Der Mythos als methodischer Gegenstand

      
Das Unniversum ist ungeheuer…‘ (Schreier)
wege zum mythos
  • Mythos: Der ewige Brunnen allen menschlichen Denkens.
  • Beginnen wir mit dem Zitat von Helmut Schreier: Das Universum ist ungeheuer. Ist es doch, oder? Deshalb halte ich auch nichts von flauen, schmalbrüstigen, halbwahren Erklärungsversuchen (gerade für Kinder!).
  • Rätsel, Drama, Verwicklung, Sprunghaftigkeit kennzeichnen den Mythos. Ebenso Phänomene wie Hass, Verrat, Rache, List, Eifersucht, Strafe. Es gibt aber auch die Selbsterkenntnis, die Einsicht, den Wandel.
  • Der Mythos zeigt die ganz großen Wunder des Daseins: Eine unnennbar große Liebesszene (Odysseus kehrt nach 20 Jahren zu seiner Frau Penelope zurück. Es ist ein tastendes, zweifelndes Wiedererkennen nach langer Zeit. Die Götter halten die Zeit an. Die Liebenden können sich im zeitlosen Raum wieder vereinigen). Es gibt den Traum von der ewigen Liebe (Philemon und Baucis) und die Wandlung vom Tyrannen in einen weisen Herrscher (Gilgamesch).
  • Der Mythos zeigt den Menschen nicht nur in seiner wünschenswerten Gestalt, er zeichnet das gesamte Bild, auch den Abgrund.
  • Mit einer einfachen ‚Moral von der Geschicht“ kommen wir hier nicht weiter. Das müssen die wissen, die sich auf das Thema einlassen. Es gibt keine Lehre im Sinne von ‚Belehren‘.
  • Zur Verdeutlichung noch ein Beispiel: Was ist ein Held? Der Begriff wird heute auch in der Alltagssprache verwendet und bezeichnet hervorhebenswertes soziales Engagement.
  • Was aber ist der Held  im Mythos? Weder Vorbild noch Idol. Sondern ein gewaltiges Konstrukt brodelnder Emotionalität. In sich voller Widerspruch. Niemand kämpft so mutig wie Achill, aber niemand weint auch so bitterlich wie er. Sein Zorn ist überbordend, die Zärtlichkeit für seinen Freund Patroklos ebenfalls.
  • Selbstbildung mit dem Mythos bedeutet: Keine ausgefahrenen didaktischen Autobahnen; stattdessen verwunschene Wege der Selbstfindung.
  • Lehre als ‚rambling‘. Gehen Sie zu der Seite Das ‚rambling‘ der Lehre innerhalb dieses Blogs.
  • Sehen Sie, es ist die Sinnhaftigkeit alles Erlebens gefragt, das Überdenken aller Handlungen, die Positionierung des ‚Selbst‘ im Dasein. Die Ausdehnung des gedanklichen Vorstellungsfeldes bis hin zum Unendlichen.
  • Dann findet Bildung nicht nur im schulischen Raum statt. Selbstverständlich nehmen wir solches Erleben mit nach Haus. (Insbesondere gilt dies für das Homeschooling, welches so sehr viel mehr inhaltlich intensivert werden könnte).
  • Wir verlassen die Welt des Nur-Rationalen und beziehen Zauber, Magie, Gebet, Furcht, Traum, Reise, Demut und Schicksalhaftigkeit in unser Nachdenken über die Welt mit ein.
  • Werden wir dadurch menschlicher, toleranter, weitfassender, mitfühlender? Es wäre so wünschenwert und notwendig.
  • In der Berührung mit der Größe des Mythos verkleinert sich die Selbstbezogenheit. Wenn ich von mir auch absehen und mich fremden Schicksalen zuwenden kann, wächst in mir die Kraft des ehrlichen Mitgefühls, die der  Empathie.
  • Dies ist doch ein Schlüssel zur Weltverständigung, nicht wahr?
  • Ich gehe weiter: Mythos ist in seiner Tiefe erhaben (Das Erhabene) und poetisch.
  • Poesie eröffnet den weitmöglichsten Horizont.
  • Poesie ist Rückbesinnung und Aufbruch.
  • Aufbruch zu den Dimensionen der zentralen Fragen: Wo kommen wir her? Was können wir wissen? Wie sollen wir leben? Was ist der Tod?
  • Brechen wir also auf zu einem Unterricht, der die Weite der mythischen Poesie als Initiator erfüllender Bildungsereignisse begreift.

    Wer jetzt noch Kraft und Energie hat verfolgt nun dies: Ein Gedicht. Eine Schulklasse. Eine revolutionäre, betörend schöne didaktische Schlussfolgerung.

  • Der Germanist Winfried Pielow beobachtete eine Schulklasse, die das melancholische Gedicht„In ein altes Stammbuch“ von Trakl besprach. Darin wird die Melancholie als sanfte Freundin der einsamen Seele bezeichnet. In goldener Abenddämmerung kann dieses Gefühl besondere Kraft entfalten.

 

  • ,Jmmer wieder kehrst du Melancholie,
    0 Sanftmut der einsamen Seele,
    Zu Ende glüht ein goldener Tag[ … ]“

 

  • Als auf diese Zeilen eingegangen wurde, äußerten sich die Schüler einer 7. und 8.Jahrgangsstufe dahingehend, dass sie die Verse sehr traurig machten. Sie würden sie zwar nicht verstehen, aber sie seien sehr schön. Pielow erinnert in diesem Zusammenhang an den französischen Dichter Baudelaire und seine Auffassung, dass der poetischste Ton der Poesie der Ton der Melancholie sei. „Le ton le plus poetique est le ton melancholique“.
    Pielow antwortet auf die an sich selbst gerichtete Frage, ob Melancholie, Trauer gar, pädagogisch vertretbar seien, in nachdenkenswerter Weise. Sich weiter auf das erwähnte Trakl-Gedicht beziehend, führt er aus:
  • ,,Dies zu lesen, nachzuvollziehen, gar zu kultivieren, bewirkt gewiss nicht Kräftigung für den »Lebenskampf«, das stärkt keinen elan vital, nein, es bewirkt, wenn man die Richtung einer möglichen Wirkung überhaupt definieren kann, etwas ganz anderes. Es ermöglicht die Einsicht – so dürfen wir vielleicht sagen – in die Grenzen des Daseins. Aber diese Einsicht, die man auch auf andere, etwa philosophische Weise erfahren kann, wird in einem Gedicht dieser Art mit der Geste eines gütigen Erziehers vermittelt. Das vollendet schöne Gedicht intendiert die Einsicht dergestalt, daß sie Zustimmung, Annahme nahe legt. Das dunkle Gesetz der Vergänglichkeit ruft, auf solche Weise vorgetragen, nicht Widerstand oder Schock hervor, sondern trägt möglicherweise dazu bei, das Unvermeidliche gelassener anzunehmen. Wir dürfen sagen: Klang- und Bildkraft des Gedichtes tragen sanft hinüber, transzendieren, öffnen Zugänge zum Religiösen. Und indem wir den immer größer werdenden Schatten zustimmen, mag es uns gelingen, menschlicher zu werden. Wir werden sanfter, demütiger, gebeugter, mitleidiger: wir werden toleranter“ (Pielow, 1985, ‚Das Gedicht im Unterricht‘, S.15).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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72 Kommentare

  1. N. Ulrich sagte:

    Ein sehr interessanter Beitrag. Bevor ich mir diesen durch gelesen habe, habe ich mir selbst Gedanken über den Begriff des Mythos gemacht. Stichwörter wie Held, Antiheld, Drama, Krieg, Riesen, Götter und Heldentaten sind mir in die Gedanken geschwirrt. Aber auch , dass Mythen immer etwas geheimnisvolles an sich haben, immer eher dramatischer als ruhig sind.
    Meine Großmutter wohnt am Teutoburger Wald. Der Herrmann, oder auch Arminius, ist hier allgegenwärtig. Ob beim Spaziergang am Freilichtmuseum, von dort aus kann man seine 53 Meter hohe Statur in der Ferne sehen, oder beim Spazieren in der Stadt, dort steht ein Fuß von ihm, in Originalgröße der Statur. Der Held des Teutoburger Waldes ist überall. So habe ich mir als Kind oft die Geschichte von ihm erzählen lassen und mit Freunden diese im Wald weitergespielt. Ich kann mich daran erinnern, dass ich fasziniert von dieser Geschichte war und dass sie hier, wo ich stand, stattgefunden haben soll. Ich glaube diese Faszination von Göttern, Menschen die über sich hinauswachsen und die so genannten Helden, kann gut in den Deutschunterricht übertragen werden. Ich freue mich schon sehr auf das Seminar.

    12. April 2021
    Antworten
    • M. Tiedmann sagte:

      Den Mythus des Arminius kannte ich bisher noch gar nicht. Nun habe ich wieder etwas dazugelernt. Danke, die Geschichte ist wirklich sehr interessant!

      13. April 2021
      Antworten
    • Y. Borodaychuk sagte:

      Ich kannte wie M. Tiedmann den Mythus des Arminius auch noch nicht, und musste erstmal Googeln. Aber so wie du das erzählst habe ich direkt Lust bekommen Teutoburger Wald zu besuchen, danke für den Tip 😉

      13. April 2021
      Antworten
    • Eileen Suckrow sagte:

      Deine Erzählung klingt wirklich toll! Ich bin mir sicher, dass sich überall auch im Umland viele Mythen wiederfinden lassen.
      Die Geschichten hautnah erleben zu können zB. durch einen Ausflug stelle ich mir besonders spannend vor.

      13. April 2021
      Antworten
    • Julius Haase sagte:

      Was mich schon immer fasziniert hat waren Helden, wie zum Beispiel Herkules oder auch Siegfried und das hat bis heute Bestand. Ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich sage, dass es vielen so geht, deshalb hat Marvel so einen großen Erfolg. Mich würde interessieren, wie Mythen entstanden sind, ob sie auf einer wahren Begebenheit beruhen. Ich kann mich noch (sehr) dunkel an eine Dokumentation erinnern, in der behauptet wurde, dass Siegfried ein Feldherr gewesen sei, der die Römer besiegt hatte. Da die einfallenden Römern mit Fackeln in einer langen Reihe liefen, sah dies aus der Entfernung aus wie ein Drache, der Feuer spie. Und so, so meine ich mich zu erinnern, wurde gesagt, dass aus dieser Geschichte und ihrer mündlichen Überlieferung der Mythos des Siegfrieds dem Drachentöter entstand. Bei der mündlichen Überlieferung wurden immer wieder mal einige Dinge weggelassen und hinzugedichtet, so dass aus dem römischen Heer ein Drache wurde. Es war eine spannende Doku, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

      Nach kurzer Recherche bin ich darüber gestolpert, dass es sich um den bereits erwähnten Arminius handelt…
      (https://de.wikipedia.org/wiki/Arminius#Arminius%E2%80%93Siegfried)
      Ich habe auch versucht die Dokumentation wiederzufinden, bin mir aber nicht sicher, ob es die ist, die ich gefunden habe:
      https://youtu.be/3PsFf0l7t2I

      Ich würde mich freuen weitere Mythen zu entmystifizieren und ihren Ursprung zu erforschen. Ich denke, dies würde auch den SuS Spaß machen. Zuerst werden sie durch den Mythos verzaubert und anschließend forschen wir und finden die zugrundeliegende Geschichte heraus – einfach faszinierend und es bringt bleibende Erinnerungen fürs Leben.

      14. April 2021
      Antworten
      • N. Ulrich, unser ‚Türöffner‘. Danke!!! Und Julius, das ist charmant geschrieben, engagiert! Wir sollten es verfolgen. Siegfried bekommt eine eigene Bühne. So long!

        14. April 2021
        Antworten
      • Taleja sagte:

        Das ging mir als Kind genau so und es ist heute immer noch so, dass mich die alten Mythen faszinieren.
        Es handelt sich um Geschichten die über eine lange Zeit gewachsen sind.
        Man kann sie überall auf der Welt finden und sie sind meist schon viel älter als es die Schrift gibt. Sie wurden mündlich weitergeben, von Generation zu Generation an Lagerfeuern erzählt. Ich stelle mir vor, dass viele ErzählerInnen eigene Aspekte in die Geschichten mit einbrachten, sodass mit der Zeit der verschiedenste Versionen eines Mythos existierten, eine Art Teppich aus kollektiver menschlicher Geschichtenerzählung…
        Dem Ursprung einer Geschichte auf den Grund zu gehen, stelle ich mir sehr spannend vor und vielleicht macht es auch den Reiz aus, dass man sich nie ganz sicher sein kann was wirklich historisch passiert ist und wer wann wo etwas dazu gedichtet hat.

