Die Kunst der Lehre

Bilde, Künstler, rede nicht (Goethe).

maestra

  • Lehren ist die umfassende Ausübung einer anspruchsvollen Kunst. Es ist mehr als die Kunst der Rhetorik.
  • Nur zur Erinnerung: Während wir die Sprache nach linguistischen Aspekten untersuchen, galt die Sprachbetrachtung in der Antike als Kunstform.
  • Stellen Sie den Wunsch umfassende, identitätsstiftende Bildung zu vermitteln über die Methodik Ihrer Lehre.
  • Gerade den Berufsanfänger*innen sei gesagt: Wie in jeder Kunst bedarf es auch hier der Geduld und der Übung.
  • Bilden Sie Ihre ureigenen Werte, prägen Sie eine individuelle Haltung aus.
  • Seien Sie bereit, Ihre Person zu dekonstruieren. Suchen Sie die Fehler nicht bei anderen.
  • Reden Sie nicht, wie Goethe sagt, bilden sie.
  • Vielleicht hilft ein Vergleich mit der Musik.
  • Sehen Sie sich als Dirigent*in eines großen Orchesters.
  • Stellen Sie sich vor, Sie möchten mit diesem Corpus ein Werk zum Erklingen bringen, welches Sie sehr lieben. (Die Liebe zum zu vermittelnden Gegenstand ist meiner Meinung nach unabdingbar).
  • Ihr Anliegen ist es nun, dem ausgewählte Werk einen bestmöglichen Klang zu verleihen.
  • Sie rufen einzelne Stimmen auf, Sie proben Details, Sie fügen zusammen, Sie legen Pausen ein. Sie optimieren, Sie gestalten, Sie folgen dem Wunsch eines großen Zusammenklanges.
  • Mit Ihrem ehrlichen Ziel, etwas Großes schaffen zu wollen, reißen Sie mit, inspirieren Sie, rütteln Sie auf.
  • Ihre Eitelkeiten verschwinden, Ihre Person wird zu einem Medium.
  • Sprache, Gestik, Mimik, Intonation, Impulse…alles dient der Vervollkommnung des Gemeinschaftswerkes.
  • Sie können die Gruppen, die sie unterrichten, mit einem Orchester vergleichen. Als Dirigierende brauchen Sie jede Stimme. Als Lehrer*in ebenso.
  • Und diese so vollendet wie es möglich ist. (Dieser Gedanke ist nicht elitär, es gilt, Talente zu heben).
  • Am Ende steht das Gemeinschaftserlebnis, zu dem alle beigetragen haben.
  • Lassen Sie sich und Ihrer Gruppe Zeit auf diesem Weg. Seien Sie geduldig, nachsichtig, auch verzeihend. Wichtig ist, dass Sie mit ‚passione‘ Ihren Gestaltungswunsch senden.
  • Wichtig ist der Funke, der überspringen muss.
  • Denn: ohne Ihr Orchester sind Sie wertlos als Dirigent.
  • Und: was wären wir Lehrende ohne die Lerngruppe?

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: https://www.torial.com/carolin.kueter/portfolio/392991

4 Kommentare

  1. J. Oppelt sagte:

    Dieser Blog spricht mir aus der Seele. Wir sind „nur“ ein Werkzeug zwischen der Bildung, die wir mit Leidenschaft vermitteln sollen/wollen und den Kindern. Das Bild vom dem Orchester finde ich sehr ansprechend. Die Kinder brauchen uns als ihre Dirigenten und wir müssen immer an uns arbeiten diese Rolle entsprechend auszuüben. Noch sind wir Rohdiamanten, die noch geschliffen werden von den Kindern und so lernen wir von den Kindern und die Kinder lernen von uns. Wir als Grundschulpädagogen haben eine große Verantwortung und sollten uns dieser bewusst sein, denn wir formen die Kinder mit.

    5. Juni 2019
    Antworten
  2. Alex sagte:

    Sehr schön geschrieben. Wir als Pädagog*innen geben den Takt vor und passen die Geschwindigkeit an und die Kinder als Orchester können dem voller Leidenschaft folgen. Ich wette den Kinder würde die Vorstellung gefallen, wenn sie beim lernen, lesen und murmeln Geräusche wie ein Instrument machen würden. Das erinnert mich an Peter und der Wolf… ohh ich schweife ab, aber die Idee der Musik ist sehr schön. :)

    21. August 2019
    Antworten
  3. Jakoba sagte:

    Schöne Metapher mit dem Orchester!
    Auch wichtig, der Hinweis, dass es nicht elitär ist sondern, dass es darum geht Talente zu heben! Danke!!

    29. August 2019
    Antworten
  4. Clarissa B. sagte:

    Der Vergleich der Sprache und der Sprachwirkung mit der eines Orchesters ist mehr als zutreffend. Berührt hat mich besonders die Aussage, der Dirigent rufe nur die einzelnen Instrumente auf, er kontrolliert sie nicht. Es ist zu vergleichen mit der Stimme eines Menschen die so einzigartig ist und ihren eigenen Klang hat. Es geht darum diese einzelnen so individuellen Stimmen bzw. Meinungen und Charaktere zu einem Gesamtstück zusammenzufassen, es ist in der Tat ein Zusammenspiel und kein Solo.

    2. September 2019
    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *