{"id":643,"date":"2021-03-08T14:01:01","date_gmt":"2021-03-08T14:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=643"},"modified":"2022-03-23T10:28:54","modified_gmt":"2022-03-23T10:28:54","slug":"der-mut-als-methodischer-gegenstand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=643","title":{"rendered":"Der Mut als methodischer Gegenstand"},"content":{"rendered":"<h5><strong>&#8218;Herze wag&#8217;s auch du&#8230;&#8216; (Fontane)<\/strong><\/h5>\n<p><a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Mut.jpg\" rel=\"attachment wp-att-645\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-645\" src=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Mut-300x169.jpg\" alt=\"Mut\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Mut-300x169.jpg 300w, http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Mut-768x434.jpg 768w, http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Mut.jpg 907w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Ich denke es wird Zeit \u00fcber verletzliche St\u00e4rke und st\u00e4rkende Schw\u00e4che nachzudenken.<\/li>\n<li>Ein Wort zu Beginn: Ich pers\u00f6nlich m\u00f6chte die St\u00e4rke haben, Schw\u00e4chen zeigen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Was braucht es dazu? Ein verst\u00e4ndnisvolles Umfeld? Ja, auch. Aber das findet sich ja nun nicht immer. Selbst in Familien, die ja oft als Quelle der Liebe dargestellt sind, werden Schw\u00e4chen belauert, vermeintliche Fehler und Fehlverhalten hervorgehoben und geahndet,\u00a0 konstruktive Selbstkritik als Eingest\u00e4ndnis von Mangelhaftigkeiten gewertet.<\/li>\n<li>Also: Trust in yourself.<\/li>\n<li>In der Philosophie geh\u00f6rt der \u201aSprung\u2018 seit Kierkegaard zur existentiellen Erweiterung des Seins. Nicht Stufe f\u00fcr Stufe vorankommen, kein Anklammern an Sprossen.<\/li>\n<li>Sto\u00dfen wir die Leiter von uns und wagen wir den Sprung.<\/li>\n<li>Wohin? In das Ungewisse, in das Wagnis.<\/li>\n<li>Unsere Kinder sind dazu bereiter als wir. Er\u00f6ffnen wir mit Schulklassen folgendes Szenario:<\/li>\n<li>Wenn es im M\u00e4rz allm\u00e4hlich w\u00e4rmer wird und die Bl\u00e4tter an den B\u00e4umen sprie\u00dfen, ist es auch f\u00fcr die Menschen eine Zeit des Aufbruchs. Sehnsucht nach einer sch\u00f6nen Freundschaft oder einer neuen Liebe, mehr Sport, frischerem Essen, Reisen, Sonnenunterg\u00e4ngen im Freien, luftiger Kleidung; das sind Gedanken, Vors\u00e4tze, W\u00fcnsche, die uns durch den Kopf gehen. Sind alle in Aufbruchstimmung und Vorfreude?<\/li>\n<li>Ein alter Apfelbaum ist es nicht. Er knurrt: \u201eEs ist erst M\u00e4rz und M\u00e4rz ist noch nicht Mai\u201c. (Fontane)<\/li>\n<li>B\u00fchne auf f\u00fcr die B\u00e4ume im Fr\u00fchling. Kommt, performt! Ihr seid jetzt selbst B\u00e4ume, dynamische B\u00e4ume im Fr\u00fchling. Jung, stark, fr\u00f6hlich, selbstbewusst. Endlich ist der Winter vorbei, stellt euch Party vor, Tanz, Sport, Freiheit, Gesang! Let\u2018s rock the spring!<\/li>\n<li>Jetzt brauchen wir noch einen alten Baum. Na, wer markiert einen uralten Opa (bitte trotzdem Respekt vor \u00e4lteren Herrschaften, mein ich ernst!). Dieser Baum knurrt. Er will den Fr\u00fchling noch nicht, vielleicht auch nie mehr. \u201eWohl z\u00f6gert noch das alte Herz und atmet noch nicht frei. Es ist erst M\u00e4rz und M\u00e4rz ist noch nicht Mai\u201c.<\/li>\n<li>Diese Worte w\u00fcrde ich als Lehrkraft sprechen w\u00e4hrend ein neuer Mitspielender die Szene betritt. Klappt sehr gut. Ein Teil der Klasse tanzt, ein anderer Teil schaut zu, klatscht, feuert an etc. Und immer findet sich jemand, der den z\u00f6gernden, alten Baum darstellt. Meist machen die anderen Kinder diesem Mut: \u201aKomm, tanz mit, wir tanzen auch langsam, damit du mitmachen kannst\u2018 (O-Ton 4. Klasse).<\/li>\n<li>Das Ziel dieser Performanz ist eine neue Nachdenklichkeit. Wir sind uns immer sehr einig dar\u00fcber, dass Fr\u00fchling so etwas Tolles ist. Wir z\u00e4hlen die Monate (ich auch), wir m\u00f6chten erl\u00f6st sein vom Wintergrau, wir m\u00f6chten wieder ein buntes Leben. So weit, so gut.<\/li>\n<li>Aber denken Sie einmal mit den Kindern dar\u00fcber nach, wer sich vielleicht nicht auf den Fr\u00fchling freuen kann. Allergiker, Einsame, die Liebespaare betrachten, Gefangene, Kranke, Sch\u00fcchterne, die sich lieber in dicken Winterklamotten verstecken, Melancholiker, die den Druck versp\u00fcren, fr\u00f6hlich sein zu m\u00fcssen. Menschen, die den Fr\u00fchling nicht in ihrer Heimat verleben k\u00f6nnen. Fragen Sie die Kinder, Sie werden sich wundern wieviel Verst\u00e4ndnis bei ihnen ist.<\/li>\n<li>Nun begegnen wir zum ersten Mal Theodor Fontanes Gedicht \u201aFr\u00fchling\u2018. Zun\u00e4chst den ersten beiden Strophen.