Die Revolution der Persönlichkeit

Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren (Seneca).
Revolution der Persönlichkeit
  • Aus der Begegnung mit Literatur kennen wir das Phänomen des Berührtseins, des Aufrüttelnden, des Wunsches nach radikaler Veränderung.
  • Die russische Autorin Ludmilla Ulitzkaja beschreibt in ihrem Roman ‚Das grüne Zelt‘ das Phänomen einer ‚Revolution der Persönlichkeit‘, eines inneren Umsturzes, der ‚moralische Initiation‘ bewirkt.
  • Dazu allerdings braucht es einen ‚Initiator‘, einen Pädagogen oder eine Pädagogin.
  • In Ulitzkajas Roman ist es ein russischer Literaturlehrer, der seine Schüler durch die Begegnung mit der großen Poesie des Landes zu mündigen, urteilsfähigen Menschen heranbildet.
  • Dieses im Kant’schen Sinne mündig werden, kann aber auch über andere tiefgehende Ereignisse stattfinden.
  • Die seelentiefe Berührung mit einem Menschen, ein Musikstück, ein Film, ein Theaterstück, ein Gemälde, ein Foto, ein Naturerlebnis, ein soziales Gemeinschaftsprojekt, ein Schicksalsschlag….
  • Kurz: Alles, was uns tief und wahrhaftig berührt. Ohne die Seichtheit üblicher Sentimentalitäten, die nicht mit echten Empfindungen verwechselt werden dürfen.
  • Der Begriff der Ästhetik muss wieder umfassend in unser Verständnis eingehen. Es gibt nicht nur das Schöne, ergänzend tritt das Erhabene, Verstörende hinzu.
  • Dabei sollten wir auch das Irrationale zulassen.
  • Tristan liebt Isolde. Trotzdem führt er sie seinem König als Braut zu. Warum? Er weiß es selber nicht. Es ist der Beginn eines ergreifenden Seelen- und Liebesdramas.
  • Fragen wir also nicht nach dem ‚warum‘. Nicht immer gibt es plausible und nachvollziehbare Erklärungsmuster.
  • Haben wir den Mut, Widersprüchliches stehenzulassen und Unerklärliches als offenen Denkprozess zu begreifen.
  • Verlassen wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Pfade des Mainstreams und streben mit Hilfe der Urteilskraft ein Lebensglück an, das nicht von den Massenmedien suggeriert wird sondern als eigenständiges Ergebnis selbsttätiger Entwicklungsprozesse zu lesen ist.

 

Bildquelle: http://contemporarythinkers.org/hannah-arendt/book/revolution/

27 Kommentare

  1. Amrita C. sagte:

    Letzte Woche bot sich mir im Rahmen eines besonderen Seminars die Möglichkeit am eigenen Leibe zu erfahren, auf welche methodische Weise und mit welch tiefgehendem Effekt eine solche „Revolution der Persönlichkeit“ im schulischen oder universitären Kontext initiiert werden kann. Zunächst braucht es wohl Mut. Den Mut des Initiators oder der Initiatorin bestehende Vorstellungen von Unterricht umzuwälzen und weiterzuentwickeln. Den Mut sich frei gegen bestehende und gängige Arbeitsweisen zu entscheiden und Ausschau nach neuer Struktur zu halten. Bereits dieser Mut der Lehrperson ermutigt die Lernenden sich ebenfalls neu auszurichten und sich auf die eigene Entwicklung einzulassen. Dies mag banal und einfach klingen doch nicht jeder möchte sich eine Entwicklung zumuten, denn sie beinhaltet am Anfang des Weges oft Instabilität und verursacht dadurch Verunsicherung. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass dieses Verlassen von Festigkeit, instabil und wieder formbar werden völlig normaler und auch nötiger Prozess für das Verändern und Revolutionieren der eigenen (Persönlichkeits-)form ist. An diesem Punkt im Seminar schien mir die wohlwollende, dem/der sich Entwickelnden Zeit und Raum gebende innere Haltung der Lehrperson besonders zuträglich. Sie begleitete die Neuausrichtung still und aufmerksam, zeigte sich aber auch durch aktive Hilfestellung in Form unterstützender Worte, sofern diese benötigt wurden. Zu solchen Situationen in denen Unterstützung benötigt wird, kann es durchaus kommen und es ist hilfreich als Lehrperson darauf vorbereitet zu sein, denn diese Entwicklung wird, wie Sis Pied de la Zirbe bereits erwähnt hat, nicht nur durch Schönes, sondern oft auch durch intensiv Berührendes wie z.B. Schicksalsschläge eingeleitet. Hier zeigte sich, ebenfalls bereits durch Sis beschrieben, der Begriff der Ästhetik – das Ansprechende – gerade auch das Traurige spricht mit uns und berührt uns. Auch diese Erkenntnis festigte sich im und nach dem Seminar: Die bewusste Offenheit für die natürliche Integration gängiger Tabuthemen wie z.B. Tod und Ängste machen den Unterricht zu einem Raum, der die wahre Realität abbildet und so Lernen für die Aufgaben des Lebens ermöglicht. Das Seminar wird in prägender Erinnerung bleiben und in Zukunft mit Sicherheit als Inspiration für die eigene Lehrtätigkeit dienen.

