Das Unsterbliche

„Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren“ (Seneca).

Das Unsterbliche

  • Seien Sie sich ständig der großen Verantwortung bewusst, die dem Lehrberuf immanent ist.
  • Sie werden prägend für das ganze Leben eines Menschen sein.
  • Und das Wichtigste ist daran: Es kann positiv und bestärkend sein, aber, wie wir alle wissen, gibt es auch fatale, destruktive Prägungen.
  • Seien Sie zunächst einmal kritisch mit sich selbst.
  • Reflektieren Sie sich unter dem Blickwinkel der Wahrhaftigkeit.
  • Was an Ihnen ist Show und welche Seiten von Ihnen sind die unangestrengten und tiefehrlichen?
  • Zeigen Sie moralische Haltung, diese ist wichtiger als die korrekte Wortwahl oder das angestrengte Bemühen um 100%ige Gerechtigkeit.
  • Seien Sie charakterlich unbestechlich. Machen Sie deutlich, dass Sie zwischen Schleim und Zuneigung unterscheiden können.
  • Stärken Sie die Unsicheren und zähmen Sie die Verwöhnten und Selbstgefälligen.
  • Wenn Sie die Seelen ihrer Schüler*innen berühren wollten, dann tun Sie dies mit der größtmöglichen Authentizität.
  • Nur so können Momente entstehen, die in ihrer Tiefe und Bedeutsamkeit weit über Gesagtes oder miteinander Erlebtes hinausreichen.
  • Intensive Stimmungen schreiben sich in den Körper ein und werden zum Habitus.
  • So begleiten die von Ihnen evozierten Emotionen die Schüler*innen ein Leben lang, weit länger also, als Ihr eigenes währt.

 

Alles ist eitel  (Gryphius)

Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reist jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

Was itzt so prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was itzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t.
Noch will was ewig ist kein einzig Mensch betrachten!

 

 

Bildquelle: https://archive.org/services/img/dieunsterblichke00arno

9 Kommentare

  1. Florian Wa. sagte:

    Gute Punkte, welche sich Lehrpersonen zu Herzen nehmen sollten. Ich glaube, dass gerade die Reflektion sehr, sehr wichtig ist. Gerade diese wird nach mehrjähriger Unterrichtserfahrung vernachlässigt, da vieles zur Routine wird. Darüber hinaus sollte man immer offen für neue Ideen sein, welche den Unterricht verbessern könnten.
    Diese Punkte sollten sich Lehrpersonen jedes Semester durchlesen, um somit an sich zu arbeiten.
    Das Gedicht von Gryphius beschreibt die Vergänglichkeit des Irdischen. Niemanden ist es möglich, ewig zu leben. Somit sollte die Zeit sinnvoll genutzt werden. Gerade Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit, die Welt der Kinder in positiver Weise zu verändern.

    14. Mai 2018
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  2. Havva T. sagte:

    Die Berührung !
    Die Seelen berühren können ist das Wesentliche. İch finde das ist eine Kunst, die nicht leicht zu machen ist. Muss man dafür begabt sein? Kann man es erlernen oder durch jahrelange Übungen erlangen? Meiner Meinung nach waere das Lehren ohne dieses Kunst wie eine Gemaelde ohne Farbe. Der Mensch sollte mit Farbe ein seelisches Miteinander ermöglichen. So wird ein „Regenbogen“ die Welt umarmen.

    21. Juni 2018
    Antworten
    • Danke Havva! Ich denke, das kann jeder Mensch, der ein Gespür für Schwingungen zulässt. Abstand von sich selbst und tiefe Wahrnehmung des Anderen.