        9. September 2021
        Antworten
    • E.Pietrzak sagte:

      Sehr interessant und vielen Dank für diese Geschichte! Als du angefangen hast über den Teutoburger Wald zu schreiben, viel mir das Brieselanger Licht ein. In einem Forst im Havelland, nicht weit von Berlin entfernt, wird seit Jahrzehnten immer wieder ein unheimliches Licht gesichtet, dessen Herkunft sich niemand erklären kann. Das Phänomen ist inzwischen weit verbreitet und lockt immer mehr Besucher und Geisterjäger in den Wald. Wann genau das mit diesen Lichterscheinungen in den Wäldern von Brieselang anfing, kann niemand so genau sagen. Mal sahen es mehr, mal weniger Menschen. Eine Sage bezieht sich auf die Ermordung des 12-jährigen Mädchens Elisabeth Wieja im Jahre 1945. Wieja war im Sommer 1945 mit ihren Eltern nach Alt-Brieselang gezogen. Als das Mädchen angetrunkenen sowjetischen Soldaten den Weg durch den Wald zeigen wollte, vergewaltigten diese Wieja zunächst und ermordeten sie mit einem Gesichtsschuss. Nach dieser Tat soll entweder der Geist des Mädchens oder wahlweise die Taschenlampe ihres suchenden Vaters im Wald sichtbar sein.

      Mhyten sind was tolles. Sie versetzten den Geist und auch die Körper in Neugierde und Anspannung. Sehr schade, dass man heutzutage so wenig Mythen kennt und auch so wenig Mhyten weitergegeben werden.

      14. April 2021
      Antworten
      • Sina Alina Laskowski sagte:

        Das Phänomen des Brieselanger Lichts ist mir bekannt. Ein Freund aus der Schulzeit hat in Brieselang gewohnt und wir haben uns oft mit einigen Leuten verabredet. Gerade am Abend, wenn es schon dunkel war, haben wir uns an den Rand des Waldes begeben und nach dem besagten Licht gesucht bzw. Ausschau gehalten. Ich war mir zu dieser Zeit sehr sicher, dass ich wirklich ein Licht im Wald gesehen habe. Es war ein bisschen gruselig,auch wenn ich schon lange aus dem Kindesalter raus war. Egal ob Licht oder nicht, eine spannende Erfahrung war es auf jeden Fall. Es hat die Fantasie und Vorstellungskraft definitiv angeregt.

        28. April 2021
        Antworten
    • Lisa Gründer sagte:

      Die Kommentare meiner Kommilitonen haben mich stark an meine eigene Kindheit erinnert. Ich bin in der Stadt Görlitz aufgewachsen , welche dieses Jahr 950 Jahre alt wird. Es gibt viele Sagen und Mythen in dieser Stadt, etwa vom Dreibeinigen Hund, von der Linde auf dem Friedhof oder die von der Verrätergasse. Viele der Schauplätze, an welchen sich die mystheriösen und zum Teil gruseligen Ereignisse zugetragen haben sollen, gibt es heute noch. Diese Orte strahlen eine gewisse Faszination auf mich aus. Sind diese Ereignisse vielleicht wirklich geschehen oder was war der Auslöser für diese Geschichten? Es muss ja irgendeinen Grund gegeben haben, warum Leute sich genau diese Geschichten erzählen.
      Ich finde es besonders spannend, wenn man mit Kindern diese Orte besuchen kann. Sie bekommen gleich einen reellen Bezug und geben den Kindern die Möglichkeit sich in der Umgebung eine eigene Meinung zu bilden, wie und warum es zu diesen Ereignissen gekommen sein könnte. Außerdem lernen sie ihre eigene Heimat besser kennen.

      16. April 2021
      Antworten
  2. E. Balke sagte:

    Mythen haben etwas anziehendes an sich. Als ich früher als Kind bei meinem Großvater war, las er mir diese oft vor. Er schlug das dicke, abgegriffene Buch auf und ich lauschte gespannt seiner tiefen Erzählerstimme, die mich in neue Welten eintauchen ließ. Ich war fasziniert von diesen Geschichten. Nach der Lektüre redeten wir noch oft über die Handlungen der Geschichten. Er erklärte mir, das sich vieles aus den Mythen auf unsere Welt übertragen ließe. Das spannendste an der ganzen Geschichte war für mich das Ende und die Moral. Ich versuchte mich oft in die handelnden Personen hineinzuversetzen und fragte mich, wie ich an ihrer Stelle agieren würde. Das, was sie am Ende aus ihren Taten lernten, versuchte ich mir anzunehmen. Ich sah Mythen also immer als eine Art Vorbild an.

    Vielleicht sollte das in den Unterricht eingebaut werden. Egal ob Deutsch, Mathe, Sachunterricht etc. Eine Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler, bei Auseinandersetzungen auf alte Mythen rückgreifen zu können, die ihnen Orientierung geben und ihnen die Richtung weisen.

    13. April 2021
    Antworten
    • M. Tiedmann sagte:

      Das klingt nach einer tollen Kindheit. :) Ich finde deinen Vorschlag, die Mythen in den Unterricht einzubauen und in ihnen eine Art Vorbild sowie Orientierung zu suchen sehr spannend. Hierbei kommt es aber auf den individuellen Mythos drauf an denke ich, da die Helden eines Mythos oftmals auch sehr impulsiv und dramatisch (im negativen Sinne) handeln. Dies gilt aber natürlich nicht für alle Mythen.

      13. April 2021
      Antworten
    • Eileen Suckrow sagte:

      Das sehe ich genauso.
      Diese spannenden Geschichten von seinem Großvater vorgelesen zu bekommen ist sicher besonders (schön).
      Ich denke das gerade das Ende und die Moral besonders lehrreich für die Kinder sein können. Auch das Hineinversetzten in die handelnde/n Person/en und der Blick aus einer anderen Perspektive ist zwar oft nicht leicht, aber dennoch spannend für die SUS.

      13. April 2021
      Antworten
    • K.Szakallas sagte:

      Ich stimme dir zu, dass Mythen etwas anziehendes haben.
      Beim Lesen von dem Beitrag und den Kommetaren kam mir auf Anhieb der Mythos um Rübezahl in den Müggelbergen und dem Teufelssee eingefallen.

      Meiner Meinung sollten Mythen mit den Schülern und Schülerinnen im Unterricht mehr thematisiert werden. So könnte die Vorstellungskraft und Phantasir der Schüler und Schülerinnen angeregt werden. Orte, die in der Nähe der Schule sich befinden, an denen sich Mythen abgespielt haben sollen, können bei einer Exkursion besucht werden. Die Schüler und Schülerinnen können sich so noch besser in die Figuren hinein versetzten.

      16. April 2021
      Antworten
    • L. Bilic sagte:

      Dem stimme ich zu! Es ist schade, dass man heutzutage nicht nur wenige Mythen kennt, sondern diese kaum in ihrer Tiefe thematisiert werden. Sie haben etwas nahezu Magisches an sich, das im schulischen Raum u.a. viel Potential zum Philosophieren mit Kindern mit sich bringt. Sie stellen sich wahrscheinlich nicht nur Fragen, wie und warum Mythen entstanden sind (es muss ja irgendeinen Hintergrund gegeben haben, wieso genau diese Mythen erzählt wurden), sondern beschäftigen sich auch rege mit dem Inhalt. Dann können auch Momente der Selbstbildung und Selbstfindung stattfinden. Der Austausch darüber versetzt den Körper und Geist in Wissensdurst, Ungeduld, Anspannung, Aufmerksamkeit. Letztlich kann die Moral der Mythen besonders lehrreich sein für Kinder, es kann ein „Ich-Selbst-Bezug“ hergestellt werden. Im Unterricht besteht in Bezug zu Mythen darüber hinaus vor allem die Möglichkeit, performative Momente miteinzubeziehen, die für die Schüler:innen weitere Vorteile mit sich bringen (soziale Kompetenzen, Selbstfindung, kreatives Ausleben, Sinnhaftigkeit werden geschult und damit neue Perspektiven eröffnet u.v.m.).

      21. April 2021
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  3. Ines Saydan sagte:

    Meine erste Assoziation während des Lesens hatte ich an der Stelle, in der es um den Mythos des Odysseus geht. Mir fiel sofort die Oper Monteverdis, die den Namen l’Orfeo trägt. Dieses Werk stellt den Beginn der Gattung Oper dar. Mit dem Werk l’Orfeo vollzog Monteverdi die Veränderung hin zu einer neuen Gattung der dramatischen Kunst, nämlich zum „Dramma per musica“, der Oper. Monteverdis Wirken fällt in die Zeit um 1600 und ist somit sowohl von einem polyphonen Stil, als auch von dem sogenannten monodischen Stil geprägt. Warum also nicht den Mythos des Odysseus mit der Oper Monteverdis verbinden? Die Musik schafft vielleicht eine ganz andere Art des Zugangs zum Thema Mythos. Die Stimme kann Gefühle, Seelenzustände und Emotionen am besten ausdrücken. Sie erzählt Geschichten und berichtet über Ereignisse. Sie schwebt in der Luft und findet ihren Weg in die menschliche Seele.

    13. April 2021
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    • Wunderbare Auftakttexte!!! Auch ich möchte auf Elisa mit Monique antworten: Das Wesen des Mythischen ist jenseits der Ratio! Und Ines, sehr, sehr erfreuliche ästhetische Verbindung, wirklich! Doch zu Orpheus kommen wir erst später!!

      13. April 2021
      Antworten
      • Ines Saydan sagte:

        Einen Teil des Odysseus Mythos hat Monteverdi ebenfalls vertont, nämlich die Heimkehr des Odysseus (Il ritorno d’Ulisse in patria). Monteverdi und sein Textdichter Giacomo Badoaro verwendeten hierzu den 13. bis 23. Gesang aus Homers „Odyssee“. Es besteht also doch die Hoffnung auf eine Verbindung des Mythos mit einer Vertonung.

        14. April 2021
        Antworten
    • Josephine Pritz sagte:

      Ich habe auch sofort an die Opernmusik gedacht. Wie schön, davon zu lesen. Als Kind einer Musikerfamilie bin ich schon früh im Opernhaus unterwegs gewesen. Ich brauchte trotzdem lange, um die Geschichten, Mythen und Sagen zu verstehen beziehungsweise mich ihnen anzunähern, denn für mich stand immer im Vordergrund die Musik. Ich habe dadurch aber die Geschichten, Mythen und Sagen auch besser verinnerlichen können, sie haben mich berührt, das Bühnenbild, die Bewegungen im Ballett oder die Singstimmen in der Oper waren es, die meine Emotionen frei gemacht haben.
      Ich halte vor allem auch deshalb eine Auseinandersetzung von antiken Ereignissen auf musikalischem Wege für SuS für sehr hilfreich. Ob tatsächlich als Ausflug in ein Opernhaus oder Theater, oder selbst schauspielerisch und musikalisch erzählen, Freiheiten gibt es denke ich einige, die eine Lehrkraft hat um auch Fächerübergreifend zu lehren. :)

      15. April 2021
      Antworten
  4. M. Tiedmann sagte:

    Wenn ich das Thema ,,Mythos“ höre, denke ich immer gleich an meine Grundschulzeit zurück, da wir in der 5./6. Klasse im Rahmen des Gewi-Unterrichts die griechische Mythologie behandelt haben. Wir haben sehr viel dazu gemacht: Texte gelesen, Videos geschaut, Begriffe definiert, einen Comic zu den 12 Heldentaten des Herakles gezeichnet, den weiteren Verlauf von griechischen Mythen uns vorgestellt usw.
    Schon als Kind fand ich das total interessant und spannend. Nach wie vor interessiert mich das Thema ,,Mythos“ – insbesondere wie bereits erläutert die griechische Mythologie, weshalb ich auch gerne Filme/Serien schaue und Bücher lese, welche dieses Thema aufgreifen.
    Besonders gut am Mythos gefällt mir auch, dass dieser sich ,,den Menschen nicht nur in seiner wünschenswerten Gestalt, [zeigt, sondern dass] er […] das gesamte Bild, auch den Abgrund [zeichnet]“ und dass dieser so vielfältig ist, da Themen wie Drama, Einsicht, Wandel, aber auch Hass, Eifersucht und Verrat auftauchen und eine Rolle spielen.
    Wir sollten viel öfter ,,die Welt des Nur-Rationalen [verlassen] und […] Zauber, Magie, Gebet, Furcht, Traum, Reise, Demut und Schicksalhaftigkeit in unser Nachdenken über die Welt mit ein[beziehen]“.