    8. September 2018
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  2. Richard.Luft sagte:

    So wie ich das Zitat verstehe, sagt es aus, dass man als Lehrkraft immer wieder mit neuen Ideen und Methoden vor die Klassen treten soll, da sich die einzelnen Schüler, genau so wie die Lehrmethoden, von Tag zu Tag verändern.

    ich finde, dass es ein sehr inspirierendes Zitat ist, welches mich als angehenden Lehrer dazu anreizt mir neue Konzepte und Methoden zu überlegen.

    12. September 2018
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  3. J. Oppelt sagte:

    Den Schüler/die Schülerin berühren mit unserem Unterricht..? Eine Herausforderung für sich, wenn diese Berührung auch tief gehen soll. Geht das überhaupt? Ich denke es wird nie möglich sein im Laufe des Jahres bzw in der Zeit, in der wir die Kinder begleiten, alle mit unserem Tun zu berühren. Mit Mühe und Leidenschaft denke ich, dass es immerhin möglich ist manche zu berühren. Ich habe den Anspruch an mich selbst, das ich meinen Unterricht so abwechslungsreich und so ansprechend wie möglich gestalten möchte, wobei mir bewusst ist, dass man das auch nicht immer hinbekommt.

    20. Juni 2019
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  4. Lena Put sagte:

    Sind es nicht sowieso die unerklärlichen Dinge die uns auf sanfte Weise nicht verlassen oder sich mit einer störrischen Gewalt in unseren Gedanken festklammern. Die Herausforderungen bestehen nicht darin Dinge zu erklären, die bereits erklärt sind, sondern Abstrakta individuell begreiflich zu machen und später vielleicht nach einer Erklärung zu streben.
    Den Kindern sollte bewusst gemacht werden, dass es eben nicht immer eine Antwort auf eine Frage gibt. Und nicht jede Antwort bzw. Erklärung ist immer diese eine Richtige. Fragt man Menschen zu Begriffen wie Liebe, Schönheit oder Trauer, werden wohl alle verschiedene Konzepte haben, die sich zwar in manchen Dingen überschneiden, aber dnenoch individuell bleiben.
    Ich denke ein mündiger Mensch ist in der Lage dies anzunehmen und damit zu leben. Ohne das Wissen um diese Umstände sind wir kaum in der Lage andere Konzepte zu akzeptieren zu tolerieren. So ist das Konzept von Religion nicht für jeden gleich, was vollkommen ok ist, solange niemand damit verletzt wird. Genauso verhält es sich mit dem Thema Liebe. Der eine möchte heiraten, ein Haus bauen und nur einen Partner haben, währenddessen der nächste lieber Polyamor lebt.
    Die Komplexität der Welt muss nicht auf einfache Dinge runtergebrochen werden. Ein mündiger Mensch lebt die Komplexität und genießt sie.

    24. Juni 2019
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  5. Jakoba sagte:

    Besonders Ihre letzten zwei Punkte berühren mich sehr, ich habe sie mir auch in meinem Notizbuch aufgeschrieben. Auch aus Ihrem Unterricht habe ich das mitgenommen, dass man nicht immer alles ausdiskutieren muss und vor allem kann. Das man Mut haben muss die Dinge auch mal offen zu lassen bzw . sie eben so nuanciert zu diskutieren wie sie es in Wirklichkeit sind.
    Vielen Dank! Auch für die Kommentare von Amrita C. und Lena Put !!

