Das Unsterbliche

Exactly for the sake of what is new and revolutionary in every child, education must be conservative; it must preserve the newness and introduce it as a new thing into an old world [ … ] (Arendt).

Das Unsterbliche

  • Seien Sie sich ständig der großen Verantwortung bewusst, die dem Lehrberuf immanent ist.
  • Sie werden prägend für das ganze Leben eines Menschen sein.
  • Und das Wichtigste ist daran: Es kann positiv und bestärkend sein, aber, wie wir alle wissen, gibt es auch fatale, destruktive Prägungen.
  • Seien Sie zunächst einmal kritisch mit sich selbst.
  • Reflektieren Sie sich unter dem Blickwinkel der Wahrhaftigkeit.
  • Was an Ihnen ist Show und welche Seiten von Ihnen sind die unangestrengten und tiefehrlichen?
  • Zeigen Sie moralische Haltung, diese ist wichtiger als die korrekte Wortwahl oder das angestrengte Bemühen um 100%ige Gerechtigkeit.
  • Seien Sie charakterlich unbestechlich. Machen Sie deutlich, dass Sie zwischen Schleim und Zuneigung unterscheiden können.
  • Stärken Sie die Unsicheren und zähmen Sie die Verwöhnten und Selbstgefälligen.
  • Wenn Sie die Seelen ihrer Schüler*innen berühren wollten, dann tun Sie dies mit der größtmöglichen Authentizität.
  • Wählen Sie die Lerninhalte überaus sorgfältig aus.
  • Schauen Sie auch in den tiefen Brunnen der Vergangenheit (Thomas Mann).
  • Es gibt sie, die Unsterblichkeit der Künste. Nur ein Beispiel:
  • Beethovens 9. Sinfonie berührt über Kontinente (vgl. den Film Kinshasa Symphony  aus dem Jahr 2010, der im Kongo gedreht wurde. Das Kinshasa Sinfonieorchester probt unter anderem „Freude, schöner Götterfunken“).
  • Es können Momente entstehen, die in ihrer Tiefe und Bedeutsamkeit weit über Gesagtes oder miteinander Erlebtes hinausreichen.
  • Intensive Stimmungen schreiben sich in den Körper ein und werden zum Habitus.
  • So begleiten die von Ihnen evozierten Emotionen die Schüler*innen ein Leben lang, weit länger also, als Ihr eigenes währt.

 

 

 

 

Bildquelle: https://archive.org/services/img/dieunsterblichke00arno

29 Kommentare

  1. Florian Wa. sagte:

    Gute Punkte, welche sich Lehrpersonen zu Herzen nehmen sollten. Ich glaube, dass gerade die Reflektion sehr, sehr wichtig ist. Gerade diese wird nach mehrjähriger Unterrichtserfahrung vernachlässigt, da vieles zur Routine wird. Darüber hinaus sollte man immer offen für neue Ideen sein, welche den Unterricht verbessern könnten.
    Diese Punkte sollten sich Lehrpersonen jedes Semester durchlesen, um somit an sich zu arbeiten.
    Das Gedicht von Gryphius beschreibt die Vergänglichkeit des Irdischen. Niemanden ist es möglich, ewig zu leben. Somit sollte die Zeit sinnvoll genutzt werden. Gerade Lehrerinnen und Lehrer haben die Möglichkeit, die Welt der Kinder in positiver Weise zu verändern.

    14. Mai 2018
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  2. Havva T. sagte:

    Die Berührung !
    Die Seelen berühren können ist das Wesentliche. İch finde das ist eine Kunst, die nicht leicht zu machen ist. Muss man dafür begabt sein? Kann man es erlernen oder durch jahrelange Übungen erlangen? Meiner Meinung nach waere das Lehren ohne dieses Kunst wie eine Gemaelde ohne Farbe. Der Mensch sollte mit Farbe ein seelisches Miteinander ermöglichen. So wird ein „Regenbogen“ die Welt umarmen.

    21. Juni 2018
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    • Danke Havva! Ich denke, das kann jeder Mensch, der ein Gespür für Schwingungen zulässt. Abstand von sich selbst und tiefe Wahrnehmung des Anderen.

