{"id":732,"date":"2022-04-30T12:47:42","date_gmt":"2022-04-30T12:47:42","guid":{"rendered":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=732"},"modified":"2022-05-01T12:14:56","modified_gmt":"2022-05-01T12:14:56","slug":"die-liebe-als-methodischer-gegenstand-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/unterrichtstipps.com\/?p=732","title":{"rendered":"Die Liebe als methodischer Gegenstand"},"content":{"rendered":"<h5><strong>&#8218;Mehr noch als Freundschaft, Ehrgeiz und Familialismus bestimmt die Liebe das Schicksal des Menschen&#8216; (Kamper\/Wulf)<\/strong><\/h5>\n<p><a href=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/orpheus.jpg\" rel=\"attachment wp-att-729\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-729\" src=\"http:\/\/unterrichtstipps.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/orpheus.jpg\" alt=\"orpheus\" width=\"177\" height=\"285\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Obiges Zitat vom Kamper\/Wulf ist deren Publikation \u201aDas Schicksal der Liebe\u2018 entnommen.<\/li>\n<li>Bereits 1988 schreiben sie gegen das \u201aMediengeschw\u00e4tz\u2018 an mit dem die Schicksalhaftigkeit der Liebe trivialisiert wird.<\/li>\n<li>Jetzt haben schreiben wir das Jahr 2022; nach 34 Jahren ist dieses Geschw\u00e4tz zu einem \u00fcberm\u00e4chtigen Chor angeschwollen.<\/li>\n<li>Jede Person m\u00f6chte lieben und geliebt werden. Ein warmer Grundton f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben.<\/li>\n<li>Jedoch: Einen Anspruch darauf gibt es nicht, es ist halt Gl\u00fcckssache.<\/li>\n<li>Wenn Sie sich Mainstream unterwerfen und meinen, wenn Sie so und so aussehen, denken, handeln, wirken etc. dann werden Sie geliebt. O nein.<\/li>\n<li>Worauf kommt es an, nun ja, schon 1000 Mal geh\u00f6rt, doch es ist so: Das Strahlen muss von innen kommen.<\/li>\n<li>Denn: Jede Bl\u00fcte welkt, wie sie wissen.<\/li>\n<li>Haben Sie sich in ein blondes, graziles, langbeiniges Gesch\u00f6pf verliebt, so haben Sie keine Dauergarantie f\u00fcr dieses Erscheinungsbild.<\/li>\n<li>Eine Chance, sich der tiefen Wesenhaftigkeit des Liebens zu n\u00e4hern liegt im poetischen Wort.<\/li>\n<li>\u201eO M\u00e4dchen, mein M\u00e4dchen, wie lieb ich dich! Wie leuchtet dein Auge, wie liebst du mich!\u201c Frei nach Goethe, vertont von Richard Tauber, Kitsch oder Wahrhaftigkeit!? Muss jede(r) selbst entscheiden.<\/li>\n<li>In Phasen hoher Verliebtheit kann es schon auf diese Art im Ohr rauschen:<\/li>\n<li>\u201eUnd wenn jemand fragt wof\u00fcr du stehst<br \/>\nSag f\u00fcr Amore Amore,\u2026\u201c (Wanda)<\/li>\n<li>Oder: \u201eRamble on<br \/>\nGotta find the queen of all my dreams\u2026\u201c (Led Zeppelin)<\/li>\n<li>Wo findet sich der tiefe Sound der Liebe?<\/li>\n<li>Im Mythos vielleicht?<\/li>\n<li>Im Mythos um den S\u00e4nger Orpheus betritt der Protagonist einen Raum vollst\u00e4ndig au\u00dferhalb des Fassbaren, das Reich der Toten.<\/li>\n<li>Am Hochzeitsmorgen, beim Tanz \u00fcber eine Wiese, wurde seine Geliebte namens Eurydike von einer Schlange gebissen. Der jungfr\u00e4uliche Morgen der Braut endet im Hades, der Unterwelt, dem Reich der Toten.<\/li>\n<li>Kalt ist es dort, schattenhaft und unwirklich. Bewacht von einem H\u00f6llenhund, dem seelenlosen Herrscher Hades und seiner Gemahlin Persephone die, da einst entf\u00fchrt, einen Mantel der K\u00e4lte zum Schutz ihrer verletzten Seele tr\u00e4gt.<\/li>\n<li>Dorthin bricht Orpheus auf, um seine verlorene Liebe zu finden und zu den Lebenden zur\u00fcckzuholen.<\/li>\n<li>Folgenden Impuls erhielten die Kinder:<\/li>\n<li>Schafft Orpheus es, in die Unterwelt zu gelangen? Kein Mensch war vorher dort. Hier drei schriftliche Antworten von 11-J\u00e4hrigen.