    Ich bin schon sehr gespannt auf dieses Seminar und freue mich auf den Austausch! :)

    13. April 2021
    Antworten
    • Svenja Julika Schön sagte:

      Da kann ich mich anschließen. Die griechische Mythologie ist mir aus meiner Grundschulzeit ebenfalls in Erinnerung geblieben. Als Kind war ich damals fasziniert von den griechischen Göttern und deren Geschichten. Wir stellten diese im Unterricht aufwendig als Inszenierungen dar. Daran erinnere ich mich noch heute, muss also ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein!

      16. April 2021
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  5. Y. Borodaychuk sagte:

    Als ich den Beitrag gelesen habe, habe ich mich an mehrere Sachen erinnert.
    In den Mythen geht es um weitaus mehr als die Moral Geschichten, sie bringen Empathie aus uns hervor und lehren uns die Toleranz. Bei der Aussage musste ich sofort an Aristoteles denken und den begriff der Katharsis, der Seelischen Reinigung. Ein Gefühl, das die Tragödie in den Zuschauern auslöst, wenn man Mitleid für die Figuren empfindet, für das was ihr Schicksal ist und selber dankbar ist, so ein Schicksal nicht erdulden zu müssen.
    Die Auffassung des Dichters Baudelaire, dass der poetischste Ton der Poesie der Ton der Melancholie sei erinnert mich an die Epoche der Romantik, in der die Dichter sich nach dem Zustand des reinen, der Kindheit sehnten, weil nur die Kinder das wunderliche sehen konnten und sich mehr mit der Natur verbunden fühlten.
    Ich selber finde Mythen extrem spannend, überhaupt die Geschichte wie sie entstanden sind, die mündlichen Überlieferungen, die den Test der Zeit bestanden haben. Sie sind nicht nur unterhaltend, sondern können viel über eine Kultur und die Zeit verraten, gleich Zeitig findet man in verschiedenen Kulturen die gleichen Mythen, nur in abgewandelter Form, wie auch C.G. Jung es bereits bemerkt hatte mit seinen Archetypen.
    Ich kann mir auch gut vorstellen den Mythos in andere Fächer zu verweben, z.B im Geographieunterricht die Griechische Landkarte zu Studieren anhand der vielen Epen und Göttersagen.
    Mythen sind ein sehr spannendes Thema mit denen man die Kinder gut abholen kann, vor allem dann, wenn Fiktion und Geschichte sich in einem Spannungsbogen befinden. So waren viele Mythen auch gedacht als Legitimation für Herrschaften.
    Den Helden auf seiner Reise begleiten, den ist das nicht der Traum viele von uns gewesen, auf einer Abenteuerfahrt gehen, zumindest ist es immer noch bis heute mein geblieben.

    13. April 2021
    Antworten
  6. Aysu Cavdar sagte:

    Ein sehr philosophisch angehauchter Beitrag, der mich zum Teil auch auf tiefgründiger Art und Weise zum Nachdenken angeregt hat. Bevor ich diesen Beitrag gelesen habe, hatte ich jedoch kein Vorwissen über diese spannende Thematik. Durch diesen Artikel habe ich Einblicke in das Themenspektrum der Mythen gewonnen und so einiges dazugelernt. Besonders wir als angehende Lehrkräfte sollten nicht nur über brandneue Themen, sondern auch über die wesentlichen antike Mythen informiert sein, um unseren SuS unser breitgefächertes Wissen weitergeben zu können.
    Ich freue mich auf das kommende Seminar und auf die bevorstehenden Diskussionen !

    13. April 2021
    Antworten
    • Marie Blumenthal sagte:

      Besser spät als Nie: Auch ich empfand den Beitrag als sehr tiefreichend und musste noch jedem Stichpunkt eine kurze Pause machen und mir diesen dann nochmal durchlesen. Zu jedem Stichpunkt könnte man über mehrere Seiten philosophieren. Es ist ein wirklich sehr gelungener Artikel den ich mir für den späteren Unterricht und das kommende Seminar zurecht legen werde. Es macht Lust, erweckt die Neugier und den Forscherdrang in einem mehr in das Thema einzusteigen und zu erfahren. Und genau dieses Feuer welches der Beitrag in einem auslöst gilt es bei den Kindern zu entfachen und sie zum forschen und erkunden dieses Themas bringen. Ich hoffe in diesem Seminar noch mehr von diesem Feuer zu sehen und neue Methoden/ Anreize für spätere Unterrichtsthemen zu finden.

      17. Juni 2021
      Antworten
  7. Eileen Suckrow sagte:

    Mythen sind für jede Altersgruppe und besonders für Kinder sehr spannend. Mysteriöse Geschichten und spannende Heldentaten werden in vielen Kulturkreisen unterschiedlich meist mündlich weitergegeben. Ich denke man sollte den Schülerinnen und Schülern die Tür zu dieser Welt öffnen und sie in die spannende Thematik eintauchen lassen. Das Themenfeld der Mythen eröffnet Möglichkeiten in vielerlei Unterrichtsfächern. Die Kinder können sich selbst an den Wahrheitsgehalt und ihre Vorstellungskraft der Geschichten wagen.
    Leider habe auch ich in meiner eigenen Schulzeit wenig über Mythen gelernt und bin daher besonders gespannt auf das, was mich in diesem Seminar erwartet.

    13. April 2021
    Antworten
    • Aysu Cavdar sagte:

      Dir stimme ich zu: Absolut!
      Denke auch das Mythen in zahlreichen Formen vorzufinden sind und somit ein breitgefächertes Themenspektrum sind. Besonders aus diesem Grund, sollte man den SuS ein vielfältiges „Angebot“ zur Verfügung stellen, indem z.B. verschiedenen Mythen aus unterschiedlichen Religionen und Kulturkreisen thematisiert werden. Durch die Auseinandersetzung mit Kindern über viele spannende antike Geschichten, können sich die Kinder nicht nur zusätzliches Wissen über die eigene Kultur bzw. Religion aneignen, sondern auch zuvor fremde Geschichten mit einen anderen Ursprung kennenlernen, und somit zu Menschen mit offenen Weltanschauungen heranwachsen.

      13. April 2021
      Antworten
  8. Felix Jeffrey Klinke sagte:

    Als ich diesen Beitrag gelesen habe fingen meine Gedanken gleich an auf eine unbestimmte Reise zu gehen, die im Endeffekt doch irgendwie einer Bestimmung folgte.
    Verwirrt? Ich auch!
    Ein Erklärungsversuch:
    Ich kenne verschiedene Mythen/mythische Personen/Wesen zmindest vom Hören, allerdings nur zum Teil und unvollständig.
    Odysseus, Ödipus,
    Sphinx, Sisyphos, Atlas, Minotaurus, Eris mit dem Apfel, etc. kommen mir bekannt vor und ich könnte vllt. ein bisschen davon nacherzählen, aber für die Richtigkeit und Vollständigkeit könnte ich nicht garantieren.
    Ich habe unter anderem durch meine Eltern einen Zugang zu diesen Mythen gehabt und somit ist auch der Mythos mit meinen Eltern verbunden und meine Gedanken auch.
    Ich war mir nicht im Klaren, dass ich beim Thema Mythen auch über sie nachdenken werde, jetzt ist mir jedoch klar warum.
    Auch, dass ich mich selbst hinterfrage, was ich noch von den Mythen weiß und was mich daran interessiert war mir zuerst nicht klar. Es ist aber dann klar, wenn ich mich selbst hinterfrage und feststelle, dass der Mythos an sich tatsächlich zu weiterem Denken anregt und eine breite, philosophische und weiterführende Denk- und Sichtweise ermöglicht.
    Man ist nicht eingschränkt und einem wird nicht vorgegeben, was man zu denken und zu glauben hat, es ist in gewisser Weise anders „phantastisch“.
    Wie oben erwähnt ist ein Mythos nicht einfach, sonder komplex und bietet ciele Möglichkeiten über sich selbst, andere, das Leben, Gefühle und verschiedenste Phänomene nachzudenken und auch zu philosophieren.
    Ich glaube das ist es, was mich auch besonders anspricht, ins nachdenken kommen,sich sein eigenes Bild schaffen und ggf. eine individuelle Erkenntnis zu erlangen. Ohne zu grübeln und sich selbst einer tieferen Negativität hinzugeben.
    Überträgt man das nun auf die Schule und den Unterricht hat man, bei richtiger Herangehensweise und Interesse bei den Schüler:Innen tolle und weitreichende Möglichkeiten. Kinder haben viele Fragen, sind neugierig, sind wissbegierig, interessiert und haben Lust auf Neues. Leider werden sie oft genug in eine bestimmte Richtung geleitet, in ein „Lernkorsett“ gepresst, ihrer Phantasie beraubt und den Vorstellungen der Erwachsenen unterworfen und gleichgemacht.
    Hier kann das Lesen und Hören von Mythen einen Gegenpol darstellen.
    Indem ich als Lehrer:In nicht vorgebe, was für eine Ergebnis erziehlt werden soll (was will die Lehrkraft hören?), sondern die Kinder unterstütze, falls sie Fragen haben. Ansonsten lasse ich sie selbst lesen, nachdenken, sich eine Meinung bilden, den Mythos auf sich beziehen, oder auch nicht, ihn in ihrer Gedankenwelt integrieren und ihn sich zu eigen machen. So ist die Motivation sich damit zu beschäftigen viel stärker, als beim wiederholten Lesen und Ausagen des Zauberlehrlings (nichts gegen den Zauberlehreling, aber naja…).
    Letztendlich ist das Ziel für mich als Lehrkraft nicht nur das Vermitteln von Wissen, sondern auch und besonders der Begleiter zu sein, der den Kindern ermöglicht eigenständige, mündige und selbst denkende Persönlichkeiten zu werden. Hier kann der Mythos und der gemeinsame Austausch und die Auseinandersetzung ein Mittel sein, das eienen Teil dazu beiträgt. Auch kann ggf. eine Art „Mini-Resilienz“ entstehen.
    Abschließend möchte ich noch meinen ersten Gedanken noch einmal aufgreifen.
    Ich war mir nicht im Klaren, wohin mich meine Gedanken führen, jedoch ist mir durch die nachträgliche Reflexion und die Auseinandersetzung mit dem gegebenen Inhalt klar wie es dazu gekommen ist, dass meine Gedanken diesen Weg eingeschlagen haben.
    Besonders der Satz „Das Universum ist ungeheuer“ ist hier für mich bezeichnend.
    Ich würde den Satz nämlich so weiterführen: Das Universum ist ungeheuer spannend, groß, faszinierend, unbegreiflich und beängstigend.
    Das ist es jedenfalls für mich, es begeistert, zeigt mir meine Grenzen auf, erstaunt mich und macht mir Angst, ob seiner schieren Unerklärlichkeit (ab einem gewissen Punkt).
    Da kommt dann das Nachdenken, das Umgehen, das Arangieren, das Auseinandersetzen ins Spiel. Auch hier ist das auch sehr individuell und deswegen interessant und motivierend. Es macht, fröhlich, regt einen auf, regt zu weiterem Denken an, etc.
    Für mich ist gerade das der größte Mythos.
    Was man daraus Ableiten kann ist die Freude am Lernen, Entdecken eigener Interessen und Schwächen, soie den Umgang mit Melancholie, Ängsten, Grenzen und die daraus auch entstehende Kraft für neues, für Mehr…
    Es muss im menschlichen Dasein und in dem eigenen Sein Platz für alles sein…

    „Melancholie ist ein Tropfen Wermut aus dem Krug der Depression. “
    -Klaus Ender

    13. April 2021
    Antworten
    • Ina Geraldine Guy sagte:

      Felix ich finde deine Gedanken, bezüglich der menschlichen Qualitäten, ja, auch die die uns immer als Schwächen ausgelegt werden, sehr inspirierend. Über Mythen, die eigenen menschlichen Qualitäten kennen und beschreiben zu lernen und daraus zielführend eigene Mythen zu verfassen, wie Benjamin als Unterrichtsentwurf vorschlägt, hört sich zeitgemäß an. Melancholie und Pandemie sind zwei Begriffe, die sich in dieser Zeit förmlich aufdrängen und ich nehme an, noch lange Bestandteil unserer Aufarbeitung sein werden.