      22. Juni 2018
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  3. Amrita C. sagte:

    Moralische Wahrhaftigkeit! Diese Aufgabe kann Menschen zuweilen überfordern, aber nur Mut! Ich kann Sis Pied de la Zirbe nur Zustimmen. Es Bedarf insbesondere der Selbstreflexion und zwar nicht in erster Linie dessen, was man tut, hingegen vielmehr wie man es tut und aus welchen Beweggründen. Der Lehrfokus liegt somit nicht nur auf der Vermittlung von Bildungsinhalten im Sinne von in Tests und Klausuren abfragbaren Wissens, sondern im Sinne von Unterstützung der Ausbildung eines sich selbst wertschätzenden und sich vertrauendenden jungen Menschen. Der Proviant für die Lebensreise dieses Menschen ist im besten Fall ein mit zahlreichen positiven Erfahrungen gefülltes Beutelchen. Meine Aufgabe als begleitende Lehrperson sehe ich neben der Vermittlung von Fachwissen also auch darin, dieses Beutelchen mit Bedacht und Aufmerksamkeit zu füllen.

    4. Juli 2018
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  4. VS sagte:

    Wenn Sie die Seelen ihrer Schüler*innen berühren wollten, dann tun Sie dies mit der größtmöglichen Authentizität.

    Diesen Punkt sollten viele Lehrer*innen verinnerlichen. Mir ist kein einziger Unterricht aus meiner Schulzeit wirklich im Kopf geblieben da die Lehrer meiner Meinung nach nie wirklich aus tiefster Überzeugung vor der Klasse standen. Es gab einfach keinen Lehrer oder eine Lehrerin die mir wirklich die „Augen“ öffnete oder mich überzeugen konnte. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich eine ganz neue Form vom Unterrichten in der Uni erleben, bei einer bestimmten Dozentin. Man merkt es bei ihr einfach, dass sie es aus Leidenschaft tut und eine sehr ehrliche Art hat und das spüren auch die Kommilitonen, weshalb ihr Kurse oft regelrecht überfüllt sind. Solche Dozenten oder Lehrer prägen die Schul- und Unizeiten bzw. das Leben.

    6. Juli 2018
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    • VS! Die besagte Dozentin wird sich aufrichtig geehrt fühlen! Ein sehr persönlicher Beitrag, der die Notwendigkeit der Intensität aufzeigt!

      12. Juli 2018
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  5. David sagte:

    Sehr gute Punkte. Ich denke auch, dass Authentizität ist als Lehrperson unumgänglich ist. Kinder haben die Fähigkeit Ausgesetztheit sofort zu entlarven. In meiner Schulpraxis konnte ich dies beobachten. Ich musste Schülerinnen für etwas disziplinieren, wohinter ich gar nicht stand. Die Kinder erkannten sofort, dass dies nicht mein wahres Ich war.

    12. Juli 2018
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  6. Michael R. sagte:

    Ist die Unsterblichkeit nicht in jedem von uns, durch unser Handeln, gegeben? Gerade das Lehrerdasein ist von einer persönlichen Unsterblichkeit durchzogen. Noch heute kann ich mich an viele meiner Lehrer erinnern. Manche sind in meinem tiefsten Empfinden mit einer Unsterblichkeit bedacht, die sich auf schöne und gute Erinnerungen zurückführen lassen. Andere … wir wollen es so benennen … haben einen anderen Stellenwert der Unsterblichkeit erreicht.
    Wir müssen uns zu jeder Sekunde bewusst sein, was wir für Lehrkräfte sein wollen. Wollen wir unseren Schülern Momente schenken, in denen wir sie im tiefsten ihrer Seele ergreifen und Identifikation schaffen, oder wollen wir die Käseglocke sein, welche sich allumsorgend um das Individuum schließt und ein Kontinuum erschafft, in dem Entwicklung und Entfaltung manchmal erdrückend eingeschränkt sind. Denn, wenn wir uns selber reflektieren und definieren, dann können auch wir Lehrer es schaffen unsterblich zu werden.

    16. Juli 2018
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    • Ganz ganz großartig! In Stil und Nachdenklichkeit ein Genuss. Vor allem das Reflektieren über das eigene Selbst. Unabdingbar.

