Der Umgang mit der Gruppe

„Leben wie ein Baum, einzeln und frei, und brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht“ (Hikmet).

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  • Jeder Schüler und jede Schülerin muss das Gefühl haben, von Ihnen wahrgenommen worden zu sein.
  • Diese Wahrnehmungsfähigkeit ist die eigentliche ‚ars legendi‘.
  • Sie dürfen nicht den Fehler machen, nur die Oberfläche der Schülerpersönlichkeit wahrzunehmen.
  • Sie müssen es schaffen, hinter die Fassade zu blicken.
  • Das bedeutet im Einzelnen, dass Sie im Macho Zartheit erkennen, in einer schüchternen Person den Löwen entdecken und den Menschen mit Förderbedarf den Mut verleihen, der sie zu Großem anspornt.
  • Das gelingt Ihnen nur, wenn Sie es schaffen von ihrer eigenen Person und Befindlichkeit abzusehen.
  • Sie müssen sich auf Besonderheiten des Einzelnen und der Gruppe einlassen.
  • Junge Leute merken, ob es Ihnen darum geht, sich selbst zu inszenieren (z.B. als jung, modern, sexy, verständnisvoll, kumpelhaft…) oder ob Ihre Sinneskanäle auf ‚Empfang‘ gestellt sind.
  • Sie werden es Ihnen danken, wenn sie merken, dass Sie sich wirklich für sie als Menschen interessieren, für jeden einzelnen und für die Gruppe insgesamt.
  • Seien Sie charmant und zuvorkommend.
  • Eine vorgelebte, ehrliche Höflichkeit kommt mit Sicherheit zu Ihnen zurück.
  • Lassen Sie Esprit und ‚Spirit‘ aufkommen.
  • Trainieren Sie Reaktionen. Rufen Sie einen Schüler nicht fünf Mal hintereinander beim Namen.
  • Üben Sie mit der gesamten Klasse heiter aber konsequent, dass Sie, wenn Sie einen Namen rufen, die Augen des Betreffenden sehen möchten.
  • Wenn Sie Gruppen bilden, empfiehlt sich eine Vorüberlegung von Ihnen.
  • Spontan von den Schülern gebildete Gruppen können, wenn die Lerngruppe eingespielt ist, hervorragend funktionieren.
  • In anderen Fällen ist es Ihre Aufgabe, Gruppen so zusammenzustellen, dass sich jedes Mitglied emotional sicher fühlen kann.
  • Das gilt auch für die Auswahl eines Gruppensprechers oder einer Gruppensprecherin.
  • Und vermeiden Sie Fragen wie: Warum hast du das getan? Oder: Was hast du dir dabei gedacht?
  • Können Sie immer genau erklären warum Sie etwas so und nicht anders getan haben? Eben!

Bildquelle: www.etsy.com

Hinweis:

Interview mit Dr. Marion Ziesmer, Dozentin für Grundschulpädagogik an der FU Berlin, rbb24, Panorama, 03.09.2017

„Es ist unsere Aufgabe, die Kinder glücklicher zu machen“

Erziehung ist kein Kinderspiel. Viele haben Angst, dass aus ihren Kindern kleine Tyrannen und unsoziale Einzelkämpfer werden. Was ist eigentlich das Problem? Marion Ziesmer, Erziehungswissenschaftlerin an der Berliner FU, sieht die Gesellschaft in der Pflicht.

Weiterlesen…:

http://www.rbb24.de/panorama/thema/2017/kindererziehung/beitraege/interview-dozentin-fuer-grundschulpaedagogik-.html

7 Kommentare

  1. Miss G. mit Brille sagte:

    Danke für die praxisorientierten Beispiele!
    Wer oder was aber verbirgt sich eigentlich hinter diesem Pseudonym „Sis Pied de la Zirbe“????
    Ich hätte da noch einen Tipp zur Bildung von AG hinzuzufügen: Hast du ein Whiteboard in deiner Klasse gib http://classtools.net/main_area/fruit_machine.swf ein und dort (vorab) die Namen deiner Schüler. Anschließend starte den „Einarmigen Banditen“ und du wirst eine Überraschung erleben: Die Kids respektieren die ausgewürfelte Gruppenzusammensetzung ohne weitere Diskussionen!