      22. Juni 2018
      Antworten
  3. Amrita C. sagte:

    Moralische Wahrhaftigkeit! Diese Aufgabe kann Menschen zuweilen überfordern, aber nur Mut! Ich kann Sis Pied de la Zirbe nur Zustimmen. Es Bedarf insbesondere der Selbstreflexion und zwar nicht in erster Linie dessen, was man tut, hingegen vielmehr wie man es tut und aus welchen Beweggründen. Der Lehrfokus liegt somit nicht nur auf der Vermittlung von Bildungsinhalten im Sinne von in Tests und Klausuren abfragbaren Wissens, sondern im Sinne von Unterstützung der Ausbildung eines sich selbst wertschätzenden und sich vertrauendenden jungen Menschen. Der Proviant für die Lebensreise dieses Menschen ist im besten Fall ein mit zahlreichen positiven Erfahrungen gefülltes Beutelchen. Meine Aufgabe als begleitende Lehrperson sehe ich neben der Vermittlung von Fachwissen also auch darin, dieses Beutelchen mit Bedacht und Aufmerksamkeit zu füllen.

    4. Juli 2018
    Antworten
  4. VS sagte:

    Wenn Sie die Seelen ihrer Schüler*innen berühren wollten, dann tun Sie dies mit der größtmöglichen Authentizität.

    Diesen Punkt sollten viele Lehrer*innen verinnerlichen. Mir ist kein einziger Unterricht aus meiner Schulzeit wirklich im Kopf geblieben da die Lehrer meiner Meinung nach nie wirklich aus tiefster Überzeugung vor der Klasse standen. Es gab einfach keinen Lehrer oder eine Lehrerin die mir wirklich die „Augen“ öffnete oder mich überzeugen konnte. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich eine ganz neue Form vom Unterrichten in der Uni erleben, bei einer bestimmten Dozentin. Man merkt es bei ihr einfach, dass sie es aus Leidenschaft tut und eine sehr ehrliche Art hat und das spüren auch die Kommilitonen, weshalb ihr Kurse oft regelrecht überfüllt sind. Solche Dozenten oder Lehrer prägen die Schul- und Unizeiten bzw. das Leben.

    6. Juli 2018
    Antworten
    • VS! Die besagte Dozentin wird sich aufrichtig geehrt fühlen! Ein sehr persönlicher Beitrag, der die Notwendigkeit der Intensität aufzeigt!

      12. Juli 2018
      Antworten
  5. David sagte:

    Sehr gute Punkte. Ich denke auch, dass Authentizität ist als Lehrperson unumgänglich ist. Kinder haben die Fähigkeit Ausgesetztheit sofort zu entlarven. In meiner Schulpraxis konnte ich dies beobachten. Ich musste Schülerinnen für etwas disziplinieren, wohinter ich gar nicht stand. Die Kinder erkannten sofort, dass dies nicht mein wahres Ich war.

    12. Juli 2018
    Antworten
  6. Michael R. sagte:

    Ist die Unsterblichkeit nicht in jedem von uns, durch unser Handeln, gegeben? Gerade das Lehrerdasein ist von einer persönlichen Unsterblichkeit durchzogen. Noch heute kann ich mich an viele meiner Lehrer erinnern. Manche sind in meinem tiefsten Empfinden mit einer Unsterblichkeit bedacht, die sich auf schöne und gute Erinnerungen zurückführen lassen. Andere … wir wollen es so benennen … haben einen anderen Stellenwert der Unsterblichkeit erreicht.
    Wir müssen uns zu jeder Sekunde bewusst sein, was wir für Lehrkräfte sein wollen. Wollen wir unseren Schülern Momente schenken, in denen wir sie im tiefsten ihrer Seele ergreifen und Identifikation schaffen, oder wollen wir die Käseglocke sein, welche sich allumsorgend um das Individuum schließt und ein Kontinuum erschafft, in dem Entwicklung und Entfaltung manchmal erdrückend eingeschränkt sind. Denn, wenn wir uns selber reflektieren und definieren, dann können auch wir Lehrer es schaffen unsterblich zu werden.

    16. Juli 2018
    Antworten
    • Ganz ganz großartig! In Stil und Nachdenklichkeit ein Genuss. Vor allem das Reflektieren über das eigene Selbst. Unabdingbar.

      17. Juli 2018
      Antworten

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