      17. Juli 2018
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  7. Richard.Luft sagte:

    Das Zitat beschreibt genau den Grund, durch den mir bewusst wurde, dass ich Lehrer werden möchte.
    Ich persönlich habe meine Lehrer von damals bis heute noch gut in Erinnerung und bin ihnen dankbar, dass sie zu dazu beigetragen haben, mich zu dem zu machen, der ich heute bin.
    Genau so möchte ich auch bei meinen zukünftigen Schülerinnen und Schülern im Gedächtnis verweilen.

    12. September 2018
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  8. Lena Put sagte:

    Ich habe vergangene Woche eine Einheit in der ersten Klasse unterrichtet. Anhand eines Bilderbuches „Die Wörterfrabrik“ thematisierten wir die Wertigkeit von Wörtern. So philosophierten wir, welche Wörter besonders wertvoll wären und vielleicht teuer verkauft werden würden und welche eher billig wären.
    Eine Schülerin meldete sich während dem Gespräch und sagte: „Liebe sollte ein billiges Wort sein“. Ich war darüber verwundert und fragte nach, warum sie dies meint. Schülerin: „damit man das häufiger Mama sagen kann“. Ein Moment, der mich nach wie vor ergreift und deutlich macht, dass Kinder manvhmal Gedanken haben, auf die Erwachsene nicht kommen und es sich lohnt, nachzufragen und sich wahrhaftig mit den Aussagen auseinanderzusetzen.

    13. Juni 2019
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  9. J. Oppelt sagte:

    Die Kinder zu unterrichten ist schon eine Herausforderung an sich und es kommt auch immer darauf an, welchen Anspruch man an sich selbst hat. Im Moment bin ich zwei mal die Woche in der Schule und der Blogeintrag spricht mir aus der Seele. Wir sind nur gute Lehrerinnen und Lehrer, wenn das was wir tun auch authentisch ist, die Kinder kaufen uns das sonst nicht ab. Wir sind solange wir mit den Kindern zu tun haben immer ihre Vorbilder und so müssen wir uns auch verhalten. Die Frage, die wir uns immer stellen sollten ist: Wer möchte ich als Lehrperson sein und welche Werte möchte ich meinen Schülerinnen und Schülern vermitteln und näher bringen?

    Wir formen die Kinder in ihrer Schulzeit mit und dies sollte uns immer bewusst sein.

    20. Juni 2019
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  10. Jakoba sagte:

    Die Unsterblichkeit des gelehrten Stoffes, macht den Beruf so interessant und gleichsam beängstigend.
    Da wir nicht wissen welche Herausforderungen (politische, persönliche, etc.) auf die SuS zukommen, brauchen wir eine Lehrmethode mit der wir sie gut auf die Herausforderungen vorbereiten können. Ich muss an dieser Stelle an Hannah Arendt denken, die dafür plädiert dass man sich sein eigenes Urteil bilden muss. Offensichtlich handelt nicht derjenige richtig, der sich besonders gut an die Regeln hält (was viele Erwachsene fälschlicherweise von Kindern erwarten), sondern derjenige der genau weiß was es bedeutet, zu leben, dass man bis zum Ende mit sich selbst (und den Konsequenzen seines Handelns) leben muss. Kinder verstehen, das vielleicht noch nicht so wie Arendt das verstanden hat. Dennoch glaube ich, dass es die Aufgabe von Lehrkräften ist, diese kritischen, hinterfragenden Gedanken der Kinder zu stimulieren.

    29. August 2019
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  11. Clarissa B. sagte:

    Ich kann dem nur zustimmen. Ich finde als Lehrende Person, sollte man sich darüber im Klaren sein, eine große, beeinflussende und vorbildfunktionale Rolle zu übernehmen. ich denke jedoch, der Schlüssel hierzu ist, eine wegleitende Aufgabe zu übernehmen und passende Einflüsse auf die Schüler auszuüben, um ihnen die Chance auf eine eigene geistige Entwicklung zu lassen.