    29. August 2019
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  6. Clarissa B. sagte:

    Ich denke die Revolution der Persönlichkeit ist das was uns zu uns selbst führt. Raus aus den Zwängen des steifen Vermittelns von Wissen. Der Initiator, welcher in der Tat hierfür notwendig ist, steht hierbei vor einer kniffligen Herausforderung, da er den Persönlichkeiten entgegentritt und diese es zunächst zulassen müssen diesen als Initiator für eine innere Revolution anzuerkennen. Ich stimme den Aussagen zu und denke dass uns der massive Medieneinfluss blendet und nicht zulässt für viele eine eigene innere und freie Revolution ihrer Persönlichkeit zu erfahren, welche uns befreit von den Zwängen der Gesellschaft.

    2. September 2019
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  7. Marielena Vogt sagte:

    Ich habe diesen Beruf nicht nur aufgrund der Stoffvermittlung der Fächer ausgewählt. Viel mehr möchte ich die Möglichkeit ergreifen, meine SuS mehr als nur Mathe und Deutsch zu lehren. Ich möchte sie im Mensch-Sein lehren. Zu wenig wird der Fokus auf die einzelnen Persönlichkeiten der Schüler*innen gelegt. Doch ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, genau diese zu stärken. In der Schule lernten wir alle unnütze Dinge. Doch wir lernten nicht wie man eine Beziehung zu anderen Menschen pflegt. Wie man sich selbst reflektieren kann und auch nicht, wie wir uns persönlich weiter entwickeln können. Versagen wir in einem Fach, identifizieren wir uns mit diesem – wir sind schlecht. Doch letztebnendes ist es nur ein Schulfach. Was wirklich zählt sind die vielen Talente die nur wir besitzen. Niemand auf der Welt ist identisch wie wir. Wir sind einzigartig und jeder Mensch hat eine Fähigkeit, mit der er/sie die Welt etwas besser machen kann.
    Ich möchte die Kinder dazu ermutigen sich selbst so zu lieben wie sie sind und sich nicht mit anderen vergleichen sollen. Auch empfinde ich Achtsamkeits- und Meditationübungen von großer Bedeutung. Die Schüler*innen haben von klein auf die Chance zu erlernen, wie sie in sich hinein lauschen können. Wie sie schwierige Entscheidungen treffen können.
    Ich denke dass wir durch Übungen wie diese die Kinder auf einer tieferen Ebene berühren.

    29. Oktober 2019
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  8. Katja Walzer sagte:

    Zu Beginn des Blogbeitrags trat ich der Aussage, dass wir aus der Literatur das Phänomen des Berührtseins kennen, skeptisch gegenüber, da ich, verkopft wie wir Erwachsenen manchmal sind, direkt davon ausging, dass es sich ’nur‘ auf die Literatur beschränkt. Jedoch folgte ja die Aussage, dass wir auch durch andere Faktoren berührt werden können. Ich selber habe meine stärkste Persönlichkeitsentwicklung mit der Geburt meines ersten Kindes wahrgenommen.

    Wenn wir nun überlegen wie wir die Schülerinnen und Schüler im Unterricht berühren können, so denke ich, dass das gar nicht unbedingt an der Methodik oder den Inhalt unseres Unterrichts liegt, sondern eher daran mit welcher Motivation und Leidenschaft wir als Lehrende den Stoff vermitteln.
    So kenne ich es auf jeden Fall bei mir. Natürlich kann man sowohl Kinder als auch Erwachsene durch etwas wie bspw. Anwesenheitspflichten dazu zwingen sich den Unterricht oder das Seminar anzutun, doch bin ich(und ich denke so geht es einigen) viel lieber in einer Situation die mich mitreist, wo man zum ‚Brennen‘ begeistert wird.

    Das sollten wir uns auch immer wieder zu Gemüte führen, wenn wir als Lehrende in den Unterricht gehen.

    3. Februar 2020
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  9. Ule sagte:

    Ich frage mich die ganze Zeit wie SUS mündig werden. Ist es so gemeint, dass sie durch diese tiefgreifenden ästhetischen Erfahrungen sich selbst erkennen/finden/wahrnehmen etc.
    Und dadurch zu mehr Mündigkeit gelangen?

    5. Februar 2020
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  10. Ana María Díaz sagte:

    Als ich die Überschrift „Die Revolution der Persönlichkeit“ gelesen habe, habe ich mich sofort für das Thema interessiert, weil das Thema nicht nur wichtig für den zukünftigen Beruf als Lehrerin ist, sondern auch kein Bestandteil meiner Vergangenheit als Schülerin war. Aus diesem Grund kann ich heute beispielsweise als Studentin unterschiedliche Nachteile von vergangenem frontal Unterricht spüren, die ich gleichzeitig bekämpfen muss. Mir ist es deshalb besonders wichtig, dass meine zukünftige SuS andere Erlebnisse in dem Unterricht haben, womit sie ihren Welten erschließen können.

