{"id":660,"date":"2021-04-12T12:45:43","date_gmt":"2021-04-12T12:45:43","guid":{"rendered":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=660"},"modified":"2021-04-12T12:47:27","modified_gmt":"2021-04-12T12:47:27","slug":"der-mythos-als-methodischer-gegenstand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=660","title":{"rendered":"Der Mythos als methodischer Gegenstand"},"content":{"rendered":"<h5>\u00a0\u00a0<strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/h5>\n<h5>&#8218;<strong>Das Unniversum ist ungeheuer&#8230;&#8216; (Schreier)<\/strong><\/h5>\n<h5><a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/wege-zum-mythos.jpg\" rel=\"attachment wp-att-662\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-662\" src=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/wege-zum-mythos-215x300.jpg\" alt=\"wege zum mythos\" width=\"188\" height=\"262\" srcset=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/wege-zum-mythos-215x300.jpg 215w, http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/wege-zum-mythos.jpg 358w\" sizes=\"(max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/h5>\n<ul>\n<li>Mythos: Der ewige Brunnen allen menschlichen Denkens.<\/li>\n<li>Beginnen wir mit dem Zitat von Helmut Schreier: Das Universum ist ungeheuer. Ist es doch, oder? Deshalb halte ich auch nichts von flauen, schmalbr\u00fcstigen, halbwahren Erkl\u00e4rungsversuchen (gerade f\u00fcr Kinder!).<\/li>\n<li>R\u00e4tsel, Drama, Verwicklung, Sprunghaftigkeit kennzeichnen den Mythos. Ebenso Ph\u00e4nomene wie Hass, Verrat, Rache, List, Eifersucht, Strafe. Es gibt aber auch die Selbsterkenntnis, die Einsicht, den Wandel.<\/li>\n<li>Der Mythos zeigt die ganz gro\u00dfen Wunder des Daseins: Eine unnennbar gro\u00dfe Liebesszene (Odysseus kehrt nach 20 Jahren zu seiner Frau Penelope zur\u00fcck. Es ist ein tastendes, zweifelndes Wiedererkennen nach langer Zeit. Die G\u00f6tter halten die Zeit an. Die Liebenden k\u00f6nnen sich im zeitlosen Raum wieder vereinigen). Es gibt den Traum von der ewigen Liebe (Philemon und Baucis) und die Wandlung vom Tyrannen in einen weisen Herrscher (Gilgamesch).<\/li>\n<li>Der Mythos zeigt den Menschen nicht nur in seiner w\u00fcnschenswerten Gestalt, er zeichnet das gesamte Bild, auch den Abgrund.<\/li>\n<li>Mit einer einfachen &#8218;Moral von der Geschicht&#8220; kommen wir hier nicht weiter. Das m\u00fcssen die wissen, die sich auf das Thema einlassen. Es gibt keine Lehre im Sinne von &#8218;Belehren&#8216;.<\/li>\n<li>Zur Verdeutlichung noch ein Beispiel: Was ist ein Held? Der Begriff wird heute auch in der Alltagssprache verwendet und bezeichnet hervorhebenswertes soziales Engagement.<\/li>\n<li>Was aber ist der Held\u00a0 im Mythos? Weder Vorbild noch Idol. Sondern ein gewaltiges Konstrukt brodelnder Emotionalit\u00e4t. In sich voller Widerspruch. Niemand k\u00e4mpft so mutig wie Achill, aber niemand weint auch so bitterlich wie er. Sein Zorn ist \u00fcberbordend, die Z\u00e4rtlichkeit f\u00fcr seinen Freund Patroklos ebenfalls.<\/li>\n<li>Selbstbildung mit dem Mythos bedeutet: Keine ausgefahrenen didaktischen Autobahnen; stattdessen verwunschene Wege der Selbstfindung.<\/li>\n<li>Lehre als &#8218;rambling&#8216;. Gehen Sie zu der Seite <a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=437\" target=\"_blank\">Das &#8218;rambling&#8216; der Lehre<\/a> innerhalb dieses Blogs.<\/li>\n<li>Sehen Sie, es ist die Sinnhaftigkeit alles Erlebens gefragt, das \u00dcberdenken aller Handlungen, die Positionierung des &#8218;Selbst&#8216; im Dasein. Die Ausdehnung des gedanklichen Vorstellungsfeldes bis hin zum Unendlichen.<\/li>\n<li>Dann findet Bildung nicht nur im schulischen Raum statt. Selbstverst\u00e4ndlich nehmen wir solches Erleben mit nach Haus. (Insbesondere gilt dies f\u00fcr das Homeschooling, welches so sehr viel mehr inhaltlich intensivert werden k\u00f6nnte).<\/li>\n<li>Wir verlassen die Welt des Nur-Rationalen und beziehen Zauber, Magie, Gebet, Furcht, Traum, Reise, Demut und Schicksalhaftigkeit in unser Nachdenken \u00fcber die Welt mit ein.<\/li>\n<li>Werden wir dadurch menschlicher, toleranter, weitfassender, mitf\u00fchlender? Es w\u00e4re so w\u00fcnschenwert und notwendig.