    17. September 2019
    Antworten
  12. Marielena Vogt sagte:

    Sie haben sehr treffende Worte gefunden.
    Die Verantwortung die wir tragen ist enorm. Leider habe ich nicht sehr schöne Erinnerungen an meinen Grundschullehrer. Ich weiß nur noch das er fast immer schlecht gelaunt war und nicht wirklich emphatisch. Durch meine Grundschulzeit habe ich viele negative Erfahrungen gesammelt. Ich möchte bei meinen Schüler*innen genau das Gegenteil erreichen. Trotzdem erwische ich mich manchmal bei Momenten, in denen ich ungerecht handle. Ich bemühe mich sämtliche Situationen zu reflektieren um dann einen Fehler einräumen zu können.
    Kinder sind so zart beseelt und ein forscher Satz kann schon zu Ängsten und Unwohlsein führen. Jeder Tag sollte frisch und mit guter Laune starten, egal was am Vortag vorgefallen sein könnte.

    28. Oktober 2019
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  13. Ule sagte:

    Ich finde Sie haben das Toll umschrieben welche Verantwortung und Können eine Lehrertätigkeit umgibt. Jedoch habe nach ein paar Monaten Tätigkeit als Vertretungslehrer eher die Bugsen voll bei der Vorstellung an das Ref. und danach. Ich denke die ersten Jahre werden eine Kür und hoffe, dass ich mir dann irgendwann ein Standing und Können erarbeitet habe solch hohen Ansprüchen wie oben beschrieben, zu genügen. Hoffentlich.

    3. Februar 2020
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    • Ule, diese Zweifel kann ich sehr gut nachvollziehen. Sie gehören aber zum Anstieg ‚gradus ad parnassum‘ dazu. Ich glaub, zuerst kommt die Pflicht und dann die Kür (zumindest im Eiskunstlauf)!
      Und vertrau dir und deiner BUXE, mein lieber Lehramtsanwärter!

      4. Februar 2020
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  14. Katja Walzer sagte:

    Das ist es wohl womit wir Lehrer oft zu kämpfen haben. Wir denken darüber nach, welche Lehrpersönlichkeit wir darstellen wollen. Oft schwirren Fragen im Kopf wie:
    Bin ich zu strenge oder nicht streng genug? Werde ich allen Schülern gerecht und/oder ist das überhaupt möglich?
    Doch anstatt sich selbst so unter Druck zu setzen sollten wir erst einmal versuchen uns selbst darzustellen und nicht in eine Rolle voller Erwartungen zu schlüpfen.
    Druck gibt es zu genüge und wenn wir uns in unser kindliches Ich mal zurückversetzen und uns daran erinner welche Lehrer und Lehrerinnen uns im Gedächtnis geblieben sind und weshalb, dann wird uns doch schnell bewusst, dass es meist die waren die sich nicht verstellen mussten. Die Lehrenden, die motiviert waren und dessen Menschlichkeit für uns Lernenden sichtbar war.

    4. März 2020
    Antworten
  15. Casandra Bonowsky sagte:

    Ich glaube hier gilt es auch einen Drahtseilakt zu beschreiten. Kritisch und selbstreflektiert aber nicht zu überehrgeizig, engagiert und streng (gegen) mich zu sein. Ich denke es geht darum Fehler zu erkennen, zu reflektieren und sich neue Strategien für die Zukunft zu überlegen, doch auch so flexibel und spontan zu sein, diese selbstsicher zu verlassen. Hierbei stelle ich mir die Frage, wie viel gebe ich wirklich von mir preis und wie schaffe ich es eine fiktive Geschichte zu meiner eigenen zu machen? Das ist wohl eine Herausforderung der man sich stellen muss. Ich wünsche mir den Schüler*innen ein positives, beständiges und nachhaltiges Fundament, sowohl auf schulischer als auch auf menschlicher Ebene zu bieten. Man soll ja immer nach größerem Streben…

    8. März 2020
    Antworten
  16. Linda K. sagte:

    Dieser Beitrag ist mitunter mein Favorit!
    Wahre und wichtige Worte, dass der Lehrberuf mit einer enormen Verantwortung einher geht. Noch wichtiger ist der Punkt, dass man zu jederzeit kritisch mit sich selbst sein sollte und sein Handeln stets reflektieren sollte. Dies sagt meiner Meinung nach auch, dass man nicht immer 100% richtig reagiert, jedoch, dass man draus lernen kann und es beim nächsten Mal besser macht.
    Besonders schön finde ich es auch, einmal intensiver drüber nachzudenken, dass man junge Menschen nachhaltig prägen kann/wird und dass man deswegen sorgfältig und verantwortungsbewusst mit ihnen umgeht. Die Ausgangslage ist, wenn man mal drüber nachdenkt, wahnsinn: Wenn man sich der Verantwortung bewusst ist, so kann kann im Laufe der Zeit sehr viele Menschen bewegen und deren Leben im Idealfall bereichern. Wie bereits auch in anderen Beiträgen erwähnt: Authentizität ist ein großes Stichwort nicht nur im Lehrberuf, sondern für alle!