    18. Februar 2020
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  11. Casandra Bonowsky sagte:

    Die Frage nach dem Warum hat meine persönliche Schullaufbahn geprägt. Auf der einen Seite, warum muss ich bestimmte Dinge lernen? wozu brauche ich die? werde ich das jemals wieder benötigen? Auf der andren Seite, stellt der Lehrer ein Phänomen dar und die Frage lautet…richtig, warum? Finde eine Erklärung oder eine Lösung. Tatsächlich war meine Schullaufbahn davon geprägt eine Lösung auf die Warum-Frage zu finden. Auch sind die Eltern nicht zu vernachlässigen. Warum nehmen sie dieses Thema durch? Warum muss mein Kind das lernen oder können? was ist der Zweck dahinter? Bringt es mein Kind schulbezogen weiter? Geht es also in der Schule immer um das Warum?
    Ich denke nicht. Es geht um viel mehr als das. Es geht über den fachlichen Input hinaus und um Kompetenzbildung im viel weiteren Sinne. Gefühle und Emotionen sollen erlebt und zugelassen werden. Gefühle die einem schwach vorkommen, sind eine unfassbare menschliche Stärke. Diese Erkenntnisgewinnung wäre wohl die upper class. Aber da fällt mir der platte Spruch ein: man lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben! Und in diesem Fall, mit dieser Interpretation von Lernen und Kompetenzerwerb stimme ich ihm zu.

    8. März 2020
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  12. R. Yumak sagte:

    Das „Lehren“ kann von jeder Lehrkraft anders erfasst und umgesetzt werden. Leider habe ich in meiner Lebensphase als Schülerin sehr oft miterleben müssen, dass viele Lehrkräfte das „Lehren“ nicht mehr als eine pure Vermittlung von gewissen Formeln und wissenschaftlichen Fakten sehen. Gut geeignet ist dafür eine Klasse mit möglichst geringem Leistungsdifferenzierungen. So könnte man die vorgeschriebenen Inhalte am schnellsten abarbeiten. Und dennoch, wenn Leitungsdefizite existieren, wird dieses Problem als ungenügende Kapazität und Lernfähigkeit des Lernenden kategorisiert. In diesem Zusammenhang kann man das Zitat „Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren.“ genauer in Betracht ziehen. Eine Lehrkraft hat die Möglichkeit das Leben von Menschen, die am Anfang ihrer Lebensphase sind, positiv zu beeinflussen. Für mich ist, in diesem Zusammenhang ein sehr wichtiger Faktor, die Akzeptanz der SuS mit ihren verschiedenen Facetten. Vor allem in der Grundschule sollte man als Lehrkraft nicht vergessen, dass Kinder noch sehr viel von ihren Familien und der frühkindlichen Zeit geprägt sind. Dementsprechend sind sie auch sehr verschieden und bringen verschiedene Voraussetzungen mit. Genau diese sollte man als eine Vielfalt und als Reichtum ansehen. Wenn Kinder fühlen, dass sie akzeptiert werden, haben sie die Möglichkeit sich zu öffnen. Als Lehrkraft sollte man SuS die Grundlage erschaffen, sodass sie sich öffnen können, Gefühle zeigen können und sich selbst von einer ganz anderen Seite erfahren können. So werden sie nicht nur das Zählen und die Rechtschreibung lernen, sondern auch die eigene Persönlichkeit und das „Ich“. Die Selbsterfahrung der Kinder wird sie ihr ganzes Leben begleiten und helfen richtige Entscheidungen zu treffen. In diesem Prozess hat die Lehrkraft eine wichtige Rolle und keine leichte Aufgabe. Doch die Entwicklung ihrer SuS wird eine Motivation und ein Ansporn sein.

    9. März 2020
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  13. Niclas Schingorra sagte:

    Eine berührende Erfahrung, wie z.B. Schicksalsschläge, formen die Persönlichkeit eines Menschen natürlich enorm. Allein der Ablauf einer Beerdigung mit anschließender Trauerfeier ermöglicht einem Kind sehr viel soziale Bildung durch mimetische Prozesse.