      14. April 2021
      Antworten
  9. Benjamin Schwan sagte:

    Mythos im Unterricht

    Die Behandlung von Mythen im Unterricht ist eine Möglichkeit, ein Bewusstsein für die eigene Seele und dem Dasein in der Zeit zu schaffen. Ein Mythos ist nie auserzählt oder endgültig interpretiert, da er neben den in mythischen Bildern mitschwingenden historischen Ereignissen immer wieder eine neue Verortung des Ichs in der Welt ermöglicht. Bsph. Narziss – ein Mythos, der von Selbstliebe, Selbsterkenntnis erzählt und bis heute genutzt wird, um ganze Gesellschaften (narzisstische Gesellschaft, ewige Selbstbespiegelung) oder politische Persönlichkeiten wie Donald Trump zu beschreiben.

    Es gibt viele Versuche, sich dem Begriff des Mythos zu nähern. Vereinfacht wird er als Sagengeschichte bezeichnet, abgeleitet vom griechischen Begriff mȳ́thos (μῦθος), der mit Wort, Erzählung, Rede übersetzt wird. Der deutsch-schweizerische Philosoph Jean Gebser, ein kulturwissenschaftlich orientierter Bewusstseinsforscher, bezeichnet in seinem Werk „Ursprung und Gegenwart“ das Charakteristische der mythischen Struktur als die „Bewusstwerdung der Seele“, also der Innenwelt. Das Innen-Erschaute findet seine Entsprechung und Bewusstwerdung in der dichterisch gestalteten Aussage. Die Wasser-Seele-Symbolik im Narziss-Mythos wird somit zu einer mythischen Aussage über die Bewusstwerdung. Narziss sieht sich selbst im Spiegel des Wassers, schaut also mythisch gesprochen in die eigene Seele und wird sich seiner eigenen Existenz bewusst.

    Vor dem Hintergrund Ihrer Aussagen „Deshalb halte ich auch nichts von flauen, schmalbrüstigen, halbwahren Erklärungsversuchen (gerade für Kinder)“ und „Keine ausgefahrenen didaktischen Autobahnen; stattdessen verwunschene Wege der Selbstfindung“ stellen sich mir die Fragen, wie diese dem Mythos innewohnenden Möglichkeiten auch schulisch genutzt werden können und wie wir Schüler*innen dabei helfen, sich selbst besser zu verstehen und dem Verstehen Ausdruck zu geben?

    Leider sind durch den berechtigten Anspruch von Verlagen, die Texte auch schon jüngeren oder weniger geübten Leser*innen zugänglich zu machen, die poetischen Verse von Ovid, Homer u.a. vereinfacht oder besser gesagt banalisiert worden. Es ist nicht einfach, Übersetzungen und Texte zu finden, die etwas von der Urkraft des Mythos bewahrt haben.

    Vorstellbar ist, das Interesse für einen Mythos durch ein pars pro toto Vorgehen („Ein Teil steht für das Ganze“) zu wecken. Warum nicht einen starken Vers in ausgewählter Sprache anbieten, mehrfach laut oder mit unterschiedlicher Betonung lesen (lassen), rätseln und fantasievoll einen Kontext von den Schüler*innen vermuten lassen. Die kurze Zusammenfassung von Seiten der Lehrkraft kann je nach methodischem Aufbau und didaktischem Ziel nachgereicht werden. Das zusätzliche Angebot von Bildern aus der Kunstgeschichte unterstreicht die mögliche Vielfalt der Interpretationen und Betonungen eines Hauptmotivs, z.B. die Spiegelung des Narziss über dem Wasser. Hier kann assoziativ gearbeitet und individueller Zugang ermöglicht werden. Eigene Texte können dazu geschrieben oder Vorher/Nachher-Bilder erstellt werden. Wenn man sich auf diese Art an einem Vers bzw. dem Motiv „abgearbeitet“ hat, kann man einen Gesamttext anbieten; entweder desselben Mythos oder gar eines neuen Mythos, der dann selbst gelesen werden soll und mit Aufgabenstellungen verbunden wird. Warum nicht die Schüler*innen einen eigenen Mythos schreiben lassen, der ausgehend von einer Fragestellung, einem menschlichen Phänomen, einem Gefühl, eines Naturereignisses in mythischen Sprachbildern von unserer Welt und unseren Fragen erzählt? Hier können je nach Schülertyp Witz, Humor, Drama oder Schlichtheit individuell zum Tragen kommen.

    Wünschenswert wäre es, wenn es gelänge, dass Schüler*innen ihre eigenen Fragen im Mythos erkennen und im spielerischen Umgang mit diesen Texten (und auch Bildern) Bildungs- und Sprachhürden überwinden.

    13. April 2021
    Antworten
    • Katharina Bork sagte:

      Lieber Benjamin,
      deinen Gedankenanstoß, die Schüler*innen einen eigenen Mythos schreiben zu lassen, finde ich sehr inspirierend. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt.

      14. April 2021
      Antworten
      • Isabell Kosanke sagte:

        Liebe Katharina, lieber Benjamin,

        ich schließe mich euren Gedanken vollkommen an. Leider muss man zugeben, dass Unterricht vielerorts auf Rationalismus beruht und vielen Regelhaftigkeiten folgt. Dabei wird der Kreativität in Gefühl und Ausdruck der Kinder oftmals kein Raum gegeben. Ich denke es ist wünschenswert – nein wohl eher notwendig, dass wir Kindern wieder mehr die Möglichkeit geben mit der „Verzauberung“ von Erlebtem zu spielen.

        15. April 2021
        Antworten
    • Benjamin, und auch Katharina, ja das ist ein großartiger Beitrag. Schauen Sie doch einmal nach Michael Ritter, Uni Halle. Er hat, glaub ich, mit Kindern Schöpfungsmythen geschrieben.

      14. April 2021
      Antworten
  10. Alina Meincke sagte:

    Ich finde das Thema Mythen ebenfalls sehr interessant, auch oder besonders für Kinder.
    In meiner Grundschulzeit haben wir leider nicht dieses Thema behandelt. Mir hätte es sicher viel Freude gemacht, da ich auch schon immer geheimnsivolle Themen spannend fand. Daher freut es mich umso mehr, dass das Thema nun in diesem Seminar behandelt wrd und freue mich schon.

    14. April 2021
    Antworten
  11. S. Dalbeck sagte:

    Ganz wunderbar zu lesen. Viele Gedankenanstöße, die die Vorfreude steigern, sich mit dem Thema Mythen zu befassen.

    14. April 2021
    Antworten
  12. Katharina Bork sagte:

    Ich habe mich sehr über das Thema dieses Seminars gefreut und finde diesen Beitrag als Einstieg sehr gelungen! Als ich ihn gelesen habe, musste ich sofort an Odysseus und die Nibelungen denken. Beides haben wir damals in der Mittelstufe mittels verschiedener Projekte thematisiert. Ich muss unbedingt mein Lesetagebuch dazu raussuchen!

    14. April 2021
    Antworten
  13. Ina Geraldine Guy sagte:

    Fantastischer Beitrag. Vielen Dank auch an alle KommentatorInnen. Sehr anregend diese Reflexionen der Mehrdimensionalität des Mythos. Meine Überlegungen gehen hin zum antiken Bildungsbegriff, der Platoschen Suche nach Wahrheit und führen mich ins alte Indien. Ich bin erst kürzlich beim Lesen eines Buches, von dem zeitgenössischen schweizer Philosophen Armin Risi („Gott und die Götter“) auf die Begriffsherkunft des Wortes Mythos aus Sicht der Veden (heilige Hindu Schriften) gestoßen. Im Johannes Evangelium heißt es übersetzt: Am Anfang war der Logos (Wort). Die im Abendland oft rivalisierenden Konzepte „Logik“, das vermeintlich Rationale (die Wahrheit) und „Mythos“, das vermeintlich Fantastische (das Unwirkliche) stehen im Schöpfungsmythos der Veden (Bhagavad-Gītā) für zwei Teile einer Ganz-heit. Als Indo-Germanische Sprache bedienen wir uns linguistisch alter Symbole (Sprachkonzepte) und übersetzen diese seit Jahrhunderten in unseren zeitgenössischen Sprachkontext. In Sanskrit (klassische ind. Sprache) beschreibt der Logos (āroha) „das hinaufstrebende Prinzip (Wort, Information)“, durch das der Mensch seine eigenen Bemühungen erkennt oder zu erkennen glaubt“ und der Mythos (avaroha) „das herabgereichte Prinzip (Wort, Information), durch das sich die höhere, nicht sichtbare Wirklichkeit in dem für uns wahrnehmbaren Bereich kundtut“. Risi beschreibt sie als polare Begriffe, die von ihrem scheinbaren Widerspruch leben und sich auf der höheren Ebene ergänzen. Vereint bilden sie ein gigantisches Prinzip, die MYTH-O-LOGIE. Wie oft hört man gerade im schulischen Kontext, „jetzt denk doch mal logisch und hör doch mal auf zu träumen“. Wenn nun aber gerade diese Prinzipien zusammengehören, wäre es nicht fantastisch den SchülerInnen genau solche Sprachherkünfte nahezubringen, um dadurch gesellschaftlich konstruierte Normen aufzuschlüsseln. Eine Wortentschlüsselungs- und reprogrammierungs-Odysee sozusagen.

    14. April 2021
    Antworten
  14. Tabea Klatt sagte:

    Ein schöner Beitrag zum Einstieg (und noch viel schöner die ganzen Kommentare hier zu lesen). Auch ich finde den Begriff Mythos interessant und ich bin sehr neugierig, was uns noch alles erwartet. Die Beschäftigung mit Mythen kann einen besonderen Zugang zu Phänomenen geben, die für uns unfassbar erscheinen können. Der Mythos ist nicht durch Kausalität definiert, er ist nie auserzählt und regt zum Denken an.
    Besonders die Kommentare, die Ideen zur Einbringung von Mythen im Unterricht beinhalten, inspirieren mich. In meiner Schulzeit hätte ich mir sowas auch gewünscht. Ich freue mich, wenn wir auf diese und weitere Vorschläge in dem Seminar näher eingehen.

    14. April 2021
    Antworten
  15. N. Rösicke sagte:

    Ich finde den Beitrag wirklich toll und er hat stark die Erinnerungen an meinen Lateinunterricht geweckt, indem unsere Lehrerin sehr häufig Mythen aufgegriffen hat, die mich und die meisten anderen sehr fasziniert und zum Nachdenken angeregt haben. Die Mythen haben stets zu einem regen Austausch und teilweise zu sehr emotionalen Diskussionen angeregt.
    Erstaunt hat mich im Übrigen auch immer wieder, dass viele Begriffe, die aus Mythen und Legenden hervorgegangen sind, auch noch heute verwendet werden, wie z. B. Tantalus (Tantalusqualen), Damokles (Damoklesschwert).

    14. April 2021
    Antworten
  16. J. Voß sagte:

    Wenn ich das Thema Mythos höre, erinnere ich mich sofort an meinen Lateinunterricht. Die Erzählung von alten Mythen war am interessantesten, neben dem stupiden Latein lernen. Wie bei N. Rösicke wurden auch uns im Unterricht verschiedene Mythen erzählt.

    Zum untenstehenden Gedicht kann ich so wie die Schüler der 7. und 8. Klasse sagen, dass es ehr traurige Gedanken auslöst. Obwohl es nur ein Teil ist und man den Kontext nicht versteht.