    30. März 2020
    Antworten
  17. M. Fahle sagte:

    Dieser Beitrag trifft es richtig auf den Punkt. Wir als Lehrkräfte sollten uns nicht verstellen, denn so etwas merken Kinder. Und wir haben eine große Verantwortung für den weiteren Lebensweg von Kindern, da wir sie negativ oder positiv mit unserem Handeln prägen können. Anfangs mögen wir noch nicht mit der großen Verantwortung umgehen können, aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können. Außerdem habe ich von einer anderen Dozentin gelernt, dass man nicht immer einen guten Tag haben muss, aber die Kinder an solchen Tagen einfach fragen sollte, was sie denn gerne heute machen möchten und was sie interessiert. Wir sind schließlich auch nur Menschen und müssen nicht perfekt sein, sondern einfach wir selbst.

    30. März 2020
    Antworten
  18. Anastasia sagte:

    Vollkommen richtig. Man sollte nie unterschätzen, was eine aus unsrer Sicht schnell vergessene zu harsche Ermahnung hinterlassen kann. Klar, alles auf der Welt hinterlässt Spuren und es wird nicht einfach sein 24 Stunden am Tag andre nur positiv zu beeinflussen- wir sind auch nur Menschen mit Menstruationsbeschwerden und Erektionsstörungen. Trotzdem schadet eine Selbstreflexion am Ende jeden Tages nicht.
    Auch zu dem Stichpunkt die Schüchternen ermutigen und die Aufdringlichen zähmen fällt mir Laotses Dao ein. Man sollte immer die Mitte erreichen und Harmonie herstellen wollen.

    LG Anastasia

    10. April 2020
    Antworten
  19. Luisa-Sophie W. sagte:

    Großartig! 100% meine Meinung!
    Nun fällt es mir ehrlich gesagt schwer, dem noch etwas hinzuzufügen, denn ich möchte mich ungern wiederholen. Und dennoch, sehe ich auch hier wieder eine Verbindung zur Rollentheorie und deren Weiterentwicklung zum Impression Management von Goffman. Heutzutage wird von den Lehrpersonen, in jeglicher Hinsicht, Tranzparenz verlangt. Eine schwere Aufgabe, vor allem wenn man sein Handeln unter Druck rechtfertigen und begründen muss. Wir sollten unsere Selbstdarstellung hinterfragen, wer oder was möchten wir für unsere SchülerInnen sein, wie sollen sie uns wahrnehmen und was für eine Lehrkraft würden wir uns wünschen, wären wir an Stelle der Kinder. Wir tragen so viel Verantwortung, wären wir dann nicht töricht, wenn wir uns der Lehrerrolle nicht wahrhaft, ehrlich und authentisch stellen würden!?

    11. April 2020
    Antworten
  20. Savocha sagte:

    Auch als Lehrer kann man so viel bewirken, mehr als uns manchmal bewusst ist. Ich habe einen Artikel einer Lehrerin gelesen, in der sie von der Übernahme einer Klasse berichtete, in der ein Schüler saß, den sieüberhaupt nicht ausstehen konnte. Er kam aus schwierigen sozialen Verhältnissen, er roch für sie unangenehm und hatte schlechte schulische Leistungen, auch Freunde zu finden fiel ihm schwer. Aufgrund eines Unterrichtsthemas, in dem es um schenken und beschenkt werden ging, änderte sich ihre Meinung plötzlich. Sie fühlte aufgrund einer Äußerung von ihm tief berührt und erkannte, dass sie die ganze Zeit nur an sich gedacht hatte, ohne dabei zu reflektieren und zu versuchen etwas zu ändern. Um es kurz zu machen, sie nahm sich mehr Zeit für den Schüler und versuchte die Beweggründe zu verstehen. Sie sensibilisierte die ganze Klasse und erreichte diesen Schüler plötzlich und auch die anderen Schüler sich mit ihm anzufreunden. Die ganze Klasse veränderte sich ab diesem Zeitpunkt zunehmend positiv. Der besagte Schüler schrieb Jahre später einen Brief, in dem er ihr mitteilte, dass ihr Verhalten sein Leben bestimmt hat und er aufgrund ihres Vertrauens und der Aufmerksamkeit, des Verständnisses und der Motivation ihrerseits er immer an sich geglaubt hat und deshalb heute Danke sagen will, da er ohne sie niemals da wäre wo er heute steht. Ich fand diesen Artikel beeindruckend und ich bin sicher, dass es schon kleine Dinge sein können, die den Unterschied machen und etwas Unsterblich werden lassen.