<\/li>\n<\/ul>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Nun ist er endlich kommen doch<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">In gr\u00fcnem Knospenschuh;<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">\u00bbEr kam, er kam ja immer noch\u00ab,<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Die B\u00e4ume nicken sich&#8217;s zu.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Sie konnten ihn all erwarten kaum,<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Nun treiben sie Schu\u00df auf Schu\u00df;<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Im Garten der alte Apfelbaum,<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Er str\u00e4ubt sich, aber er mu\u00df.<\/h5>\n<ul>\n<li>Wir haben die Kinder (und uns, ich mache da keinen so gro\u00dfen Unterschied) sensibel in den Text hineingeleitet. Machen wir noch einmal die B\u00fchne auf, es wird nicht langweilig, glauben Sie es mir. Junge B\u00e4ume, die Knospen ploppen, sie nicken einander zu und jubeln. Und etwas abseits unser alter Freund. Lesen wir jetzt dazu den Originaltext (Sie oder ein Kind, oder pro Zeile ein Kind, oder ein Chor von Kindern spricht die Zeilen, oder nur Schl\u00fcsselbegriffe und gar nicht den vollst\u00e4ndigen Text; h\u00e4ngt von der Lerngruppe ab). Auch die dritte Strophe erschlie\u00dft sich jetzt:<\/li>\n<\/ul>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Wohl z\u00f6gert auch das alte Herz<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Und atmet noch nicht frei,<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Es bangt und sorgt: \u00bbEs ist erst M\u00e4rz,<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Und M\u00e4rz ist noch nicht Mai.\u00ab<\/h5>\n<ul>\n<li>Nun zum eigentlichen Grund meiner Auswahl dieses Textes. Die vierte Strophe richtet sich an uns alle. Habt Mut, vertraut auf euch, wagt Etwas, etwas Neues! Herze, wag\u2019s auch du!<\/li>\n<\/ul>\n<h5 style=\"text-align: center;\">O sch\u00fcttle ab den schweren Traum<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Und die lange Winterruh:<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Es wagt es der alte Apfelbaum,<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Herze, wag&#8217;s auch du.<\/h5>\n<ul>\n<li>Was m\u00fcsste ich mich (nicht nur) in diesem Fr\u00fchling einfach mal trauen, wozu sollte ich den Mut aufbringen?<\/li>\n<li>H\u00f6ren Sie die Kinder und Jugendlichen:<\/li>\n<li>Maida 5. Klasse: \u201aIch m\u00fcsste mal meiner Mutter sagen, dass es nervt, wenn sie <u>st\u00e4ndig<\/u> meine beste Freundin sein m\u00f6chte\u2018.<\/li>\n<li>Luca 1. Klasse: \u201aZur\u00fcckhauen\u2018!<\/li>\n<li>Lisa 3. Klasse: \u201aIch denk an meine Oma. F\u00fcr sie w\u00e4re es so toll, wenn sie sich traut, ein paar Schritte ohne Rollator zu machen\u2018.<\/li>\n<li>Oscar 5. Klasse: \u201aIch m\u00fcsste aufh\u00f6ren \u00fcberhaupt so \u00e4ngstlich zu sein. Vielleicht sollte ich mal Superman sehen\u2018.<\/li>\n<li>Ole 7. Klasse: \u201aAll die, die nicht mehr an die Liebe glauben, sollten sich Mut nehmen. Irgendwo gibt es sie, DIE gro\u00dfe Liebe, auch f\u00fcr euch. Shure\u2018!<\/li>\n<li>Amelie 10. Klasse: \u201aUff, da gibt es so viel. Ich geh raus, ich starre ins Handy. In den Spiegel. Ich vergleiche mich dauernd mit anderen. Ich stehe vor dem Spiegel: zu dick, zu picklig, zu wenig sexy. Jetzt seh ich meine Freunde nicht, werde ich sie wieder kriegen? Ich mein, vielleicht finden sie was Besseres als mich. Das sind alles so \u00c4ngste, die Zukunft, Corona, Verreisen, alles so unsicher. Hi, alter Apfelbaum, so cool wie du m\u00f6chte ich auch drauf sein\u2018.<\/li>\n<li>Und jetzt liebe P\u00e4dagogikliebhaber*innen, jetzt h\u00f6ren Sie sich ein Lied ohne Worte von Mendelssohn-Bartholdy an. Genannt: Fr\u00fchlingslied. \u00dcberlegen wir gemeinsam, was wir einmal wagen sollten.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=S00zRU2OobY\">Fr\u00fchlingslied<\/a><\/li>\n<li>Und hier noch ein sch\u00f6nes Arbeitsblatt dazu. Herze, wag&#8217;s auch du!<\/li>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Fr\u00fchlingserwachen-Arbeitsblatt.pdf\" rel=\"\">Fr\u00fchlingserwachen Arbeitsblatt<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<pre>Bildquelle: https:\/\/blog.hays.de\/ueber-leisen-mut-und-die-kraft-von-experimenten-die-kunst-des-musterbruchs\/<\/pre>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8218;Herze wag&#8217;s auch du&#8230;&#8216; (Fontane) Ich denke es wird Zeit \u00fcber verletzliche St\u00e4rke und st\u00e4rkende Schw\u00e4che nachzudenken. Ein Wort zu Beginn: Ich pers\u00f6nlich m\u00f6chte die St\u00e4rke haben, Schw\u00e4chen zeigen zu k\u00f6nnen. 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