    Gäbe es in der Schule solche „krassen“ Erfahrungen würde es den Kindern natürlich extrem bei der Persönlichkeitsbildung helfen, allerdings habe ich solche Erfahrungen in der Schule meines Wissens nach nie erleben (auch wenn es manche Lehrer wahrscheinlich versucht haben).

    Themen wie Geburt und Tod, Liebe und Hass oder Freundschaft und Feindschaft eignen sich meiner Meinung nach perfekt für solche Unterrichtseinheiten, allerdings fordern solche Stunden auch extrem viel von den Lehrkräften.

    Hier wäre es wahrscheinlich schlau auch Exkrusionen zu planen, wenn man als Lehrkraft geeignete Angebote findet. Das Theater spielen zu solchen Themen kann auch ein geeigneter Ansporn für die Kinder sein sich damit auseinanderzusetzen.

    12. März 2020
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  14. Nina sagte:

    …durch Auswendiglernen angeeignetes Wissen war in meiner Schulzeit der Weg zum Erfolg. Die kurzfristig gespeicherte Informationen werden im richtigen Zeitpunkt abgerufen und sinken, wenn sie angenehm verknüpft dargelegt wurden, bestenfalls auf den Grund einer Person und wird deren sedimentäres Wissen. Aber Wissen macht ja keine Persönlichkeit. Viele Persönlichkeiten bilden sich über die Ablehnung gegen das, wo sie nicht bestehen können, aus welchen Gründen auch immer. Und darüber, worin sie so richtig gut sind, warum auch immer das. Jeder Abschluss ist ein Erfolg. Schule ist dahingehend leider sehr hart, unflexibel und wenig vertrauensvoll. Sind so persönliche Erfahrungen…, kann alles auch ganz anders laufen. Mir geht es darum zu sagen, dass ich mir wünsche, wenn ich Lehrerin werden sollte, unbeirrbares Vertrauen in meine SuS zu haben, mich nicht von starren Strukturen zustauben zu lassen und mutig genug zu sein, auch gerne mal anzuecken. Man will den Menschen ja nicht ihr Rückgrat (Bettina Wegner) brechen bzw. ihre Persönlichkeitsentfaltung hindern, bevor es überhaupt losgeht, das selbstbestimmte Leben.

    16. März 2020
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  15. Linda K. sagte:

    „Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren.“ Das Zitat nach Seneca hat mich sehr daran erinnert, warum ich mich für dieses Studium und diesen Beruf entschieden habe. Ebenso wie einige Kommentatoren vor mir habe ich mich auch nicht aufgrund der Fächer dafür entschieden, sondern um Kindern etwas auf den Weg mitzugeben und ihnen vielleicht eine Stütze im Leben zu sein. An der Brennpunktschule, an welcher ich derzeit arbeite, ist es für mich das Schönste, wenn ich merke, dass Inhalte und Werte, die ich zu vermitteln versuche, bei den Kindern ankommen und wenn ich ihnen was zeigen, sagen oder mit ihnen gemeinsam an einem Projekt arbeiten kann, was sie wahrhaftig glücklich macht und berührt.
    Besonders wichtig finde ich auch die Aussage, dass wir nicht nur das Schöne, sondern auch das „Verstörende“ akzeptieren müssen, jedoch lernen, damit umzugehen und daran zu wachsen.

    30. März 2020
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  16. M. Fahle sagte:

    Die Schülerinnen und Schüler berühren zu wollen muss nicht unbedingt tiefgreifende Verankerungen haben. Ich finde es reicht auch aus, wenn man die Kinder zum Nachdenken anregen kann und Interesse an einer bestimmten Sache entwickeln kann. Was mir aus meiner Grundschulzeit zum Beispiel hängen geblieben ist, war ein Experiment zum Nachweis, dass Luft auch eine Masse hat und auch schwer sein kann (zwei Luftballons an eine Wippe befestigt und den einen dann zerplatzen lassen). Seitdem ist dies in meinen Gedanken geblieben und ich habe über die Jahre hinweg immer wieder drüber nachgedacht. Ich finde es schon erstaunlich, dass ich mir gerade dieses kleine Detail gemerkt habe. Aber das zeigt ja auch, dass mich dieses Experiment in einer gewissen Weise berührt hat.

