Das ‚rambling‘ der Lehre

Ziel einer Wanderung ist nicht ein topographischer Punkt am Ende eines Weges, sondern der Augenblick, wo die Pforten der Wahrnehmung sich weit öffnen und man eins wird mit dem Bild seiner Sehnsucht (Nooteboom).
weg nooteboom
  • Was haben Pilgerfahrten, Streifzüge, Weltenbummeln etc. mit der Kunst der Lehre zu tun?
  • Es die Suche nach Sinnhaftigkeit, der Wunsch nach Persönlichkeitsvollendung, das Interesse an anderen Kulturen Lebensformen und die Sehnsucht nach der Festigung innerer Werte (unabhängig von dem Ausleben einer Religiosität).
  • Begreifen wir das Unterrichten als eine gemeinsame Suche nach Erkenntnissen.
  • Nehmen wir die Kinder und Jugendlichen als gleichwertige Gesprächspartner war (das ist Wertschätzung und das bedeutet Augenhöhe und nicht die pseudodemokratische Auswahlfrage für einen Ausflug: Wollt ihr lieber bowlen oder schwimmen?).
  • Unsere Schüler*innen sind unsere philosophischen Gesprächspartner, denn die Suche nach Sinnhaftigkeiten ist nicht an ein bestimmtes Alter oder ein umfangreiches Vokabular gebunden. Sinnsuche ist als ein Prozess zu verstehen.
  • Weil der Wunsch entsteht, das Nachdenken über das Nachdenken nach und nach differenzierter zu gestalten, wird der Wortschatz beständig erweitert.
  • Beispiel: Warum ‚rambling‘?
  • Weil es das Fortschreiten eines Kommunikationsprozesses beschreibt. Schweifend betrachten wir die Welt und ihre Phänomene (Hegel), wir streifen Bedeutungen, bauen diese aus, vertiefen an den Stellen, an denen das Interesse am intensivsten ist und vor allem und noch einmal: Wir lernen voneinander.
  • Beispiel: In einer 5. Klasse hörten wir eines der 4 letzten Lieder von Richard Strauß. Titel: Beim Schlafengehen.
  • Letzte Lieder
  • Schlafen, Einschlafen, Erwachen sind Phänomene, die uns allen vertraut sind und uns täglich begegnen.
  • Der Text ist von Hermann Hesse: Nun der Tag mich müd gemacht… .
  • Wir berichteten uns gegenseitig unsere Einschlafmodalitäten und Cüneyt erzählte, dass er, wenn er wach liegt, mit der Wange eine kühle Stelle auf dem Kopfkissen sucht.
  • Niemand hat diesen Satz vergessen, auch ich nicht, und in langen Nächten suche ich mit der Wange… nun, Sie wissen schon.
  • So entsteht Verbundenheit, so wird die Errichtung von Hierarchien vermieden.
  • Zum Thema Erwachen: Es gibt eine Morgenszene mit dem Sams (Maar), es gibt Morgengebete (z.B. Eichendorff), es gibt ‚knallvergnügte‘ Morgende (Ringelnatz) und es gibt Brunhild.
  • Sie wurde von ihrem Vater Wotan in einen sehr langen Schlaf versenkt und von einer Feuerlohe umgeben. Sie erwacht, als der furchtlose Recke Siegfried sie wachküsst.
  • Sehen sie die Bildungschancen? Es tun sich Wege auf… bis hin zum Mythos. Und immer mit den Schüler*innen als Wegbegleitung.
  • Bildung ist nicht abzukoppeln als elitäres Gut, Bildung verhilft jedem von uns, sich klarer zu fassen und sich als Individuum facettenreich zum Ausdruck zu bringen.
  • Abschließend Wordsworth: I wandered lonely as a cloud… . Lesen Sie das Gedicht, hören Sie es, schmecken Sie es. Sie werden das Schweifen spüren, die wolkenleichte Faszination der Einsamkeit, das strömende Suchen und ganz am Ende werden sie tanzende Narzissen sehen und riechen.
  • Dieses Szenario sollte  jeden ambitionierten Unterricht bereichern!
Bildquelle: privat

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