    23. April 2020
    Antworten
  21. Luna Grökel sagte:

    Ein sehr interessanter Beitrag. Beim lesen kam es mir ein wenig wie eine Bedienungsanleitung für das Verhalten von Lehrkräften. Einige Punkte, wie zum Beispiel die moralische Haltung, sind für viele selbstverständlich. Aber bei dem Nachdenken über dieses Thema, fiel mir auf, dass der Lehrerberuf ein sehr privaten Charakter hat. Damit meine ich, man kann den Kindern nicht vormachen etwas zu sein, was man privat nicht ist. Ich arbeite nun seit einem Jahr als Lehrerin an einer Schule und merke, dass das Unterrichten einen Einfluss auf meinen privaten Charakter, beziehungsweise mein verhalten hat. Es ist auf jeden Fall ein Beruf, der die Leben von Schülern prägen kann und deshalb so sorgfältig ausgeübt werden sollte.

    11. Mai 2020
    Antworten
  22. Franziska Ernst 5295504 sagte:

    Mich wundert ehrlich gesagt ihr Einstieg in den Artikel mit dem Zitat von Hannah Arendt. Natürlich und unumstritten ist sie eine der großen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts und ich persönlich bewundere sie sehr. Allerdings teile ich insbesondere ihre Haltung zum Kind und zur Erziehung oft nicht. Gestern besuchte ich die Hannah Arendt Ausstellung im DHM, in der ich einen Interviewausschnitt zu „Little Rock“ mit ihr gehört habe. Nicht nur, dass sie in der Sache selbst falsch lag, was jedem passieren kann, der sich eine eigene Meinung leistet, sondern die Art und Weise wie sie über Kinder sprach, so als seien sie das Eigentum der Erwachsenen ist denke ich, nicht nur nicht zeitgemäß, sondern widerspricht auch zum Beispiel dem Artikel, den sie über das Philosophieren mit Kindern verfasst haben.
    Trotz alledem ist sie aber natürlich ein hervorragendes Beispiel für Haltung und Authentizität. Und diese sollten, wie in den vorangegangenen Kommentaren von meinen Kommiliton*innen bereits erwähnt, bei einer Lehrkraft vorhanden sein. Die Authentizität wird benötigt um die Kinder wirklich und wahrhaftig zu berühren aber auch, um mich als Lehrkraft zu schützen und meine Resilienz zu stärken. Um bei H. Arendt zu bleiben, sollte ich immer mal wieder in den „Dialog mit mir selber“ gehen um meine eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und zu reflektieren, aber auch meine Grenzen zu kennen. Eindrucksvoll ist mir zum Beispiel der erste Elternabend meines Sohnes mit einem neuen Klassenlehrer in Erinnerung geblieben. Zur persönlichen Vorstellung hat er ein Stärken/Schwächen Profil von sich erstellt, in dem er klar umrissen hat, was die Kinder von ihm erwarten und können und was er nicht leisten kann und wo er auf die Unterstützung der Eltern angewiesen ist.
    Einen weiteren Aspekt möchte ich noch zur Authentizität anbringen. Als ich letztes Jahr im Praktikum an einer Grundschule war ist mir die Lehrersprache aufgefallen. Nahezu alle Lehrkräfte sprechen so, als ob sie durch das gleiche Coaching gegangen wären. Durch Sprache kommunizieren wir und bauen eine Verbindung/Beziehung zu den Schüler*innen auf, sollte nicht besonders diese authentisch und unangestrengt sein?