    Zudem finde ich es auch sehr wichtig, dass wir die Heterogenität der Kinder im Unterricht mit einbauen, sodass sich jedes Kind weiterentwickeln kann. Die Schülerinnen und Schüler können sich austauschen und auch gegenseitig helfen. Wir als Lehrkraft sollten dabei die Kinder in ihren individuellen Prozessen unterstützen, jedoch finde ich es wichtig, dass die Kinder auch selbstständig arbeiten. Bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung wäre ein nicht frontaler Unterricht entscheidend, da sie dadurch viele Kompetenzen erlangen können und auch gefordert werden. Ich setzte mir zum Ziel, dass ich als angehende Lehrerin mehr auf die Kinder eingehe und sie in dem Sinne berühren kann.

    30. März 2020
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  17. Anastasia sagte:

    Wie Ulitzkaja richtet gesagt hat es braucht erstmal einen Initiator, der das Interesse ins Rollen bringt. Einige haben Eltern, die mit einem in der Natur wandern gehen, selbst ein Instrument spielen, zeigen wie man richtet den Pinsel hält. Viele leider aber nicht. Viele Berühmtheiten oder Wissenschaftler unterstreichen, das der Grund warum sie sich auf einmal so für Archäologie oder Musik so interessiert haben ein Lehrer war, der meist außerhalb der regelmäßigen Unterrichtszeit sich einen Moment genommen hat.

    LG Anastasia

    10. April 2020
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  18. Luisa-Sophie W. sagte:

    Ich möchte mich dem Kommentar von Marilena Vogt anschließen. Die Schulen benötigen Lehrkräfte, die sich mit Freude und Enthusiasmus der Aufgabe stellen, die Schülerinnen und Schüler zu mündigen sowie urteilsfähigen Persönlichkeiten auszubilden. In dieser schnelllebigen Zeit, wandelt sich unsere Gesellschaft unaufhaltsam. Und die Kinder sind in der Grundschule meist ein noch unbeschriebenes Blatt, welches mit den schönsten und verschiedensten Farben bemalt werden sollte. Allerdings lässt sich das Grau und Schwarz – das ‚Verstörende‘ – nicht gänzlich auslöschen. Während des ersten Studiensemesters sagte Prof. Dr. Ramsäger in seiner Vorlesung: ,, Sein Sie Profi’s und keine Pauker!“. Es ist also wichtig, den Anspruch an sich selbst zu haben, sich individuell anzupassen und weiterzubilden. D.h. also auch, Freiheiten und Räume für Denkprozesse, Widersprüchlichkeiten und verschiedene Interpretationen der Lernenden zuzulassen.
    Die Aufnahmefähigkeit und der Verarbeitungsprozesse unserer SchülerInnen hat sich durch die starken Medieneinflüsse sehr verändert. Für viele Lehrende ist die Medienbildung eine Herausforderung, allerdings sollten wir diese nicht außer Acht lassen. Ich denke, hierbei macht eine ausgewogene und abwechslungsreiche Mischung den Unterschied.
    In jeglicher Hinsicht, ob in der realen oder medialen Welt, sind wir dazu aufgefordert Werthaltungen zu vermitteln, die die SchülerInnen zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranbilden. Dazu gehört neben den Aspekten des gesellschaftlichen sowie sozialen Handelns, z.B. auch die Konfliktbewältigung oder die Aufklärungs-und Präventionsarbeit.

    12. April 2020
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  19. Maxim Shcherba sagte:

    Ich denke jede erwachsene Person erinnert sich an bestimmte Lehrkräfte aus ihrer Schulzeit.
    Diese sind meistens diejenigen, die einen auf eine bestimmte Art und Weise „berührt“ haben.
    Zum einen waren es die negativen „Berührungen“, die von Lehrerinnen und Lehrern ausgingen, die einen zum Beispiel ungerecht behandelten.
    Die positiven, wenn eine Lehrkraft so viel Hingabe zu einem gewissen Thema gezeigt hat und es damit einen näher brachte oder alleine schon die Hingabe zu dem Lehrerberuf an sich mitbrachte, sind einem sogar noch stärker in Erinnerungen geblieben und so verhält es sich natürlich auch mit der Art wie unterrichtet wird.
    Wer merkt sich schon alles, was in einem Text steht oder stumpf von eine Person aufgesagt wird?
    Bei einer Tätigkeit, die Spaß macht und dabei vielleicht sogar ästhetisch ist, sieht das aber ganz anders aus und das Lernen wird nicht mehr schwer, weil es niemand mehr als Mittel zum Zweck und damit als Anstrengung wahrnehmen muss.