    7. Dezember 2015
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  2. Rolli sagte:

    Einer Refendarin gab ich neulich den Tipp: Geben Sie jedem Ihrer Schüler in jedem Moment des Unterrichts das Gefühl, dass Sie ihn wahrnehmen!
    Kurze Zeit später kam das Feedback: Die Kollegin war komplett niedergeschlagen, denn sie war von einer anderen Anleiterin angefahren worden, sie solle nicht immer wie ein Raubvogel in der Klasse hin und hersehen.
    Ja, ja, wie mans auch macht…

    9. Dezember 2015
    Antworten
  3. Florian Wa. sagte:

    Ich glaube, dass es wichtig ist, jedem Kind die Möglichkeit zu geben, dass es besonders ist und auch wertgeschätzt wird. Ich glaube jede Lehrerin und jeder Lehrer kennt das Problem, dass einem manche Kinder vielleicht sympathischer sind. Dieses denken muss aber „ausgeschaltet“ werden. Bei den Kindern, welche einem vielleicht nicht sympathisch sind, muss die Sympathie gesucht werden. Jedes Kind hat es verdient, etwas Besonderes zu sein und Anerkennung zu bekommen.
    Möglicherweise wirkt ein Kind auf eine Lehrperson nicht charmant, weil es ständig laut ist. Meiner Meinung nach sollte dann der Frage nachgegangen werden, warum dieses Kind soviel Aufmerksamkeit braucht. Sobald einem das gelingt, dann wird man auch anfangen, dieses Kind sympathisch zu finden.
    Natürlich ist es nicht möglich, dass von heute auf morgen zu können. Nichtsdestotrotz muss es geübt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Kinder die gleiche Chance haben und sich bestmöglich entwickeln.

    23. Mai 2018
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  4. VS sagte:

    Es ist natürlich wichtig jedem Kind das Gefühl zu geben, dass es wertgeschätzt wird.
    Ich glaube aber nicht, dass man im Unterricht auf jeden Schüler eingehen kann, da manche Lehrer ruhigere Schüler oder Schülerinnen sympathischer finden als z.B. jene die oftmals nur Krach und Stress machen.
    Trotzdem sollten Lehrer lernen ihr persönliches Empfinden zu einem Schüler außen vor zu lassen um diesem Schüler kein Gefühl von Vernachlässigung zu geben, denn meistens schafft diese Situation nur noch mehr zu Problemen im Unterricht und der Durchführung.

    4. Juli 2018
    Antworten
  5. Amrita C. sagte:

    Ich bin der Meinung , dass es durchaus möglich ist jeden einzelnen Schüler in der Klasse wahrzunehmen. Es geht dabei darum zu vermitteln, dass man weiss, wer mit einem im Klassenraum sitzt und man dessen Bedürfnisse im Blick hat. Der genannte praktische Hinweis zur gezielten Zusammenstellung von Gruppenmitgliedern während der Gruppenarbeitsphase ist dafür sehr wertvoll. Die Lehrperson selbst wird sich dabei bewusst, ob es ihr überhaupt möglich istj eden Schüler einzuschätzen. Ziel ist es, wie Sis Pied de la Zirbe bereits mehrmals in anderen Einträgen erwähnt hat, die Schüchternen zu ermutigen und die Lauten zu zähmen, also Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen die gewohnte Rolle zu verlassen. Dies vermittelt die Anerkennung der individuellen Wesenszüge der Schüler und hilft diese weiterzuentwickeln. Auch über das gezielte Aufgreifen einer vom Schüler gemachten Bemerkung, Antwort oder Aktion kann Wahrnehmung rückgemeldet werden. Wahrnehmen des Gegenübers bedeutet für mich dem anderen Raum zu schenken, aufmerksam Zuzuhören, Blickkontakt zu halten und die emotionalen Stimmung des Gegenübers zu erspüren. Diese Wahrnehmung ist frei von einer Beurteilung in gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm, denn in dem Moment, wo solche Gedanken entstehen der Aufmerksamkeitsfokus ja zurück zu mir selbst und weg vom Gegenüber geht.

    5. Juli 2018
    Antworten
  6. David sagte:

    Sehr gute Tipps für den Umgang mit Gruppen!
    Hinter die Fassade der SchülerInnen zu blicken mag zu Beginn nicht so einfach sein, doch mit der Zeit lernt man seine SchülerInnen immer besser kennen und es gelingt immer besser. Ein „Aha“ Erlebnis diesbezüglich hatte ich beim Unterrichten in einer „Problemschule“ in Wien, als plötzlich 14-jährige Schüler, welche normalerweise als „ignorant“ und „gewalttätig“ abgestempelt werden, Emotionen zeigten.

    12. Juli 2018
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  7. Richard.Luft sagte:

    Sehr gut!
    Nicht alle Lehrer schätzen den Kontakt, den sie zu den SuS aufbauen können.
    Es ist meiner Meinung nach aber sehr wichtig, den Menschen im Schüler oder der Schülerin zu sehen, und nicht nur das Ding, dem man etwas beibringen muss.

    12. September 2018
    Antworten

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