{"id":555,"date":"2021-01-01T13:35:07","date_gmt":"2021-01-01T13:35:07","guid":{"rendered":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=555"},"modified":"2021-01-01T13:38:53","modified_gmt":"2021-01-01T13:38:53","slug":"die-unbezwingbarkeit-der-lehre-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=555","title":{"rendered":"Die Unbezwingbarkeit der Lehre"},"content":{"rendered":"<h5><strong>Ich fordere dich, weil ich dich achte (Makarenko).<\/strong><\/h5>\n<p><a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/makarenko.jpg\" rel=\"attachment wp-att-545\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-545\" src=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/makarenko-300x158.jpg\" alt=\"makarenko\" width=\"300\" height=\"158\" srcset=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/makarenko-300x158.jpg 300w, http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/makarenko.jpg 310w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Wenn Sie, ausgehend von diesem Zitat, das Interesse versp\u00fcren, sich \u00fcber den sowjetischen P\u00e4dagogen Anton Semjonowitsch Makarenko zu informieren, dann tun sie es. Seine umstrittenen Ans\u00e4tze erweitern, wenn sie kritisch gelesen werden, den didaktischen Horizont.<\/li>\n<li>An dieser Stelle frage ich, welche Ziele bei unserer Arbeit mit den Kindern an oberster Stelle stehen?<\/li>\n<li>Es sind die Entfaltung aller inneren Kr\u00e4fte, die selbstbestimmte Pers\u00f6nlichkeit, der freie Wille, das kritische Denken. Damit meine ich nicht nur die Kinder sondern auch uns als Lehrende. Die Arbeit mit den Kindern tr\u00e4gt auch zu unserer Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung als Erwachsene bei.<\/li>\n<li>Kurz ein Hinweis: Die eben genannten sch\u00f6nen Ziele der Entwicklung zur freien Pers\u00f6nlichkeit bedeuten nicht, dass wir alles d\u00fcrfen. Bestimmte Dinge m\u00fcssen nach gewissen Vorgaben geschehen. Am Instrument, beim Tanz, beim Sport, bei der Versorgung von Tieren. Und sagen Sie den Kindern, dass wir alle auch Pflichten haben. Aber wir wissen, dass es welche sind und gehorchen nicht blind.<\/li>\n<li>Dabei bin ich jetzt am entscheidenden Punkt. Unbezwingbar wird Ihre Lehre, wenn die Kinder Ihnen als aufrichtigem Menschen und Gespr\u00e4chspartner vertrauen k\u00f6nnen. Wenn Sie es schaffen, auch in Ihrer eigenen Verletzlichkeit, vor die Kinder zu treten und zu sagen: Suchen wir gemeinsam nach Sinnhaftigkeiten, Strategien, L\u00f6sungswegen und \u00c4hnlichem. Geben Sie eigene Schwierigkeiten zu. Auch wir k\u00f6nnen nicht alles. Auch wir machen Fehler, begehen Ungerechtigkeiten, treten in Fettn\u00e4pfe und sind zuweilen unaufmerksam.<\/li>\n<li>Nichts ist schlimmer als eine Lehrperson, die alles besser wei\u00df, rechthaberisch auf die Umsetzung von (\u00fcbrigens immer fragw\u00fcrdigen) Regeln beharrt, f\u00fcr alles eine L\u00f6sung verspricht und wom\u00f6glich mit immer sch\u00e4rferen Ma\u00dfnahmen droht.<\/li>\n<li>Reichen Sie stattdessen den Kindern die Hand, \u00f6ffnen Sie T\u00fcren f\u00fcr andere Pr\u00e4sentationen der Pers\u00f6nlichkeit.<\/li>\n<li>Ein Kind, das mobbt, ist nicht frei. Ein Kind, das st\u00e4ndig st\u00f6rt, ist getrieben von dem Wunsch nach Anerkennung. Provokationen, ich sagte es schon an anderer Stelle, sind Ph\u00e4nomene, die nicht immer als Beleidigung deklariert werden m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Nun sagen Sie: Super, alles sch\u00f6n, klingt klasse, aber wie schaffe ich das?<\/li>\n<li>Reflektieren Sie Ihre Pers\u00f6nlichkeit, durchforschen Sie Ihr Inneres nach den Pr\u00e4gungen, die Sie geformt haben. Stellen Sie sich selbst in Frage. Der Umgang mit problematischen Lerngruppen kann langfristig Ihr Wesen st\u00e4rken. Wie?<\/li>\n<li>Nun ja, wenn sie es schaffen, nicht st\u00e4ndig zwanghaft auf alles und jeden zu reagieren, wenn Sie die Gr\u00f6\u00dfe haben, Schw\u00e4che zu zeigen. Wenn Sie Erziehungsakte wie Disziplinierung auch in die Gruppe hineingeben. Sie m\u00fcssen nicht alles kontrollieren, nicht alles wissen und verstehen, nicht f\u00fcr alles einen Plan oder eine Erziehungsstrategie haben.