    15. April 2021
    Antworten
    • Stefan Z sagte:

      Schön, wenn neben dem stupiden Latein lernen die Mythenerzählungen das ganze aufgelockert und interessanter gestaltet haben. Es passte vermutlich gut in den Kontext des Lateinunterrichts und machte diesen greifbarer und spannender.
      Leider hatte ich während meiner Schulzeit das Gefühl, die behandelten Themen müssen von der Lehrkraft „abgearbeitet“ werden, dementsprechend kontex- und lieblos war der Unterricht gestaltet. Es kam mir ein Gedanke, und zwar wäre es doch möglich bei der Heranführung an das Thema Mythen, im Unterricht, zunächst regionale Erzählungen aus dem nahen Umfeld der Kinder anzusehen und zu besprechen.
      Ich bin vor zwei Jahren auf ein Buch gestoßen (Mühlhiasl – Der Seher von Rabenstein), das die Geschichte eines heute noch (lokal) bekannten Mannes erzählt, der um 1753 Weissagungen machte, welche bis in die heutige Zeit reichen.
      Durch meine Ortskenntnis in diesem im Buch beschriebenen Teil Niederbayerns, konnte ich in die Geschichte förmlich eintauchen, alles wurde plastischer und ich merkte, dass dieses Interesse an der Geschichte bei mir deshalb wirkt, weil mich dieser beschriebene Teil meiner Heimat, auch automatisch etwas angeht.
      So könnten z.B. griechische Mythen nachvollziehbarer und interessanter gestaltet werden, wenn z.B. deren Schauplätze und geschichtlichen Hintergründe vorher – idealerweise auch fächerübergreifend – besprochen wurden.

      15. April 2021
      Antworten
  17. Clarissa B sagte:

    Ich habe, wie immer den Blog-Beitrag mit großer Freude gelesen. Ich finde die Inhalte stets äußerst anregend für die eigene Kreativität und Hinterfragung dieser Inhalte, unter anderem durch die Anreize für den eigenen Unterricht. Den Themeninhalt „Mythos“ hören wir viel zu wenig im schulischen Kontext, meiner Meinung nach. Das tiefgründige Themengebiet, was vor allem auch jüngeren Schulkindergruppen einen hohen Reflexionsansatz bereitet, wurde in diesem Beitrag inspirierend dargestellt. Die Tiefe der mystischen Geschichten und Mythen ist nicht zu unterschätzen und ich denke, dass es gilt, diesen Aspekt den jungen SchülerInnen mitzugeben und ihnen ein Gespür für diese Geschichten zu vermitteln. Die Hinterfragung von Inhalt und Bedeutung der Geschichten ist häufig äußerst komplex, dennoch sind die zunächst verdeckten und metaphorisch ausgeschmückten Bedeutungen wunderschön verpackt, in einer zunächst für uns fremden aber bezaubernden Welt.

    Ich freue mich auf den Inhalt des anstehenden Kurses (D7 Freie Universität) :)

    15. April 2021
    Antworten
  18. Jonathan Hönicke sagte:

    Vielen Dank für diesen anregenden Beitrag. Ich finde die Welt der Mythen faszinierend, umso trauriger, dass sie aus meinem Leben weitestgehend verschwunden sind. Dieses Seminar bietet mir die Möglichkeit diese vergessenen Welten zu neuem Leben erwecken zu lassen und ich bin sehr gespannt, was die nächsten Wochen mit sich bringen. Wenn ich an Mythen denke, erinnere ich mich immer an meinen Geschichtslehrer aus der Grundschule zurück. Für ihn hatte diese Welt eine große Rolle gespielt und er hat uns in seinem Unterricht daran teilhaben lassen. Dies hat vor allem dazu geführt, dass mein Geschichtsinteresse nachhaltig positiv beeinflusst wurde. Ich erinnere mich an ganze Geschichtsstunden, in denen unser Lehrer uns einfach nur Geschichten von Odysseus, oder dem Minotauros, oder der schönen Helena so lebhaft erzählt hat, dass ich während diesen Erzählungen eingetaucht bin in die fesselnde Welt der Mythen, ich habe sie miterlebt, mitgefühlt, habe tagelang darüber nachgedacht. Mythen haben mir einen besonderen, einen bereichernden Zugang zu dem Unterrichtsfach Geschichte ermöglicht und ich bin der festen Überzeugung, dass dies auch in anderen Fächern der Fall sein kann und sollte.

    15. April 2021
    Antworten
  19. Anja Wellner sagte:

    Wer fand als Kind Mythen nicht spannend?
    Deren Popularität findet sich doch auch darin wieder, dass Schriftsteller wie
    Rick Riordan diese Themen immer wieder aufgreifen und Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen zugänglich machen (seine neuste Reihe thematisiert Apollo). Auch die Filmindustrie bedient sich immer wieder an Mythen und machen mehr oder minder gute Filme/Serien daraus.

    Mich würde jedoch interessieren, mal abgesehen von den sehr alten und immer wieder bedienten Mythen, gibt es keine modernen? Schaffen heutige Autoren nicht auch Mythen? Welten mit Figuren, die eine epische Geschichte erleben? Ich kann mir vorstellen, dass es moderne Geschichten gibt, die ähnliche Merkmale wie die klassischen Mythen haben, jedoch nicht also solche betrachtet werden. Denn ich persönlich assoziiere mit Mythen eine lang vergangene Zeit, mit der unsere heutige Welt kaum noch zu vergleichen ist, das geht anderen sicherlich ähnlich.

    15. April 2021
    Antworten
    • Sabrina Walbracht sagte:

      Hi Anja, genau das habe ich mich auch gefragt. Ich erinnere mich an so viele alte (besonders griechische) Mythen, die mir meine Eltern oder wir Kinder uns gegenseitig erzählt haben. Da Mythen immer mit etwas sehr altem assoziiert werden, gibt es heutzutage noch keine neuen. Aber wer sagt, dass unsere Kinder oder Enkelkinder nicht neue Mythen erzählen werden? Oder mal angenommen, in 1000 Jahren werden Mythen über das Corona-Virus erzählt.

      15. April 2021
      Antworten
    • Happy sagte:

      Als ich eben deinen Text las, kam mir sofort wieder Percy Jackson ins Gedächtnis und wie sehr meine ganze Familie davon fasziniert war.
      Wie Sabrina auch, bin ich der Überzeugung das es immer wieder neue Mythen geben wird. Aus der neueren Zeit sind wohl zu Elvis Presley, Krokodilen im Kanalisationssystem oder zum Tod von Hitler einige Mythen im Umlauf. Auch das Coronavirus wird sicherlich unseren nächsten Generationen Stoff bieten für neue Mythen.

      16. April 2021
      Antworten
      • Stellvertretend für alle Beiträge: Unser Semesterauftakt ist von hohem Niveau. Erfreulich die Nachdenklichkeit, das Frage nach dem Heldentum, die musilkalischen Verknüpfungen, die charment erzählten Jugenderinnerungen etc.. Und ja, plaudern Sie mit Eltern, im Freundeskreis, mit Lehrenden. Gerade die Frage nach dem Heldentum wird eine der anspruchsvollsten sein.
        Hier noch ein Hinweis auf den den Kollegen Stierstorfer, meiner Ansicht nach eine aktuelle Referenz zur modernen Mythendebatte.
        http://www.pegasus-onlinezeitschrift.de/2014_1/pegasus_2014-1_stierstorfer_druck.pdf
        Ab der nächsten Woche arbeiten wir im BB der FU-Berlin. Ich freue mich darauf!

        16. April 2021
        Antworten
  20. Justine Josie Arndt sagte:

    Auch mich hat dieser Beitrag angeregt. Und ich kann gar nicht mehr so viel dazugeben, weil schon so viel gutes gesagt wurde. Auf einige Punkte würde ich jedoch gerne noch eingehen:

    Ich finde dass die Definition eines Helden für jeden eine andere ist. Manche denken dabei an ein Familienmitglied, andere an ihren Schwarm und wiederum andere an eine erfundene Figur. Geht es euch genauso? Wer ist euer Held? Habt ihr überhaupt einen?

    Zu Achill: Er wird als Held angesehen, aber letztendlich stirbt er. Er hat also für seine Taten gesühnt. Und auch wenn es ein trauriger Tod war und man mit ihm sympathisierte, darf man nicht vergessen, dass er für den Kampf und den Ruhm lebte. Also ist er wirklich der Held des Mythos? Denn er konnte Troja nicht retten und hat auch nie für das Land gekämpft.
    Seien wir mal ehrlich: Sympathisieren wir nicht deshalb auch so mit Achill, weil wir den Film „Troja“ gesehen haben und Brad Pitt seine Rolle verkörperte?
    Realistisch gesehen, passt die Körperpflege und das ganze Aussehen nicht zu einem Krieger in dieser Zeit. Welche Auswirkungen hat also ein Schauspieler auf die Rolle und den Film?

    Für den Unterricht würde ich die Kinder einen Mythos oder eine Szene spielen lassen. Sie versetzen sich in die Rolle hinein und sehen sie aus einer völlig neuen Perspektive. Dazu verhelfen natürlich auch dramaturgische Mittel.
    Sie arbeiten in Gruppen zusammen, schreiben ihre eigenen Texte und entwerfen Outfits und Bühnenbilder. Die Lehrkraft steht ihn dabei unterstützend zur Seite, aber sollte keinerlei vorgaben machen, um die Kreativität der SuS nicht zu hemmen. Ich selbst hatte mehrere Jahre Darstellendes Spiel an meinem Gymnasium und es hat mir nicht nur Spaß gemacht, ich habe auch vieles gelernt. Unter anderem die Sichherheit vor anderen zu sprechen, was mir bei jedem Referat oder Vortrag weitergeholfen hat.

    Noch ein kleine Anmerkung zu dem Gedicht:
    Ich denke, dass jeder Mensch ein Gedicht anders auffasst und mit etwas aus seiner Vergangenheit verknüpft. Sei es eine Tat oder ein Gefühl, was die Wörter auslösen.
    Wenn etwas trauriges schön verpackt wird, so wie hier, dann erweckt es noch mehr Emotionen in einen.

    Das Wort Sanftmut ist für mich bsp. vollkommen positiv. Und das der Tag zuende glüht, bedeutet doch, dass er gestrahlt hat. Also war es ein wunderschöner Tag der sich dem Ende neigt. Und manchmal ist es gut, alleine zu sein. So gibt man seinen Gedanken einen Raum und kann sich völlig auf sich konzentrieren. Ich persönlich mache dies leider viel zu selten. Aber es ist so wichtig, eins mit sich zusein und sich ruhe und Abstand von allem zu nehmen.

    Bis nächste Woche! Ich freue mich auch auf euch und das Seminar!

    15. April 2021
    Antworten
    • Josephine Pritz sagte:

      Liebe Justine,
      Ich hatte folgende Gedanken: (vielleicht wird es etwas philosophisch, aber ist das nicht der Zauber jeder Mythologie?)
      Mich hat auch die Frage beschäftigt, wer heute, so ganz aktuell noch für uns Held, Vorbild ist. Fiktive Figuren, Vorbilder in der Familie, FreundInnen und PartnerInnen, Personen des öffentlichen Lebens? Für mich war Spiderman auf jedenfall auch mal im Rennen, Greta Thunberg kommt auch auf jedenfall auf meine Liste der Menschen, die mich inspirieren.
      Aber sind alle, die mich inspirieren gleich Helden? Was macht einen Helden aus?
      Kann ich diese Menschen HeldInnen nennen, sobald ich mich in die Thematik einfühlen und identifizieren kann, um die sich kümmern? Können SchülerInnen durch eine intensive Auseinandersetzung solcher Thematiken auch ihre eigenen Vorbilder finden?
      Werden irgendwann in der Zukunft von Greta Mythen erzählt?

      Mich erinnern meine Gedanken auch an eine Psychotherapie. Wer bin ich, was macht mich aus, wenn ich mich mit einem Protagonisten einer Geschichte, eines Mythos, einer Sage identifizieren kann?
      Wer sind wir als Gesellschaft, wenn wir jemanden wir Trump kritisieren, jemanden wie Greta feiern? Wie politisch sind Mythen, welche können wir Kindern noch erzählen, welche sollten wir vorsichtig im Klassenraum behandeln, um keine fragwürdigen Werte und Normen zu vermitteln?

      Fragen über Fragen.

