Die Revolution der Persönlichkeit

„Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren“ (Seneca).

Revolution der Persönlichkeit

  • Aus der Begegnung mit Literatur kennen wir das Phänomen des Berührtseins, des Aufrüttelnden, des Wunsches nach radikaler Veränderung.
  • Die russische Autorin Ludmilla Ulitzkaja beschreibt in ihrem Roman ‚Das grüne Zelt‘ das Phänomen einer ‚Revolution der Persönlichkeit‘, eines inneren Umsturzes, der ‚moralische Initiation‘ bewirkt.
  • Dazu allerdings braucht es einen ‚Initiator‘, einen Pädagogen oder eine Pädagogin.
  • In Ulitzkajas Roman ist es ein russischer Literaturlehrer, der seine Schüler durch die Begegnung mit der großen Poesie des Landes zu mündigen, urteilsfähigen Menschen heranbildet.
  • Dieses im Kant’schen Sinne mündig werden, kann aber auch über andere tiefgehende Ereignisse stattfinden.
  • Die seelentiefe Berührung mit einem Menschen, ein Musikstück, ein Film, ein Theaterstück, ein Gemälde, ein Foto, ein Naturerlebnis, ein soziales Gemeinschaftsprojekt, ein Schicksalsschlag….
  • Kurz: Alles, was uns tief und wahrhaftig berührt. Ohne die Seichtheit üblicher Sentimentalitäten, die nicht mit echten Empfindungen verwechselt werden dürfen.
  • Der Begriff der Ästhetik muss wieder umfassend in unser Verständnis eingehen. Es gibt nicht nur das Schöne, ergänzend tritt das Erhabene, Verstörende hinzu.
  • Dabei sollten wir auch das Irrationale zulassen.
  • Tristan liebt Isolde. Trotzdem führt er sie seinem König als Braut zu. Warum? Er weiß es selber nicht. Es ist der Beginn eines ergreifenden Seelen- und Liebesdramas.
  • Fragen wir also nicht nach dem ‚warum‘. Nicht immer gibt es plausible und nachvollziehbare Erklärungsmuster.
  • Haben wir den Mut, Widersprüchliches stehenzulassen und Unerklärliches als offenen Denkprozess zu begreifen.
  • Verlassen wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Pfade des Mainstreams und streben mit Hilfe der Urteilskraft ein Lebensglück an, das nicht von den Massenmedien suggeriert wird sondern als eigenständiges Ergebnis selbsttätiger Entwicklungsprozesse zu lesen ist.

 

Bildquelle: http://contemporarythinkers.org/hannah-arendt/book/revolution/

2 Kommentare

  1. Amrita C. sagte:

    Letzte Woche bot sich mir im Rahmen eines besonderen Seminars die Möglichkeit am eigenen Leibe zu erfahren, auf welche methodische Weise und mit welch tiefgehendem Effekt eine solche „Revolution der Persönlichkeit“ im schulischen oder universitären Kontext initiiert werden kann. Zunächst braucht es wohl Mut. Den Mut des Initiators oder der Initiatorin bestehende Vorstellungen von Unterricht umzuwälzen und weiterzuentwickeln. Den Mut sich frei gegen bestehende und gängige Arbeitsweisen zu entscheiden und Ausschau nach neuer Struktur zu halten. Bereits dieser Mut der Lehrperson ermutigt die Lernenden sich ebenfalls neu auszurichten und sich auf die eigene Entwicklung einzulassen. Dies mag banal und einfach klingen doch nicht jeder möchte sich eine Entwicklung zumuten, denn sie beinhaltet am Anfang des Weges oft Instabilität und verursacht dadurch Verunsicherung. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass dieses Verlassen von Festigkeit, instabil und wieder formbar werden völlig normaler und auch nötiger Prozess für das Verändern und Revolutionieren der eigenen (Persönlichkeits-)form ist. An diesem Punkt im Seminar schien mir die wohlwollende, dem/der sich Entwickelnden Zeit und Raum gebende innere Haltung der Lehrperson besonders zuträglich. Sie begleitete die Neuausrichtung still und aufmerksam, zeigte sich aber auch durch aktive Hilfestellung in Form unterstützender Worte, sofern diese benötigt wurden. Zu solchen Situationen in denen Unterstützung benötigt wird, kann es durchaus kommen und es ist hilfreich als Lehrperson darauf vorbereitet zu sein, denn diese Entwicklung wird, wie Sis Pied de la Zirbe bereits erwähnt hat, nicht nur durch Schönes, sondern oft auch durch intensiv Berührendes wie z.B. Schicksalsschläge eingeleitet. Hier zeigte sich, ebenfalls bereits durch Sis beschrieben, der Begriff der Ästhetik – das Ansprechende – gerade auch das Traurige spricht mit uns und berührt uns. Auch diese Erkenntnis festigte sich im und nach dem Seminar: Die bewusste Offenheit für die natürliche Integration gängiger Tabuthemen wie z.B. Tod und Ängste machen den Unterricht zu einem Raum, der die wahre Realität abbildet und so Lernen für die Aufgaben des Lebens ermöglicht. Das Seminar wird in prägender Erinnerung bleiben und in Zukunft mit Sicherheit als Inspiration für die eigene Lehrtätigkeit dienen.

    8. September 2018
    Antworten
  2. Richard.Luft sagte:

    So wie ich das Zitat verstehe, sagt es aus, dass man als Lehrkraft immer wieder mit neuen Ideen und Methoden vor die Klassen treten soll, da sich die einzelnen Schüler, genau so wie die Lehrmethoden, von Tag zu Tag verändern.

    ich finde, dass es ein sehr inspirierendes Zitat ist, welches mich als angehenden Lehrer dazu anreizt mir neue Konzepte und Methoden zu überlegen.

    12. September 2018
    Antworten

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