    17. Mai 2020
    Antworten
  23. Chelsea D. sagte:

    Ich mag mich hier vielleicht wiederholen, aber die letzten Beiträge sind für mich ineinander übergehend und eher als Ganzes zu sehen, als getrennt zu betrachten.
    Der Aspekt, der hier aber noch einmal individuell aufzugreifen ist, ist für mich mit der Verantwortung umzugehen, die einem als Lehrkraft übertragen wird. Tatsächlich ist es für mich ein besonderes Glück die Möglichkeit zu haben, unsere nachfolgende Generation in diesem großen Maße zu prägen. Dieses Gefühl sorgt dafür, dass man Nichts falsch machen will, alle Inhalte korrekt auszuwählen und den Schülern möglichst viel mitgeben zu wollen. Andererseits kann genau das sicher auch zu einer großen Belastung werden, wenn man sich zu sehr unter Druck setzt und seinen eigenen Forderungen nicht gerecht werden kann.
    Daher finde ich hier die Verbindung zum Emotionalen auch wieder sehr wichtig, da oft der emotionale Weg der ist, der den Druck nimmt und gleichzeitig auch das Gefühl vermitteln kann, alles richtig zu machen.
    Letztendlich ist dieses Ganze eine ewige Philosophie, die kaum ein Ende finden kann und sollte.

    29. Mai 2020
    Antworten
  24. Vivian B. sagte:

    Ich denke der Schlüssel um dies professionell zu schaffen ist eine ehrliche und konstruktive Selbstreflexion. Nicht nur LehrerInnen, aber gerade Menschen in sozialen Berufen, sollten sich täglich reflektieren. Was lief heute gut? Was kann ich morgen verbessern? Was kann mein Körper/ mein Geist leisten? Verlange ich zu viel von mir/ meinen SchülerInnen? Kann ich mir bei meinen KollegInnen Hilfe holen? Was brauche ich? Was brauchen meine SchülerInnen? Zu der Selbstreflexion sollte meiner Meinung nach auch die Fremdwahrnehmung der SchülerInnen dazu kommen. Hierfür könnten Beobachtungsbögen ausgeteilt, kleine Feedback-Runden eingeführt oder kurze „Blitzlichte“ genutzt werden.

    „Wenn Sie die Seelen ihrer Schüler*innen berühren wollten, dann tun Sie dies mit der größtmöglichen Authentizität.“ Diesen Punkt finde ich besonders wichtig. Ich denke gerade junge Menschen haben ein besonders gutes Gespür für Authentizität. Sich durchgehend zu verstellen bring in solchen Berufen, ja sogar im ganzen Leben, relativ wenig. Auch hierfür kann die Selbstreflexion helfen.

    17. Juni 2020
    Antworten
  25. Ina Zarah S. sagte:

    „…weit länger also, als Ihr eigenes währt.“ Ihr Halbsatz hat mir hier ein weiteres Mal die Auge ein Stück weiter geöffnet. Oft vergisst man wohl, was man mit gutem aber auch schlechtem Unterricht und allem, was darüber hinaus geht für einen Einfluss auf das Leben der Schüler*innen hat. Gerne möchte man sich doch vorstellen, wie die eigenen Lernenden selbst einmal ihren Kindern und Enkelkindern von ihren tollen Lehrer*innen erzählen, so wie auch einige von uns es mit Sicherheit tun werden. An einige seiner Lehrkräfte erinnert man sich selbst, nimmt sie sich vielleicht als Lehramtsanwärter*in schon als Vorbild und greift hieraus Ziele für die eigene Lehrpersönlichkeit.
    Wichtig finde ich hier vor allem Authentizität, ohne die ich mir gutes Unterrichten kaum vorstellen kann. Aber auch Selbstreflexion, die wohl so konstruktiv wie möglich sein muss, so abwechslungsreich wie möglich und auch unter Einbeziehung der Schüler*innen. Jeder erfolgreiche Weg kann immerhin nur entstehen, wenn man auch den zurückgelegten betrachtet und Erkenntnisse daraus auf den vor einem liegenden Weg übeträgt.

    21. Juni 2020
    Antworten

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