    18. April 2020
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  20. Olivia Piechowski sagte:

    Ich finde es sehr schön, den Kindern zu zeigen, dass nicht immer alles auf sie zutreffen muss. Demnach müssen sie sich nicht genauso über Sachen freuen, wie andere es tun. Sie selber sollen Erfahrungen machen und sich nicht eingegrenzt fühlen. Somit erhalten sie individuelle Sichten, was sie glücklich macht und was sie gut beherrschen. Durch verschiedene Lernmethoden wird ihnen die Chance gegeben, zu erkennen, mit welcher sie am besten umgehen können und können so ein eigenständiges Lernen entwickeln.

    21. April 2020
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  21. Savocha sagte:

    Die Persönlichkeitsbildung ist nicht nur ein lebenslanger Prozess oder eine lebenslange Revolution, sondern auch das Verstehen eines Selbst. Bevor ich mich mit den Inhalten dieses Blogs beschäftigt habe, war mir nicht in Gänze bewusst welche Möglichkeiten es zu den mir bereits bekannten es gibt, eine Änderung zu bewirken, eine Revolution der Persönlichkeit zu begründen und jedem Individuum ein Stück weit zu sich selbst zu führen. Bewusst machen, dass wir alle eigenständig denkende Menschen, mit jeweils immer anderen Ansichten, Einstellungen und Denkmustern sind. Wir können wahrscheinlich nicht die Welt retten, aber wir können den Unterschied machen.

    23. April 2020
    Antworten
  22. Jonna sagte:

    Die Suche nach dem Glück und der eigenen Persönlichkeit sind lebenslange Prozesse, die in der heutigen Gesellschaft enorm erschwert sind. Was bedeutet Glück für mich eigentlich und kann ich es finden in einer Gesellschaft die mir so Vieles vorschrieben will? Kann ich an Dingen festhalten, die von anderen verurteilt und belächelt werden? Muss ich immer stark sein um mein Glück zu verteidigen wenn ich es denn gefunden habe? Und kann es mein Glück sein, wenn es nur mich glücklich mach?. Glück ist für mich ein wenig wie Türen zu öffnen. Hinter diesen Türen wartet ein Ort, an dem ich mich unendlich wohl fühl und so sein kann wie ich bin. Doch bin ich für immer an diesem einen Ort glücklich oder muss ich irgendwann weitergehen. Das hat etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun. Wer bin ich und wo möchte ich sein? Glück und Persönlichkeit sind eng miteinander verbunden. Ich glaube, dass man nur glücklich sein kann, wenn man mit sich selbst zufrieden ist. Selbstliebe ist etwas sehr wertvolles und bedeutendes und doch so schwer zu finden in dieser Gesellschaft. Aber vielleicht gehört das auch dazu: Dunklen Sachen zu begegnen und sein Glück, sich selbst zu verteidigen, daran zu wachsen. Das ist eine Entwicklung, ein Prozess, den wir immer wieder erleben werden. Für mich alleine oder mit anderen zusammen. Stärke, Glück und Selbstliebe lässt sich teilen, man muss nur wissen wie.

    7. Mai 2020
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    • Stark gemacht, Jonna! Lesen Sie die Phänomenologen unter den Philosophen! Liebe als Phänomen….

      7. Mai 2020
      Antworten
  23. Sandra K. sagte:

    Für mich geht es hier um Wahrhaftigkeit. Darum, als Schüler, Lehrer, Busfahrer, Ameise… ganz man selbst zu sein und nicht in steter Distanz zu sich selbst vermeintlich oder tatsächlich zugeschriebene Rollen auszufüllen.
    Wann fühle ich mich ich selbst? Gegenprobe: wann fühle ich mich nicht ich selbst?
    Wenn ich das beobachte, dann fühle ich mich unwohl und nicht ich selbst in Situationen, in denen ich das Gefühl habe Kontakt; Verbindung herstellen zu wollen, aber irgendwie fehl am Platze bin. Der Ort, die Menschen; die Situation haben nichts mit mir zu tun.
    Wann fühle ich mich wohl? Wenn ich das Gefühl habe das alles hat etwas mit mir zu tun. Dann fühle ich mich als Teil der Verbundenheit aller und am richtigen Ort; es ist in Harmonie.
    All das hat für mich viel mit der Revolution der Persönlichkeit zu tun, denn sie lädt uns ein, wir selbst und wahrhaftig zu sein.
    Ein Unterricht, in dem Kinder etwas erleben, das mit ihnen zu tun hat, weil es ihnen so vermittelt wird und weil sie als Menschen eingeladen werden, sie selbst zu sein und nicht die nicht passenden Teile einfach wegzudrücken, ist vielleicht ein Unterricht, in den man lieber geht und in dem man ankommen darf und sich gesehen fühlt.
    Die eigene Persönlichkeit zum tragen bringen und die Persönlichkeit anderer wirklich sehen (wollen) und akzeptieren; das Menschliche in allem mit seinen vielen kraftvollen Facetten erkennen und akzeptieren ist eine der verbindendsten Erfahrungen, die es geben kann.
    Man kann sie auch ins Klassenzimmer holen.

