Der Traum als methodischer Gegenstand

‚Und die Seele unbewacht….‘ (Hesse)

Seele

  • Ich persönlich halte Traum und Traumgeschehen für wesentliche Daseinsaspekte.
  • Der Traum begleitet uns, führt uns durch die Räume unseres Seins und starkfarbige, intensive Traumesbilder wären ein berauschender finaler Ausklang.
  • Eine tiefe Perspektive eröffnen die Zeilen von Hermann Hesse. Es ist die 3. Strophe des Textes ‚Beim Schlafengehen‘. Schon die ersten beiden Strophen sind sehr kontemplativ, fast eine Meditation. Hören Sie: Nun der Tag mich müd gemacht…
  • Aber die 3. Strophe, die ich sehr liebe, durchbricht alle Mauern beengter irdischer Existenz.
  • Hesse: Und die Seele unbewacht will in freien Flügen schweben, um im Zauberkreis der Nacht tief und tausendfach zu leben.
  • Die Frage liegt nahe: Was erlebt deine Seele tief im Traum. Was traut sie sich? Und erst der Zauberkreis! Ein großes Bild.
  • Hören Sie jetzt die Kinder (4., 5. Klasse): David: ‚Je tiefer die Seele in den Traum hineingeht umso näher kommt sie dem Zauberkreis‘. Sina: ‚Ich fliege im Traum weiter hinaus als ich war. Ich habe keine Angst mehr‘. Özgür: ‚Ich erlebe alle Sachen, die ich mich nicht traue. Ich tanze den Bauchtanz obwohl er angeblich nur für Mädchen ist‘. Ecce: ‚Ich schwimme, ich habe keine Angst mehr vor dem tiefen Wasser‘. Havva: ‚Ich träume, dass es mir endlich egal ist, was die Anderen denken. Im Zauberkreis bin ich Havva, schön, unverwechselbar und endlich frei‘.
  • Lassen wir uns doch Aufrütteln von den Kindern. Hey, es gibt noch mehr als das Leben zu organisieren und es zu verwalten. Träume, tiefe Gedanken, der Knall der eigenen Existenz.
  • Und jetzt noch James: ‚Ich habe im Sachunterricht etwas über Theresienstadt gehört. Die Menschen dort mussten ja in den Zauberkreis fliehen, Anne Frank, denke ich, musste es auch. Man kann ja nicht immer nur an sich und die eigenen Träume denken‘.
  • – – –
  • Ein weiteres Traumbild kann eine weltanschauliche, gesellschaftsrelevante Dimension erlangen. Mignons Lied (Goethe).
  • Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
    Im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn,
    Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
    Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
    Kennst du es wohl?
    Dahin! Dahin
    Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
  • Es fängt harmlos an. Kennst du das Land wo die Zitronen blühn… ? Die Goldorangen glühen, der Wind ist sanft. Man möchte mit einer geliebten Person dorthin. Es ist das Sehnsuchtsland Italien von dem Goethe träumt.
  • Wie stellen wir uns das Land unserer Träume vor? Zeichnen oder schreiben wir: Das Land meiner Träume
  • Zunächst träumen die Kinder (und wir) von einem Land mit tollem Wetter, gutem Essen, sanften Hügeln, mit Meer, Palme und schönen Menschen. Von einer Gesellschaft ohne Streit, Harmonie allenthalben etc.. Beim aufmerksamen Nachdenken wird uns klar, dass dies alles schnell sehr sehr eintönig werden kann. Wir brauchen den Wechsel, die Sonne, die auf den Regen folgt. Wir müssen auch Konflikte zulassen können, diese jedoch in einer aufgeklärten Kultur des Streitens ausüben. Was wäre, wenn wir alle das Gleiche wollen würden? Lesen Sie hier.
  • Mignon_grundschule
  • Kombinieren Sie doch einmal die zunächst weichgespülten Traumbilder mit dem Herrn der Fliegen (Golding). Da fängt auch alles erst super an. Eine Insel im pazifischen Ozean, Freiheit, keine Erwachsenen, Süßwasser, Lagune, Früchte, alles da. Und dann?
  • Mignons Lied und Herr der Fliegen

 

 

 

 

 

 

 

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