      15. April 2021
      Antworten
  21. Lena Klietsch sagte:

    Ich persönlich finde die Vielfalt der Mythen sehr eindrucksvoll. Im Zuge dessen habe ich über die verschiedenen Kulturen auf Welt nachgedacht und frage mich inwiefern die verschiedenen Kulturen von Mythen geprägt sind. Ich habe einige Jahre meiner Kindheit in Guatemala verbracht und konnte somit selbst Erfahrungen mit verschiedenen länderspezifischen Mythen machen. Das Land und die (einheimischen) Menschen wurden sehr stark von dem Mythos des Quetzals geprägt. Der Quetzal ist ein Vogel mit grünem und rotem Gefieder. In Guatemala wird dieser Vogelart eine besondere Bedeutung zugetragen. Er wird als Nationalvogel bezeichnet und ist auf der Nationalflagge abgebildet. Des Weiteren ist die Währung ebenfalls nach ihm benannt. Der Quetzal wird aufgrund der Mythen um ihn herum geehrt und „vergöttert“. Der Mythos um den Quetzal entsprang aus der Zeit der Mayas. Die Mayas sollen auf dem Schlachtfeld von Quetzaltenango angegriffen worden sein und dabei fielen tausende von Mayas. Dem Mythos nach flogen daraufhin die Quetzals als Totenwächter auf die blutdurchströmten Leichen der Mayas. Daraufhin färbten sich die Unterseiten der Vögel rot. Seither wird der Mythos des Quetzals in Guatemala verbreitet und das Land ist von dem Mythos stark geprägt. Interessant hierbei finde ich die möglichen Anknüpfungspunkte im Deutschunterricht. Hierbei können die Schüler*Innen ihnen bekannte Mythen erzählen, vergleichen und deren Einfluss auf ihre Kultur und ihr Handeln analysieren.

    Abschließend möchte ich noch äußern, dass ich mich sehr über die Thematiken des Seminars freue. :)

    15. April 2021
    Antworten
  22. Julia Scholze sagte:

    Ich freue mich sehr auf dieses Seminar und dessen Inhalte, weil ich in der Schulzeit wenig mit Mythen in Kontakt gekommen bin. Im Lateinunterricht wurden uns vereinzelt ein paar vermittelt und wir sollten auch das Nibelungenlied lesen. Allerdings haben wir den Inhalt kaum verstanden, da die Vermittlung des Stoffes nicht gut verlief, sodass ich leider nicht viel mitnehmen konnte. Ich bin sehr gespannt auf den Austausch hier und finde ihn schon jetzt bereichernd.
    Ich bin auch der Meinung, es ist ein wichtiges Thema, die Schüler*innen können so viel für sich mitnehmen und Emotionen und Gedanken einordnen sowie sich in andere hineinversetzen, was die eigene Empathie stärkt. Poesie hilft dabei ungemein. Was Felix schon so schön beschrieben hat, kann ich nur unterstreichen. Die Kinder werden zum denken und forschen angeregt. Sie sollten Freiraum bekommen, um sich untereinander auszutauschen ohne ein richtig oder falsch. Ich als Lehrkraft möchte später Mythen mehr aufgreifen und die Kinder bei ihren eigenen Interpretationen und ihren Ich-Entdeckungen in der ganzen Komplexität von Mythen begleiten.

    15. April 2021
    Antworten
  23. Johanna Jakob sagte:

    Wenn ich an das Wort Mythos denke, denke ich an etwas geheimnissvolles. Etwas eher dunkles, bedecktes, vielleicht auch rätzselhaftes von dem man nie weiß, wie viel Wahrheit drin steckt. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich in der Schulzeit nie mit Mythen zu tun hatte. Die einzige Geschichte mit der ich mich je richtig beschäftigt habe, ist die von Siegfried, der in Drachenblut gebadet hat und dadurch unverwundbar wurde. Diese Geschichte kenne ich aber auch nur von einer Hörspielkassette, die ich als Kind oft gehört habe. Da die Geschichte sehr kindgerecht erzählt wurde, kann ich mir vorstellen, dass sie abgewandelt, vereinfacht und viele DInge weggelassen wurden. Aber genau da muss man aufpassen. Sicherlich ist es gut, Geschichten kindgerecht aufzuarbeiten (gerade im Grundschulalter). Aber nur wenn man ihnen klar macht, dass sie gerade verändert wurden, damit sie sie verstehen. Vielleicht könnte man den Kindern immer eine Art Übersetzung geben? Erst den Originaltext, und dann die Kindervariante. Für mich wäre das eine sinnvolle Lösung. Mythen sind ein wichtiger Teil von Kultur und Mensch und sollten auf jeden Fall im Unterricht behandelt werden. Da ich dieses Thema nie in der Schule hatte, freue ich mich sehr auf das Seminar. Ich denke ich, werde viele neue Erkenntnisse für mich gewinnen und hoffe, dass ich diese später im Lehreraltag/ Unterricht anwenden kann.

    15. April 2021
    Antworten
    • Happy sagte:

      Ich persönlich finde deine Einwand mehr als nur berechtigt, wenn Mythen in der Schule behandelt und kindgerecht aufgearbeitet wurden, diese eben auch als solche zu kennzeichnen und den Kindern auch zu vermitteln, dass es auch eine andere Version gibt. Kinder verstehen das sehr gut und sind auch interessiert und belesen sich dann vielleicht mit ihren Eltern zuhause nochmal mehr über das Thema und können dann Fragen stellen. Mythen ganz aus der Schule rauszuhalten, wie es bei dir leider der Fall war, ist nicht richtig meiner Meinung nach.

      16. April 2021
      Antworten
  24. Vladimir Augustus Melchior Lekschas sagte:

    Immer wenn ich an Mythen denke kommen mir unweigerlich die vielen verschiedenen Heldenepen des antiken Griechenland in den Sinn. Einen Reiz den diese antiken Mythen haben ist, dass man nie zu 100% weiß, ob die Erzählung real war oder nicht (das es nie Frauen mit Schlangenhaaren oder Zauberei gab ist selbstverständlich). Wäre Schliemann nicht so besessen auf die Ilias gewesen, hätten man das Vermeindliche Troja heute noch nicht gefunden. Viel interessanter für mich auf den zweiten Blick, ist aber der Gilgamesch Epos. Der erste Myhos der Menscheit wirkt viel mysteriöser und somit interessanter als das ,was man schon „kennt“. Das schöne an Mythen ist, die historische Relevanz und die Mischung aus Fiktionalität und Realität, weshalb es so Spaß macht sich diese durchzulesen. Auch Mythen aus Osteuropa und dem Baltikum sind sehr interessant (im Gegensatz zu (entschuldigung) der Nibelungensage). Ich hoffe wir werden ein paar (neue) Mythen oder Ausschnitte aus ihnen lesen. Ich freue mich sehr darauf mehr darüber zu erfahren.

    15. April 2021
    Antworten
    • Danja Abou Khachab sagte:

      Ich stimme dir da total zu! Griechische Mythologie ist so interessant, weil es viele Aspekte gibt, die verbunden werden. Dabei ist jede Geschichte etwas anders. Ich finde die Verbindung von Realität und Fantasie sehr inspirierend. Ich würde mich freuen, mehr im Unterricht davon zu sehen.

      18. April 2021
      Antworten
  25. Yannick Bogendörfer sagte:

    Lese ich mir die ganzen Kommentare und Antworten auf jene durch, merke ich erstmal, wie unheimlich wenig ich doch über Mythen Bescheid weiß. Hier und da kommen mir Namen bekannt vor weil man sie in Redewendungen benutzt.
    Gut, man kennt die Geschichten der „Helden“, gewiss aber nur so gut, um die Redewendung auch in richtigen Situationen benutzen zu können. So geht es zumindest mir.
    Wenn ich im direkten Austausch zwischen meiner Gedankenwelt und meines Unterbewusstseins bin und einige Impulse „hochschwappen“ lasse, merke ich, dass mich früher nur die ganzen Statuen und Bilder der Mythen interessiert haben.
    Ja, ich gebe zu, dass mich Bilder eher faszinierten als Worte.
    Worte haben Kraft und können blitzschnell einschlagen und Schönheit oder Zerstörung hinterlassen, das ist mir klar. Bilder aber sehe ich immer zuerst vor Augen. Also habe ich bei dem Begriff Mythos direkt an die ganzen Statuen und Kleider gedacht. Ich hatte engelsgleiche Gesichter und muskelbepackte Körper vor Augen gehabt. Nur eines ist seltsam. Die Bilder sind immer unnahbar. Sie spielen sich nicht auf der Welt, wie ich sie kenne, ab. Es mag vielleicht daran liegen, dass in meinem Badezimmerspiegel weder ein engelsgleiches Gesicht noch ein muskelbepackter Körper auftaucht. Ich denke aber, dass es daran liegen wird, was Anja Wellner gesagt hat.
    Dass Mythen immer etwas mit einer lang vergangen Zeit zu tun haben.

    Als ich Beiträge darüber gelesen habe, das Thema „Mythos“ in einem Theater/Rollenspiel zu behandeln, war ich direkt Feuer und Flamme für diese Idee.

    Ich würde mir so wünschen, dass das Seminar auf andere Art und Weise behandelt werden kann und nicht in lästiger Online-Version.
    Nichtsdestotrotz freue ich mich über das Seminar, denn ich denke, dass ich einiges lernen, verstehen und aufarbeiten werde.
    So, das war es. Ich hoffe man kann meinen Gedanken halbwegs folgen.

    15. April 2021
    Antworten
  26. Carolin Lachmann sagte:

    Der Beitrag ist sehr toll und hat mich zum Nachdenken gebracht. Als Kind fand ich Mythen sehr interessant und aufregend. Oftmals habe ich daran geglaubt, dass alles wahr ist, was in dem Mythos gesagt wurde. In meiner Grundschule gab es auch ein Mythos, den wir Kinder uns immer erzählt haben. Es gab ein kleines Waldstück, dass etwas abgelegener war und somit waren keine Lehrer da, die auf uns aufgepasst haben. In diesem Wald war eine vermoderte Bank und daneben eine Art Gullideckel ( wie Kinder dachten, es wäre ein Brunnen). Es wurde gesagt, dass dort ein Mädchen mit einem Messer ermordet wurde und nun in dem „Brunnen“ liegt. Die Kinder, die bei Dunkelheit den Wald betreten, würde das Gleiche passieren. Natürlich wollten wir als Kinder alles erforschen und Beweise finden, dass der Mythos wahr ist. Wir haben uns eingebildet, getrocknetes Blut auf der alten Bank gefunden zu haben und auch ein Stück vom Messer wurde gesehen ( letztendlich war es ein Stück Holz, das zufällig die eine Ähnliche Gestalt hatte). Für uns war damit ganz klar, dass der Mythos wahr sein muss. Der Wald war für uns immer sehr geheimnisvoll und noch heute bekomme ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke, obwohl ich weis, dass es eher Einbildung war und somit nicht war ist.
    Leider ging diese Begeisterung mit den Jahren verloren und ich habe mir keine Gedanken mehr über Mythen oder anderen Erzählungen gemacht. Ehrlich gesagt, kenne ich nicht mal mehr viele Mythen. Deshalb fand ich es sehr schön, dass ich mich durch diesen Beitrag wieder zurückerinnert habe. Das hat mir heute den Tag verschönert. Vielen Dank :)

    15. April 2021
    Antworten
    • Happy sagte:

      Beim lesen des Kommentars, habe ich mich sofort in meine eigene Kindheit zurück versetzt gefühlt und mich an unsere Clubs und dedektivischen Arbenteuer erinnert. Bei uns im Dorf steht ein sehr verkommenes Haus was einfach eine Ruine ist, gefährlich zu betreten und voller Müll von allen möglichen Menschen die es durch die nichtvorhandenen Fenster schmissen. Als wir in der dritten und vierten Klasse waren, habe ich mit drei weiteren Kindern einen Club gegründet der erforschen wollte wem das Haus einmal gehörte und was darin passiert war (wir waren der festen Überzeugung, dass in diesem Haus ein Verbrechen geschehen sein musste, sonst würde es nicht so aussehen). Wir fanden auch alte Briefe und Röntgenbilder von einer Familie die wir kannten (sie lebt auch in dem Dorf) und bildeten uns ein eine Schussverletzung zu sehen auf dem Röntgenbild und wollten die ganze Geschichte aufdecken.
      Leider kam es dazu, dass die Routine von der Polizei zu gemacht wurde mit verstärkten Brettern vor den Fenstern und Türen. Aber die Geschichte haben wir auch an die nächste Generation weiter getragen und die Familie ist uns allen seit dem noch seltsamer und geheimnisvoller. Leider hat sich niemand von uns getraut gehabt, damals einfach mal nachzufragen und mit ihnen zu reden… bis heute nicht, aber wahrscheinlich auch aus der Scham, da wir ja auch ihre persönliche Post gelesen haben und Arztbriefe gesehen haben (lag zwar alles zugänglich für jeden in der Ruine, aber ganz richtig ist es ja dennoch nicht).