    22. Mai 2020
    Antworten
  24. Chelsea D. sagte:

    „Haben wir den Mut, Widersprüchliches stehenzulassen und Unerklärliches als offenen Denkprozess zu begreifen.“ – Diesen Satz finde ich besonders prägnant.
    Wie im vorherigen Beitrag schon angedeutet, neigt man dazu auf alles eine Antwort zu suchen und Kindern vorzuschreiben was richtig und falsch ist.
    Allerdings ist es nicht nur für Kinder, sondern auch für uns als Lehrkräfte sehr wichtig, zu lernen, dass Nichts Schlimmes passieren wird, nur weil man etwas einmal unbeantwortet oder unerklärt im Raum stehen lässt. Denn – und diese Botschaft finde ich besonders wichtig – Emotionen müssen und können nicht immer erklärt werden. Ich möchte meine Schüler nicht dazu erziehen sich immer für alles rechtfertigen zu müssen, sondern ihnen, wie ja auch die Grundlagen des Sachunterrichts vorsehen, als Pädagoge zur Seite stehen und sie darin Unterstützen für sich selbst einzustehen und sich selbst zu finden.

    29. Mai 2020
    Antworten
  25. Vivian B. sagte:

    „Verlassen wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Pfade des Mainstreams und streben mit Hilfe der Urteilskraft ein Lebensglück an, das nicht von den Massenmedien suggeriert wird sondern als eigenständiges Ergebnis selbsttätiger Entwicklungsprozesse zu lesen ist.“

    Ein wunderschöner Satz. Den ich mir sehr zu Herzen nehme und ihn genauso umsetzen möchte. Genau das bedeutet Schule für mich. Genau das sollte Schule für alle bedeuten. Diversität, Inklusion, Toleranz und Heterogenität. Kinder wissen so viel und haben eine ganz andere Wirklichkeit der Realität. Ich freue mich nach meinem Studium von den SchülerInnen zu lernen. Mir ihre kleinen Realitäten anzuhören und sie für andere Realitäten zu öffnen. Ganz dem Motto: „Ich mach mir die Welt, widewie sie mir gefällt.“ (solange dadurch niemand verletzt wird natürlich).

    17. Juni 2020
    Antworten
  26. Ina Zarah S. sagte:

    Die Aufgabe von Pädagog*innen wird hier meiner Meinung nach sehr treffend dargestellt. Sicher ist man als Lehrkörper in einem allwissenden Zustand, ist verantwortlich, dieses Wissen zu vermitteln und stets um neue Thematiken zu erweitern. Viel zu oft packt uns dabei die Angst „Das weiß ich nicht“ zu sagen, so zumindest fühlte ich mich zu Beginn meiner Lehrtätigkeit . Mit der Zeit lernte ich, mein „Das weiß ich nicht“ um ein “ aber was stellst du dir vor/ was ist denn deine Idee oder Meinung dazu“ zu ergänzen. So trat ich aus der autoritären Rolle heraus in die Möglichkeit eines Austauschs über Möglichkeiten, Ideen und Alternativlösungen. Über die Kunst, Literatur und andere Chancen hinaus ist es auch so möglich, Kinder mündig zu machen, ihnen eine selbstständige Art des Denkens zu eröffnen statt jede Frage immer zu beantworten, Dabei wäre es für mich auch irrtümlich nur das Schöne und Logische zu thematisieren, denn das finden Kinder in dieser Welt nicht vor. Viel mehr entdecken sie allerhand Verstörendes, Irritierendes. Und auch indem wir dies besprechen und diskutieren folgen wir der Aufgabe, diese Kinder „mündig“ zu machen.

    21. Juni 2020
    Antworten

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