<\/li>\n<li>Ein Beispiel aus meinem Leben: 6. Stunde in einer 6. Klasse, Fach Musik. Als Berufsanf\u00e4ngerin betrete ich den Raum. Ohrenbet\u00e4ubende Musik (wir haben ja Musik), exaltiertes Tanzen, Besen als Mikrofon, niemand auf dem Platz usw. Scham steigt in mir hoch, bei diesem L\u00e4rm blamiere ich mich vor allen Kollegen zumindest dieses Flures. Also: laute Stimme, schimpfen, drohen, Besen wegnehmen etc. Dazwischen ein paar sehr nette M\u00e4dchen, die eine Unterhaltung anfangen wollen: Ihr Pullover ist h\u00fcbsch, Ihre Augen sch\u00f6n gr\u00fcn, Ihr Haarband steht Ihnen\u2026. Ich leider zu gestresst. Setzt euch hin, seid endlich leise, ich m\u00f6chte endlich anfangen bla, bla, bla.. Ich war damals noch nicht so weit, abzuwarten, zu beobachten, Schwingungen wahrzunehmen, die Lerngruppe zu verstehen lernen. Als wir im Laufe des Schuljahres \u00fcber die Situation, die nicht besser wurde sprachen, sagten die M\u00e4dchen zu mir: Merken Sie eigentlich nicht, dass wir Ihnen immer ein Kompliment machen, wenn Sie kommen. Und Sie fangen immer gleich zu schimpfen an. Die M\u00e4dchen hatten Recht.<\/li>\n<li>Vertrauen wir doch der in uns wohnenden Menschlichkeit. Den Erfahrungen, die wir machen. Der Stimmung im Miteinander, der F\u00e4rbung der Schwingung.<\/li>\n<li>St\u00e4rken Sie Kinder, die sich \u00f6ffnen. Best\u00e4tigen Sie Kinder, die Ihre Schw\u00e4chen artikulieren. Seien Sie vers\u00f6hnlich, vergeben Sie. Sind wir frei von Fehlern?<\/li>\n<li>Schaffen Sie dauerhafte Lernszenarien, in denen wir gemeinsam die Anregung zur Selbstwahrnehmung finden. (Ich erzielte dann in der Klasse ganz guten Erfolg mit Wagners \u201aWalk\u00fcrenritt\u2018. Die Musik war krasser als die Kinder<span class=\"aCOpRe\"> :-D.<\/span><\/li>\n<li>Lockern Sie niemals Ihren Anspruch auf die Verfeinerung Ihrer Pers\u00f6nlichkeiten. Sind Sie eitel? Macht Ihre Bildung Sie \u00fcberheblich? M\u00f6chten Sie sich in einem gl\u00e4nzenderen Licht darstellen? Kompensieren Sie eigene Schw\u00e4che durch besondere H\u00e4rte? M\u00f6chten sie for ever young, begehrenswert, attraktiv, sportlich und unbeschwert erscheinen? Vergessen Sie das alles, denn die Kinder werden Sie durchschauen.<\/li>\n<li>Unbezwingbar in der Lehre sind Sie, wenn Sie einen konsequenten Bildungsweg verfolgen, der von h\u00f6chster innerer Aufrichtigkeit und von einem ehrlichen Drang nach Erkenntnis gepr\u00e4gt ist. Zu dieser Erkenntnis geh\u00f6rt auch der tiefgehende Umgang mit den Ph\u00e4nomen der Welt, die heute ungern geh\u00f6rt werden. Dazu geh\u00f6ren Verg\u00e4nglichkeit, Abschied, Trauer. Hotwords wie ich gerade gelernt habe.<\/li>\n<li>Es kann sehr gewinnbringend sein, Transition zum einem immer wiederkehrenden Unterrichtsgegenstand zu machen. Sich \u00dcberg\u00e4ngen bewusst zu werden und Abschiede aushalten zu k\u00f6nnen und zu zelebrieren ist die erste Stufe zu einem erf\u00fcllten Leben.<\/li>\n<li>Und damit sind wir am Punkt: Wie mache ich das Beste aus meinem Leben und wie bef\u00e4hige ich meine Sch\u00fcler*innen dazu?<\/li>\n<li>Indem Sie auch Ihre dunklen Seiten beleuchten, die Katastrophen, die Fehlentscheidungen, die Schw\u00e4chen, die Umwege, die Ratlosigkeiten innerhalb Ihrer Biographie. Gestehen Sie sich auch das Unbequeme ein. Teilen Sie es mit den Kindern. Denn gerade sie sind im wahrsten Sinne Suchende.<\/li>\n<li>Wir muten damit den Kindern nicht zu viel zu, im Gegenteil. Wir machen Sie zu Partnern bei der Hinterfragung von Lebensumst\u00e4nden, Schicksalen, Hoffnungen, Sehns\u00fcchten.<\/li>\n<li>Nur so kann innerhalb der Lehre der gemeinsam gelebte Traum von der Unbezwingbarkeit menschlicher W\u00fcrde gelingen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<pre>Bildquelle: https:\/\/www.google.com\/search?q=makarenko&amp;tbm=isch&amp;ved=2ahUKEwjC1faUlu7tAhWKOuwKHRm5BKcQ2#imgrc=n08YTXmoZBObuM<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich fordere dich, weil ich dich achte (Makarenko). Wenn Sie, ausgehend von diesem Zitat, das Interesse versp\u00fcren, sich \u00fcber den sowjetischen P\u00e4dagogen Anton Semjonowitsch Makarenko zu informieren, dann tun sie es. 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