      15. April 2021
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  27. Happy sagte:

    Der Beitrag hat mich sehr mitgenommen und zum weiterdenken und erzählen angeregt. Beim lesen des Arbeitsauftrages im BB, habe ich mir anfangs (wie einige meiner Kommiliton*innen) auch erstmal meine eigenen Gedanken zum Thema Mythos und Mythen gemacht. Sofort fielen mir alte Legenden um die Indiander und Mythen aus dem alten Griechenland ein. Beim weiteren Lesen und mit einer Unterhaltung meiner Mutter, fiel mir ein, dass ich selbst eine Mythe oder besser gesagt eine Sage im Deutschunterricht in der Schule gelesen und behandelt habe. Die Nibellungensage, in der es ebenfalls vieles von einer Mythe zu finden gibt.

    Der Blockeintrag hat mein Blick auch wieder dichter an die eigentliche Aufgabe gebracht. Mythen als methodischer Gegenstand. Was ist meine Vorstellung von einem Held und würden Kinder einen Helden ebenfalls so definieren wie ich?
    Was ist mit Helden des alltäglichen Lebens? Das finde ich ein ganz spannendes Thema und freue mich sehr mehr darüber zu erfahren und im Austausch mit Ihnen und meinen Kommiliton*innen zu sein.

    15. April 2021
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  28. Miriam Branig sagte:

    Beim Thema Mythen fiel mir sofort Achill ein. Eine Geschichte die ich sehr einprägsam fand und die mir auch im Gedächtnis geblieben sind. Aber da hört es dann auch schon auf, wenn ich ehrlich sein soll. Ich weiß noch ganz genau, dass mich Mythen, Sagen etc. in meiner Schulzeit immer sehr gelangweilt haben. Sie hatten für mich immer einen verstaubten Charakter. Dies war aber vermutlich auf die Lehrkraft zurückzuführen. Denn als es im Abitur hieß, wir spielen „Einen Sommernachtstraum“ (kein Mythos, ich weiß) fing es plötzlich an Spaß zu machen, auch mal ein wenig „verstaubte“ Literatur in die Hand zu nehmen, mich damit zu befassen und auseinanderzusetzen. Der Lehrer hat es damals so spannend und interessant gemacht.
    Nun stelle ich mir also die Frage, wie kann ich meinen Schüler*innen später einen spannenden Unterricht bieten, wie kann ich alles so aufbereiten, damit ich die Kinder abholen kann und sie Spaß an der Bearbeitung und Auseinandersetzung damit bekommen? Kann ich sie über das Theaterspielen damit vertraut machen oder ist es eine intensive Auseinandersetzung mit Textpassagen? Vergleiche in die heutige Zeit ziehen? Wie könnte der Mythos im Jetzt aussehen? Wer sind heute unsere Helden? Was können wir daraus lernen? Es wird noch ein spannender Weg und ich freue mich auf die kommenden Aufgaben.

    16. April 2021
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    • Sehr schön zu lesen alles, auch die Bezüge Müggelberge, Görlitz, Sommernachtstraum…. Und, Miriam, ja Achill wird uns beschäftigen. Kinder immer abholen? Ich persönlich lerne und lehre auch durch Verzauberung (gerade mit Kindern). Schauen Sie sich doch den Beitrag an und das Zitat von Kermani, wenn Sie mögen!

      17. April 2021
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  29. Marek Große sagte:

    Wie die meisten meiner Kommoliton*innen habe ich auch im Kindesalter Erfahrungen mit Sagen/ Mythen gesammelt. Ein Mythos hat immer etwas leicht Bedrohliches, Geheimnisvolles, das Kinder fasziniert und doch etwas erschauern lässt. Gleichzeitig waren die Figuren immer Helden, die aber alle auch große Schwächen hatten. Das machte und macht sie in irgendeiner Form „menschlich“ und „real“.
    Der griechische Mythos um die Schlacht von Troja habe ich bewusst auch durch den Film erfahren. In diesem gab es für mich viele dieser „realen“ Helden. Egal ob es Achilles mit seiner Unbesiegbarkeit war, Paris, der sich von der Liebe hinreißen lies und den Krieg verursacht, oder dessen Bruder Hektor, der unter allen Umständen versucht seinen Bruder und seine Heimat zu verteidigen und dafür sterben muss. Sie alle vereinte dieses Bild des verletzlichen Helden und ich glaube jeder Junge kann sich ein Stück darin wiederfinden.
    Was mir außerdem einfällt ist die Sage des Krabat, die in der sorbischen Region eine große Rolle spielt. Ich bin in der Nähe davon aufgewachsen und habe im Grundschulalter das Buch gelesen. Im Laufe der Zeit entstanden in der Region auch immer mehr Attraktionen, die die Stätten der Sage darstellen (z.B. die Krabatmühle in Schwarzkollm). Viele Figuren werden zudem bei Festen, o.ä. von Schauspielern dargestellt. Ich denke durch die Verbindung des Buches und die geschaffenen Figuren und Stätten kann dieses Beispiel genannt werden, um Grundschulkindern Mythen & Sagen näherzubringen und verständlich zu machen.
    Ich freue mich also sehr auf weiteren Input im Laufe des Seminars, da dieses Thema sehr spannend ist und bin gespannt, wie dieses Thema methodisch noch weiter aufbereitet werden kann.

    18. April 2021
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  30. Robert Johnson sagte:

    Ich bin (noch?) kein Fan von Mythen.
    Es fehlt mir -bislang- der intrinsisch motivierte Zugang. Erste Berührungspunkte würde ich im Lateinunterricht der 5. Klasse verorten. Seinerzeit -inzwischen ziemlich genau 30 Jahre her- wurde von der im Nachhinein engagierten und deutlich über das Schulbuch hinaus agierenden Klassenlehrerin erstaunlich viel Bildsames in den ohnehin anspruchsvollen Lateinunterricht mit eingebracht.
    Ihr kann ich keinen Vorwurf machen, dennoch war ich wohl auch damals schon zu wenig begeisterungsfähig für Unbewiesenes.
    So trägt es sich bis heute, dass ich noch immer keinen Zugang zu Fantasy-Plot in mir gefunden habe. Star Wars, Harry Potter, diverse Märchen. Über die mit dem Duktus des Realen erzählten/verfilmten Geschichten finde ich immer nur dann Zugang, wenn sie bereits als eh völlig unreal und überspitzte Satire enttarnt wurden. Leider sind diese oft in sich irrwitzigen Verhohnepipelungen zwar unterhaltsam, schüren aber eher die Ansicht, dass es sich so oder so „nur um Fantasie“ handelt – sie nehmen gar nicht unbedingt für sich in Anspruch eine (reale) Parallelwelt abzubilden.
    Die Ausschlachtung dieser modernen Mythen, im Sinne einer Sage oder Erzählung, mit Merchandise-Artikeln entmystifiziert sie in meiner Sicht nur immer weiter.
    So habe ich schon früh das Interesse verloren, mich mit den erfundenen Parallelwelten des Lucas-Imperiums und anderen gehypten Science-Fiction-Sagen zu beschäftigen. Zu viel Fantum, zu viel mediale-Ausschlachtung. Nicht meine Welt – nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
    Zurück zum Altertum: Interessant fand ich den Versuch, Disneys, ‚Herkules‘ (1997) via Zeichentrickfilm für jüngere Rezipienten aufzubereiten. Darin wird die Geschichte in meiner Erinnerung ziemlich nah an den Überlieferungen, soweit ich sie kenne, abgebildet. Vermutlich geht das auch im Zeichentrick ganz besonders gut, um sich nicht mit dem Problem der Schauspielerbesetzung (wie beispielsweise in „Troja“ mit Mr. Pitt) und in daran gebundenen Assoziationen zu verfangen.
    Die Mythen des Altertums rufen in mir (bis auf wie beispielhaft mit Herkules erwähnte „leichte Kost“) bislang zumeist Reserviertheit hervor, die auf Unwissen bzgl. der Materie beruht.
    So fehlt von meiner Seite noch fundierte Vorkenntnis und damit Handwerkszeug, um kreative Ideen mit Background für den Unterricht in das Seminar zu tragen.
    Mir ist selbstverständlich bewusst, dass Mythologie, Heldensagen und dergleichen sich zumeist um die globalen Randerscheinungen des Daseins ranken. Da gibt es viele Motive, die sich in verschiedensten Konstellationen in Geschichten wiederfinden lassen: Liebe, Mut, Verbannung, Neid, Hass, Eifersucht, Intrige, Hoffnung, Tod, Anderssein, Ausgrenzung, etc. – alles Probleme, die sich auch in der heutigen Zeit (teils im Klassenraum) wiederfinden und damit auf Situationen anwenden lassen, die im Unterricht ihren Platz haben.
    Ich freue mich auf viele Eindrücke und Gedankenanstöße, die mich die Mythologie und Ihre konkreten Bezüge zum/im Unterricht erkennen lassen.

    20. April 2021
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  31. Leon Bochow sagte:

    Im Gegensatz zu vielen anderen KommilitonInnen habe ich damals in der Schule wenig Kontakt mit den Themenfeld „Mythos“ gehabt. Meine Erinnerungen beruhen auf fantastischen Geschichten, die mir Eltern oder Großeltern vorgelesen haben. Doch finde ich es jetzt umso trauriger, dass der Mythos bei mir nicht auch in der Schule behandelt wurde. Die fantastischen Geschichten sind so viel mehr, als nur geschriebene Wörter und man könnte so viel Unterrichtsmaterial aus nur einer Sage schmieden… und die Auseinandersetzung mit den mystischen Geschichten macht den SuS bestimmt Spaß. Die Heldensagen bieten für Kinder genügend Anreize zu Selbstreflektion der Geschichte, Auseinandersetzung mit den Helden und nicht zu vergessen Anreize für Spaß und Spiel, das spielerische Übertragen der Mythen in die Reale Welt.
    Ich denke der Mythos bietet so für den Unterricht und die SuS einen sehr guten Anreiz sich tiefer mit den Sagen zu beschäftigen und sollte nicht außer Acht gelassen werden (wie damals bei mir). Ich freue mich auf die folgenden Seminare!

    21. April 2021
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  32. Elisabeth Schulze sagte:

    Der Beitrag hat viele Kindheitserinnerungen wieder hervorgeholt :) . Mein Bruder hat sich als Kind sehr für die griechische Mythologie interessiert und da wir zusammen in einem Zimmer wohnten, musste ich mich gezwungener Maßen auch damit auseinander setzten. Es liefen die Geschichten hoch und runter und draußen versuchten wir die Handlungen nachzustellen. Sobald wir lesen konnten, war Percy Jackson hoch im Rennen. Beim Skifahren wurden uns Geschichten von „Rübezahl- dem Geist des Riesengebirges“ erzählt und im Sommer sahen wir die „Störtebeker Festspiele“ auf Rügen- der Mythos um die Legende Klaus Störtebeker. Alles zogen wir mit großer Faszination in uns auf. Es begleitete uns ganz natürlich im Alltag. Als ich dann in die Schule kam, wurde die Mythologie zunächst nicht weiter thematisiert. In der siebten Klasse dann sollten wir, wie Julia, auch das Nibelungenlied lesen. Mein Interesse war zunächst groß und ich ging mit Freude an die Sache. Jedoch verstand ich kein einziges Wort und wir hielten uns ein komplettes Schuljahr nur an dem „Königinnenstreit“ auf. Obwohl ich das Buch gelesen habe, könnte ich nicht sagen, worum es geht und es weckt eher negative Gefühle in mir. Meine Lehrerin zeigte mir also, wie man nicht mit dem Thema „Mythologie“ im Unterricht umgehen sollte. Nur die starken SuS wurden in die Diskussionen integriert und wir haben nur am Text gearbeitet und keinen Bezug zur z.B. Musik hergestellt. Mein komplettes Interesse wurde dadurch zunichte gemacht. Später dann kam im Musik- Leistungskurs wieder der Begriff der Mythologie und ihre Vertonung auf. Besonders Richard Wagner vertonte viele mystische Werte, mit denen wir uns inhaltlich und musikalisch auseinandersetzten.
    Warum dies auch nicht schon früher im Unterricht integrieren und kombinieren?
    Deswegen freue ich mich, hier neue, andere und hoffentlich positivere Erfahrungen mit dem Thema Mythologie und Schule zu machen und Ideen zu sammeln und zu forschen.