<\/li>\n<li>Assad erz\u00e4hlt von der Seelenlosigkeit des Herrschers: \u201a<em>Ich glaube, er schafft das nicht, weil der K\u00f6nig der Toten keine Seele hat. Weil er Orpheus die Seele wegnimmt\u2018. <\/em><\/li>\n<li>K\u00fcbra glaubt an den Zauber des Gesangs: <em>\u201aEr gibt sein Bestes. Er singt so stark und so wundersch\u00f6n, dass Hades verzaubert wird und Persephone Gef\u00fchle erlebt, die sie nicht mehr hatte. Die waren weg gewesen\u2018. <\/em><\/li>\n<li>Und f\u00fcr Momo geschieht ein Wunder: <em>\u201aOrpheus wurde sehr traurig. Er ging zu Hades. Nein. Es geschah ein Wunder. Die Herzen \u00f6ffneten sich. Orpheus durfte Eurydike holen\u2018.<\/em><\/li>\n<li>Im Mythos dann durfte Orpheus Eurydike tats\u00e4chlich holen, die Bedingung: Auf dem langen Weg darf er sich niemals nach ihr umdrehen. Nicht aus F\u00fcrsorge, nicht aus Liebe und nicht aus Zweifel.<\/li>\n<li>Ein starkes Bild erreicht uns nun aus jahrtausendealter Vergangenheit. Orpheus schreitet voraus, Eurydike scheu, aber unendlich vertrauensvoll, folgt ihm. Sie durchqueren unfassbare R\u00e4ume, um ins Reich der Lebenden zu gelangen.<\/li>\n<li>In einem Raum herrscht grenzenlose Stille. Orpheus h\u00f6rt ihre Schritte nicht mehr. Kurz, ganz sacht wendet er den Kopf nach seiner Geliebten. Die Finsternis bricht \u00fcber ihr zusammen. Verschwunden. Diesmal f\u00fcr immer.<\/li>\n<li>Die Trauer des Orpheus ist nun klanggewordener tiefer Schmerz.<\/li>\n<li>Er singt von unvorstellbarem Verlust.<\/li>\n<li>So tief ergreifend, dass die Natur beseelt wird und in den Klagegesang einstimmt.<\/li>\n<li>B\u00e4ume neigen sich, Felsen verlieren Tr\u00e4nen, wilde Tiere legen sich, sanft vor Trauer, im Kreis nieder und Fl\u00fcsse ver\u00e4ndern Ihren Lauf, um dem Klagelied zu lauschen.<\/li>\n<li>H\u00f6ren Sie dazu die Kinder:<\/li>\n<li>\u00dcber die trauernden Fl\u00fcsse \u00e4u\u00dfert sich Annika, 11 Jahre: <em>\u201aGro\u00dfe Fl\u00fcsse verlassen ihre Strecke, um sich mit den kleinen B\u00e4chen zu vereinigen, in denen Eurydike sich ihr sch\u00f6nes Haar gewaschen hat\u2018.<\/em><\/li>\n<li>Annikas Malerei der Trauer ist vielschichtig und \u00fcberaus einf\u00fchlsam. M\u00e4chtige Fl\u00fcsse zeigen menschliches Leiden, die kleinen B\u00e4che erinnern an die Sch\u00f6nheit des Haares.<\/li>\n<li>Burak, 10 Jahre, verl\u00e4sst ganz den Raum des Irdischen: <em>\u201aBestimmt trauern auch die Sterne. Sie tanzen einen traurigen Tanz, ganz langsam\u2018.<\/em><\/li>\n<li>Die Trauer erreicht den Himmel und ber\u00fchrt die Sterne, die nach ewigen Gesetzen ihre Bahnen ziehen. Damit wird auch ein g\u00e4ngiges Bild verstorbener Seelen ber\u00fchrt die zum Himmel steigen. Gemeinhin gliedern sie sich dort in die himmlischen Gesetze ein. Bei Burak verlassen die Sterne ihre Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit und beginnen einen langsamen Tanz der Trauer.<\/li>\n<li>Da ist sie, die ma\u00dflose Objektivit\u00e4t der Kinder, schauen Sie nach bei Merleau-Ponty.<\/li>\n<li>Sie sind so viel bereiter als wir Dunkelheit, Geheimnis und Raumlosigkeit zu erleben.<\/li>\n<li>Unsere Welt ist von Terminen geteilt, von genauen Ortsangaben gepr\u00e4gt und dominiert von dem Bed\u00fcrfnis nach Klarheit, Planung und Zukunftssicherheit.<\/li>\n<li>Die Welt des Mythos\u2018 ist eine andere, die der Kinder auch, wenn wir sie in die Faszination \u00e4ltester Erz\u00e4hlstoffe hineinbitten.<\/li>\n<li>Dann lernen wir von den Kindern, dass es eine Ma\u00dflosigkeit gro\u00dfer Liebe gibt, die sogar das Universum erschauern l\u00e4sst.<\/li>\n<li>Fern, wirklich fern ab des Geschw\u00e4tzes der Medien und der dadurch entstandenen inflation\u00e4ren Gl\u00fcckserwartung von Liebesuchenden.<\/li>\n<\/ul>\n<pre>Bildquelle: https:\/\/www.google.de\/search?q=orpheus+und+eurydike&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwj7lof55Lv3AhUDhf0HHc8WBIEQ_AUoAXoECAIQAw&amp;biw=1538&amp;bih=927&amp;dpr=1#imgrc=AjYAcyjSrx2EiM<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8218;Mehr noch als Freundschaft, Ehrgeiz und Familialismus bestimmt die Liebe das Schicksal des Menschen&#8216; (Kamper\/Wulf) Obiges Zitat vom Kamper\/Wulf ist deren Publikation \u201aDas Schicksal der Liebe\u2018 entnommen. 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