Die Philosophie der Lehre

Von Humboldt definierte Bildung als „die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“.
humboldt
  • Bettina von Arnim: ‚Sich bilden, ist nichts anders, als frei werden‘.
  • Oberstes Ziel der Lehre ist die umfassende Bildung, die es dem Individuum erlaubt, frei zu denken, zu handeln, zu entscheiden.
  • In den Konzeptionen unserer Unterrichtsstunden sollte dieses Bildungsziel klar erkennbar sein.
  • Jede Lehrsequenz sollte umfassend gestaltet werden, damit sich ‚alle Kräfte‘ entfalten können. Es lernt ja nicht nur ‚the brain‘, Sinne, Emotionen, Träume etc. erweitern die Erkenntnisprozesse.
  • Nicht immer ist erkennbar, welchen direkten Nutzen das Bildungsereignis hat.
  • Sie merken schon, ich spreche nicht vom ‚Lernen‘. Der Begriff scheint mir zu eng.
  • Lauschen Sie Vladimir Horowitz während seines legendären Moskauer Konzertes. Sie hören aus den Kinderszenen von Robert Schumann die ‚Träumerei‘.
  • Horowitz, Träumerei, Moskau
  • Und jetzt schauen Sie bitte hier vorbei:
  • Träumerei privat
  • Was hat das private Klavierspiel mit der Philosophie, der Kunst der Lehre zu tun?
  • Zunächst einmal die Orientierung an Meisterinnen und Meistern eines Faches. Ein kleines Beispiel: Wenn ein Kind davon träumt, ein berühmter Fußballprofi zu werden, orientiert es sich ja auch nicht nur an den Spielen der Regionalliga, sondern…(richtig!).
  • Aber der Zusammenhang ist noch viel weitreichender und existentieller. Es ist das Alleszusammenfassende, welches unsere Persönlichkeit prägt, formt und definiert. Sie treten vor Ihre Lerngruppe mit der Gesamtheit all Ihrer Erfahrungen. Ihre Lehrtätigkeit ist kein abgekoppelter Bereich Ihres Persönlichkeitsspektrums, der nur für diese Profession existiert.
  • Es ist kurz zu sagen und dennoch von philosophischer Komplexität: Sie treten als Mensch vor Menschen.
  • Wenn Sie lieben, beten, tanzen, kochen, reisen, musizieren, Sport treiben, wandern oder segeln (vervollständigen Sie für sich diese Aufzählung), dann sind dies die Erfahrungen, die Sie zu einem unverwechselbaren Individuum machen.
  • Peter Bieri: „Von den tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache. Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen, die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und seine Melodie geben.“
  • Je differenzierter wir unsere Erfahrungen zur Sprache bringen können, desto freier wird das Denken und damit unser Handeln.
  • Kinder, die noch nicht so abgeschliffen sind wie wir, merken ganz genau, wer vor ihnen steht. Sie können zwischen anbiedernder Unsicherheit, orientierungslosem Angepasst sein und sinnsuchender Aufrichtigkeit ganz genau unterscheiden.
  • Bilden Sie sich also im humboldtschen Sinne weit gefächert aus; Sie werden freier, souveräner und verzeihender vor Ihren Lerngruppen stehen.
  • Warum verzeihender? Weil Sie den steinigen Weg der Suche nach tiefen Erkenntnissen beschreiten, den die jungen Menschen noch vor sich haben.
  • Sie werden gemeinsam ‚rambeln‘, Hierarchien werden entbehrlich.
  • Gleiches gilt für die Erwachsenenbildung. Zum Abschluss vielleicht noch ein Blick auf diese Seite:
  • Gesichter der Lehrkräftebildung FU Berlin

 

Bildquelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/250-geburtstag-wilhelm-von-humboldts-so-viel-weibliches-in-mir/19887560.html

Ein Kommentar

  1. Katja Walzer sagte:

    Peter Bieri: „Von den tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache. Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen, die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und seine Melodie geben.“

    Großartig! und sehr berührt und verzaubert von diesem Beitrag:

    Das ist doch der Grund weshalb wir tun was wir tun. Wir können nicht nur von unseren Schülerinnen und Schülern fordern sich breit zu bilden, sondern müssen auch bereit sein uns selbst stetig weiterzuentwickeln. Das ist es doch, was unser Leben ausmacht. Wenn wir uns darauf einlassen uns so breit wie möglich zu bilden und das aus unserem eigenen Interesse heraus, wird es uns Lehrenden erst möglich sein die Kinder zu begeistern, mit ihnen für etwas zu brennen.

    2. Februar 2020
    Antworten

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