    22. April 2021
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    • Ein schöner, ehrlicher Beitrag. 2 Sachen: Der Streit der Königinnen ist eigentlich eine phänomenale (sic!) Performanz. Und zu Richard Wagner kommen wir auch noch, sinnlich. Elisabeth, wir werden die Mythen gemeinsam wiederbeleben!

      26. April 2021
      Antworten
  33. Emily Gutsche sagte:

    ich bin (wie viele andere Kommilitonen*innen) ganz begeistert von dem Thema. Ich selbst habe die griechische Mythologie, insbesondere im Grundschulalter geliebt. Ich kann mich noch an mein Geschichtsunterricht in der 5.Klasse erinnern, wo dieses Thema das erste mal aufgegriffen wurde. Ich war damals Feuer und Flamme, weil ich mich sehr intensiv zu der Zeit mit griechischen Mythen auseinandergesetzt habe. Ich hatte verschiedenste Kinderbücher über das Thema, Hörspiele und kann mich auch noch an eine Kika-Serie erinnern, die die Odyssee kindlich darstellte. Jedoch beruhte der Unterricht auf dem Vorlesen der Mythen und das spätere Diskutieren über das Handeln der Charaktere. Dies war nach der 3. Unterrichtsstunde sehr einseitig. Doch insbesondere mit den oben genannten Anregungen und Ideen in den Kommentaren, kommen mir selbst so viele Einfälle und eine erneute Begeisterung, die ich den Kindern so später so gerne weitergeben wollen würde. Begeisterung für Mythen, Begeisterung fürs Lesen, Begeisterung seinen Geist einmal verzaubern zu lassen und in eine ganz andere Welt einzutauchen. Nicht nur Kinder können sich dabei nochmal neu kennenlernen, auch wir Lehrkräfte haben dann die Chance die Welt nochmal mit anderen Augen zu betrachten. Ich glaube, dass Thema wäre super für fächerübergreifenden Unterrichten: Deutsch, Geschichte/SU, Musik, Kunst, Sport, aber auch Mathe könnte man super einbetten in das Thema. Im Lateinunterricht haben wir später griechische und römische Mythologien verglichen bzw die Götter. Das war auch sehr spannend und auch hier sehe ich Möglichkeiten durch performative Pädagogik und eine nötigen didaktischen Reduzierung dies mit Grundschulkindern gemeinsam zu beleuchtet.

    27. April 2021
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  34. Irina P. sagte:

    Mythologie hat eine besonders faszinierende Wirkung auf die kindliche Wahrnehmung. Eines der ersten selbst gelesenen Bücher war für mich eine Sammlung der griechischen Mythen mit eindrucksvollen Bildern und einer exzellenten sprachlichen Gestaltung. Über die Sprache kann ich erst jetzt urteilen, sie ist tatsächlich wunderbar. Die Bilder (ein Bild pro Kapitel-gar nicht so viele)sind teilweise gar nicht kindlich. Die griechische Mythologie ist überwältigend. Wenn wir die Kinder im Unterricht berühren und beeindrucken wollen, dann ganz sicher mit diesem Material. Danke für die Anregung zu dieser Thematik!
    Die antiken Sujets haben viele Komponisten in verschiedenen Epochen zu deren Vertonungen bewegt.
    Wenn ich an den Unterricht denke, kommt mir sofort die Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck in den Sinn. Das Hören von Musik oder die Verknüpfung mit Darstellendem Spiel scheint mir sehr spannend zu sein.
    Und weiterführend könnten die Kinder sich daran wagen, eigene auch sehr moderne Mythen und Heldentaten auszudenken und aufzuschreiben. Passende Musikstücke könnten von den SuS anschließend ausgesucht werden. Einige Quartette von Dmitri Schostakowitsch oder die emotionsgeladenen Stücke von Arvo Pärt würden u.a. auf meiner Playliste zur freien Auswahl stehen.
    Die mythologischen Sujets handeln oft von Zerstörung, Kampf und Tod, die Liebe endet manchmal auch in Trauer. Diese dramatischen Entwicklungen fesseln beim Lesen, sie faszinieren den Geist und berühren das Herz.

    14. Mai 2021
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  35. Asil Durmaz sagte:

    Es war klar, dass in diesen Beiträgen einer dabei sein wird, in dem der Begriff „Mythos“ thematisiert wird. Meiner Meinung nach ist es der Lieblingsbegriff von Frau Ziesmer und verbindet die Beiträge des Blogs wundervoll miteinander. Was bedeutet denn Mythos eigentlich für mich selbst? Es sind Erzählungen aus alter Zeit, in denen es um das Dasein der Menschen mit der Welt der Götter und Geister geht und diese miteinander verknüpft.

    Ich würde dies gerne auf meine eigene Art und Weise interptretieren. Für mich sind Mythen Geschichten, die es uns erlauben, ob wir sie für wahr oder unwahr halten. Man spricht von einem Mythos, wenn es keine Beweise dafür gibt, dass die Geschichten wahr sind. Doch nur weil es keine Beweise gibt, müssen sie ja nicht unwahr sein, oder?

    Wir kreieren unsere eigene Wahrheit und mit ihr begeben wir uns auf den Weg der Erkenntnis. Sie spiegelt sich in uns wider und hilft uns, zu werden, wer wir sein wollen. Die Poesie unterstützt uns dabei. Sie ist ein Mittel, um theoretisches- und praktisches Wissen in ein Bündnis zu legen und unsere Gedanken zu strukturieren und deuten zu können.

    Ich habe nun alle Beiträge auf diesem Blog gelesen, ja nicht nur gelesen… Ich habe über sie nachgedacht, über sie gelacht, sie kritisiert und sie gefeiert. Ich nehme so vieles mit für die Zukunft in der Schule. Der Blick tief in mich hinein ebnete mir den Weg zu der Erkenntnis, dass die Kinder der Schulen diejenigen sind, die mir sagen, ob meine Berufswahl die richtige ist. Und ich muss sagen, das ist sie!

    Ich bedanke mich sehr bei der Autorin für diese wundervollen Beiträge und wünsche allen, die das lesen oder auch nicht, alles Gute und vor allem viel Gesundheit in dieser Zeit!

    15. Mai 2021
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  36. Leyla Neumann sagte:

    Ich möchte gerne zwei Textstellen zusammenführen: „Der Mythos zeigt den Menschen nicht nur in seiner wünschenswerten Gestalt, er zeichnet das gesamte Bild, auch den Abgrund.“ Und die Frage: „Werden wir dadurch menschlicher, toleranter, weitfassender, mitfühlender?“
    Meine Antwort darauf lautet: Ja.
    Denn der Mythos präsentiert den Helden greifbarer, auch menschlicher (trotz teilweise göttlichen Fähigkeiten). Die Helden der Antike begehen auch große Fehler, lassen sich auch kopflos von ihren Gefühlen leiten, sind kein perfekter „Superman“ mit einer fiktiv kreierten und gewissermaßen überirdischen Schwäche. Schwächen gehören dazu! (An dieser Stelle verweise ich auch gerne auf meinen Kommentar zum Blogeintrag „Mut als methodischer Gegenstand“, wo ich noch einmal genauer darauf eingehe.)
    Und auch Dinge wie Neugier, Talent, Gier, Trauer, Selbstverliebtheit, Barmherzigkeit oder Ehrgeiz, sind Phänomene, die wir in uns wiederfinden können und die heutzutage noch genauso aktuell sind wie damals, wodurch die mythologischen Geschichten noch einmal greifbarer werden.
    Macht man diese Geschichten nun zum Unterrichtsgegenstand, so können die Kinder viel mehr daraus lernen als aus Geschichten mit glatten, abgerundeten Personen. 
Zudem haben Mythen ja auch immer etwas Phantastisches, was (nicht nur die Kinder) fasziniert. Ob es verwunschene Orte sind oder uns unbekannte Kreaturen, Mythen üben einen Zauber aus und vereinen im Kern viel von dem, worum es in diesen Blogbeiträgen geht.

    Um noch kurz auf den Kommentar von M. Tiedmann einzugehen: Ich kann mich auch noch an das Thema im GeWi- Unterricht erinnern. Leider bestand dieser bei uns lediglich daraus Powerpoint Referate zu verschiedenen antiken Gottheiten zu erarbeiten und zu präsentieren. Das Einzige, das ich davon behalten habe, ist, dass meine Gruppe die Göttin Demeter vorstellte. An den Inhalt unseres Referats geschweige denn den anderen Gruppen kann ich mich kein bisschen mehr erinnern. Und ich finde das unglaublich schade, da ich das Thema an sich sehr spannend finde und man als Lehrkraft so viel mehr damit hätte machen können. Ich selbst werde später zwar vermutlich kein GeWi unterrichten, kann mir aber gut vorstellen Mythologie auch zum Gegenstand des Deutschunterrichts zu machen und hoffe die Kinder so verzaubern und begeistern zu können.

    7. Juni 2021
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  37. Salina S. sagte:

    Als Kind fand ich Mythen, Sagen und Legenden spannend und faszinierend, dieses Bild änderte sich im Laufe der Zeit. Heute stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich an die Begriffe denke. Im Deutsch LK behandelten wir Mythen der griechischen Antike wie König Ödipus mit einer Trockenheit und Einseitigkeit, wie ich sie in meiner Schullaufbahn nur selten erlebte. Aus diesem Grund stand ich dem Mythos als methodischen Gegenstand sehr skeptisch gegenüber. Meine Vorbehalte lösen sich (leider) auch nicht gänzlich durch Ihren Blog-Eintrag, doch ich erkenne nun die bildende Chance die Mythen in sich tragen.

    Mythen handeln von Themen, welche man zunächst nicht mit Kindern in Kontakt bringt. Ja es geht um Themen, welche man Kindern oft verschweigt oder sie von ihnen fernhält. Diese Herangehensweise, wie sie auch Schreier in seinem Zitat beschreibt, halte ich für ungerecht. Warum soll man Kindern die Welt, in der sie leben vorenthalten, sie in Watte verpacken oder alles durch die Blume erklären? Natürlich halte ich einen sensiblen Umgang mit solch empfindlichen Themen wie dem Tod für unbedingt notwendig. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass wir Kindern solche Lebensbereiche zutrauen und ihnen diese nicht vorenthalten sollten. Durch die Berührung mit diesen Themen, insbesondere in sicheren schulischen Kontexten, trainieren Kinder ihre Urteilsbildung, sie positionieren sich und diese Form der Selbstfindung ermöglicht Prozesse der Selbstermächtigung. Sie stellten die Frage ob und welchen Einfluss Mythen auf unsere Menschlichkeit und Toleranz haben. Meiner Meinung nach eröffnet der Mythos in diesem Punkt eine Vielfalt an Möglichkeiten, denn neben der Stimulation der eigenen Urteilfähigkeit, regt er die Imaginationskraft von Schüler*innen an. Phantasie, Kreativität und Imaginieren gehen für mich mit Perspektivübernahme einher und eben dieser Prozess wirkt sich positiv auf emotional-soziale Kompetenzen wie Empathie aus. Neben Möglichkeiten der Individualisierung beschäftigt sich der Mythos jedoch auch mit zentralen, gesellschaftlichen Fragestellungen. Denn der Aufbruch zur Dimension der zentralen Fragen, wie Sie ihn beschreiben, ist zukunftsweisend. Stelle ich mir die Frage „wo wir herkommen“ führt das unweigerlich zu der Frage „wo wir hinwollen“.

    Der Mythos und mythische Poesie trägt somit sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene ein großes Potential in sich. Es muss nur der Raum gegeben sein, damit sich dieses Potential entfalten kann und das setzt voraus, dass auch wir Lehrkräfte unseren Vorbehalten begegnen. Ich werde mein Bestes geben!

    8. August 2021
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