<\/li>\n<li>In der Ber\u00fchrung mit der Gr\u00f6\u00dfe des Mythos verkleinert sich die Selbstbezogenheit. Wenn ich von mir auch absehen und mich fremden Schicksalen zuwenden kann, w\u00e4chst in mir die Kraft des ehrlichen Mitgef\u00fchls, die der\u00a0 Empathie.<\/li>\n<li>Dies ist doch ein Schl\u00fcssel zur Weltverst\u00e4ndigung, nicht wahr?<\/li>\n<li>Ich gehe weiter: Mythos ist in seiner Tiefe erhaben (<a href=\"https:\/\/www.philomag.de\/artikel\/schiller-und-das-erhabene\">Das Erhabene<\/a>) und poetisch.<\/li>\n<li>Poesie er\u00f6ffnet den weitm\u00f6glichsten Horizont.<\/li>\n<li>Poesie ist R\u00fcckbesinnung und Aufbruch.<\/li>\n<li>Aufbruch zu den Dimensionen der zentralen Fragen: Wo kommen wir her? Was k\u00f6nnen wir wissen? Wie sollen wir leben? Was ist der Tod?<\/li>\n<li>Brechen wir also auf zu einem Unterricht, der die Weite der mythischen Poesie als Initiator erf\u00fcllender Bildungsereignisse begreift.<br \/>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #993366;\">Wer jetzt noch Kraft und Energie hat verfolgt nun dies: Ein Gedicht. Eine Schulklasse. Eine revolution\u00e4re, bet\u00f6rend sch\u00f6ne didaktische Schlussfolgerung.<\/span><\/li>\n<li>Der Germanist Winfried Pielow beobachtete eine Schulklasse, die das melancholische Gedicht\u201eIn ein altes Stammbuch&#8220; von Trakl besprach. Darin wird die Melancholie als sanfte Freundin der einsamen Seele bezeichnet. In goldener Abendd\u00e4mmerung kann dieses Gef\u00fchl besondere Kraft entfalten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>,Jmmer wieder kehrst du Melancholie,<br \/>\n0 Sanftmut der einsamen Seele,<br \/>\nZu Ende gl\u00fcht ein goldener Tag[ &#8230; ]&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Als auf diese Zeilen eingegangen wurde, \u00e4u\u00dferten sich die Sch\u00fcler einer 7. und 8.Jahrgangsstufe dahingehend, dass sie die Verse sehr traurig machten. Sie w\u00fcrden sie zwar nicht verstehen, aber sie seien sehr sch\u00f6n. Pielow erinnert in diesem Zusammenhang an den franz\u00f6sischen Dichter Baudelaire und seine Auffassung, dass der poetischste Ton der Poesie der Ton der Melancholie sei. \u201eLe ton le plus poetique est le ton melancholique&#8220;.<br \/>\nPielow antwortet auf die an sich selbst gerichtete Frage, ob Melancholie, Trauer gar, p\u00e4dagogisch vertretbar seien, in nachdenkenswerter Weise. Sich weiter auf das erw\u00e4hnte Trakl-Gedicht beziehend, f\u00fchrt er aus:<\/li>\n<li>,,Dies zu lesen, nachzuvollziehen, gar zu kultivieren, bewirkt gewiss nicht Kr\u00e4ftigung f\u00fcr den \u00bbLebenskampf\u00ab, das st\u00e4rkt keinen elan vital, nein, es bewirkt, wenn man die Richtung einer m\u00f6glichen Wirkung \u00fcberhaupt definieren kann, etwas ganz anderes. Es erm\u00f6glicht die Einsicht &#8211; so d\u00fcrfen wir vielleicht sagen &#8211; in die Grenzen des Daseins. Aber diese Einsicht, die man auch auf andere, etwa philosophische Weise erfahren kann, wird in einem Gedicht dieser Art mit der Geste eines g\u00fctigen Erziehers vermittelt. Das vollendet sch\u00f6ne Gedicht intendiert die Einsicht dergestalt, da\u00df sie Zustimmung, Annahme nahe legt. Das dunkle Gesetz der Verg\u00e4nglichkeit ruft, auf solche Weise vorgetragen, nicht Widerstand oder Schock hervor, sondern tr\u00e4gt m\u00f6glicherweise dazu bei, das Unvermeidliche gelassener anzunehmen. Wir d\u00fcrfen sagen: Klang- und Bildkraft des Gedichtes tragen sanft hin\u00fcber, transzendieren, \u00f6ffnen Zug\u00e4nge zum Religi\u00f6sen. Und indem wir den immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Schatten zustimmen, mag es uns gelingen, menschlicher zu werden. Wir werden sanfter, dem\u00fctiger, gebeugter, mitleidiger: wir werden toleranter&#8220; (Pielow, 1985, &#8218;Das Gedicht im Unterricht&#8216;, S.15).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<pre>Bildquelle: https:\/\/www.pinterest.de\/pin\/641763015630626525\/<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8218;Das Unniversum ist ungeheuer&#8230;&#8216; (Schreier) Mythos: Der ewige Brunnen allen menschlichen Denkens. Beginnen wir mit dem Zitat von Helmut Schreier: Das Universum ist ungeheuer. Ist es doch, oder? 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