<p>In einer fast philosophischen Diskussion kann jetzt der 2. Teil des Gedichtes erschlossen und der gesamte Vierzeiler r\u00fcckw\u00e4rts lesend verstanden werden.\u00a0Wenn du das Zauberwort triffst und die Phantasie hast, die Dinge zum Leben zu erwecken, dann f\u00e4ngt die Welt an zu singen und wird interessanter.<\/p>\n<p>Den Abschluss dieser Doppelstunde bildet die Begriffserkl\u00e4rung \u201eW\u00fcnschelrute\u201c und deren Bedeutung f\u00fcr den Text.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<pre>Bildquelle:\u00a0http:\/\/www.julianeheise.de\/docs\/germanbanyan_dt.html<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen&#8230;\u201c (Eichendorff). 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