Die Sinnlichkeit der Lehre

Werde, der du bist (Pindar).
zarathustra

 

  • Wählen Sie große, attraktive Bildungsszenarien (ich sagte es schon, ich weiß). Dennoch erlebe ich diese Szenarien zu selten!
  • Verlassen Sie die Schematismen und fragen Sie sich: „Wie viel Rahmen lässt der Rahmenlehrplan?“
  • Verwandeln Sie spontan Klassenräume, Pausenhöfe, Treppenhäuser, Mensen etc. in Räume des Performativen. (Selbstverständlich ohne die Arbeit Ihrer Kolleg*innen zu beeinträchtigen).
  • Theatralisieren Sie ihren Unterricht. Das gelingt auch in den naturwissenschaftlichen Bereichen (Hauke Straehler-Pohl).
  • Erfahren Sie die Natur und ihre Phänomene intensiv und leidenschaftlich. Setzen Sie diese in einen komplexen ästhetischen Kontext
  • Stürmisches Wetter, ‚La Tempesta di Mare‘, Shakespeares ‚Sturm‘ und ‚wuthering heights‘ ergeben ein dramatisches Ensemble farbenreichen Seelenlebens.
  • Über diesen sehr emotionalen Weg kann eine hohe Sensibilisierung für den Schutz der uns umgebenden Welt gelingen.
  • Lauschen Sie der Nachtigall und lesen sie dazu ein Liebesgedicht. Z.B. Eichendorff: „Übern Garten, durch die Lüfte hört ich Wandervögel ziehn…“.
  • Fordern Sie ihre Schüler*innen auf, die Abenddämmerung wahrzunehmen. Lesen Sie Rilke: „Der Abend wechselt langsam die Gewänder, die ihm ein Rand von alten Bäumen hält…“.
  • Denken Sie über die Facetten von Einsamkeit in unserer überlauten, vulgären Gesellschaft nach und lassen Sie das Gemälde ‚Eichbaum im Schnee‘ von Caspar David Friedrich auf sich und Ihre Lernenden wirken.
  • Hören Sie ‚Also sprach Zarathustra‘ (zumindest den Anfang) und regen Sie Ihre Schüler*innen dazu an, mutige Lebensentwürfe zu kreieren.
  • Auch wenn wir scheitern, sollte der Plan für unser Leben ein großer gewesen sein.
  • Und damit sind nicht Dollars, Dirnen, dicke Cars gemeint. Es gilt, die eigentliche Aufgabe der menschlichen Existenz wieder in den Mittelpunkt einer tiefgründigen Nachdenklichkeit zu stellen: ‚Werde, der du bist‘. γένοι‘ οἷος ἐσσὶ μαθών.
Bildquelle: https://www.google.de/search?q=also+sprach+zarathustra&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwj1oeqvnfXhAhVQ-6QKHfZlBjwQ_AUIECgD&biw=1630&bih=911#imgrc=nKLq2sGqeoHMUM:&spf=1556538399706

13 Kommentare

  1. J. Oppelt sagte:

    Wohl war..
    Dieser Beitrag gibt viele Vorschläge wie man das Performative in die Schule bringen kann. Mir persönlich fällt es noch ein bisschen schwer aus meiner Haut zu kommen und dies mit der Leidenschaft durchzuführen (später, wenn ich selbst meinen Unterricht plane) wie es dieser Beitrag rüberbringt. Trotzdem bin ich der Meinung, das es unbedingt notwendig ist die alten Kunstwerke von Rilke, Eichendorff, Shakespeare und vielen mehr so lebendig wie möglich und so lebensnah wie möglich den Kindern näherzubringen, sonst werden sie nie dafür eine Muse haben.

    5. Juni 2019
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  2. Lena Put sagte:

    Poetische Texte nachzuempfinden, gerade auch Schilderungen von Natur, werden erst dann gänzlich nachvollziehbar, wenn man sie erlebt hat. Deswegen erscheint es mir als sehr sinnvoll sich mit den Kindern – z.B. bei einer Klassenfahrt – anzuschauen, wie „der Abend seine Gewänder [wechselt]“. Die poetischen Ausdrücke, wie z.B. Personifikationen, erlangen damit eine Aussagekraft.

    24. Juni 2019
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  3. Jakoba sagte:

    Danke für die schönen Tipps!
    Bei den Facetten von Einsamkeit fällt mir auch ein, dass man im Englischunterricht (auch in der Grundschule) schon über die Unterschiede von „loneliness“ und „solitude“ philosophieren könnte. Oder über die Doppeldeutigkeit von Wörtern wie „gift“ (Englisch: Geschenk). Oder die deutsche Bedeutung von „selbstbewusst“ und die englische Bedeutung von „self conscious“.
    An diesen Stellen könnte man Philosophie Englisch und Deutsch gleichzeitig behandeln.

    29. August 2019
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  4. Clarissa B. sagte:

    Ich denke die Aufgabe aus dem „Rahmenlehrplan zu fallen“ ist leichter gesagt als getan. Wie so oft fühlen sich viele Menschen innerhalb ihrer Pläne und Strukturen sehr wohl und gefestigt. Das Wagen des Herantastens an etwas Neues ist für viele ein riskanter Schritt. Gerade aber in der Schule, wo doch Individualität gefördert werden sollte, finde ich, dass es mehr als angebracht wäre, den Weg aus den Zwängen zu wagen und nach Leidenschaft und Menschlichkeit zu Lehren.

    2. September 2019
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  5. Marielena Vogt sagte:

    Werde, der du bist… ein wirklich wunderschöner Satz. So wie Sie die Lehre beschreiben entstehen tolle Bilder in meiner Phantasie. Jeder Ihrer Beitrage regt mich dazu an, die Beste Lehrer*innen-Version zu werden die ich sein kann.
    Ihre Leidenschaft wird durch die Wahl Ihrer Wörter sehr deutlich. Ich stelle mir einen Unterricht mit einer solch Leidenschaftlichen Lehrkraft überaus erfüllend vor. Leider verlernen wir Erwachsenen zu staunen. Sich die Welt um uns herum genausten anzuschauen und uns von ihrer einzigartigen Schönheit faszinieren zu lassen. Kinder machen dies ununterbrochen. Während eines Spaziergangs bleiben Kinder immer und immer wieder stehen und staunen, über eine Ameise die ein großes Stück Blatt mit sich trägt, oder einem Löwenzahn, der sich seinen Weg durch den Beton gesucht hat oder aber über eine Wolke die wie ein Schaukelpferd aussieht. Wir Erwachsenen sind es, die das Kind bei der Hand nehmen und immer wieder diese Momente unterbrechen. Im Laufe der Jahre bleiben die Kinder immer seltener stehen, bis sie dann irgendwann Kopflos durch die Straßen der Stadt rennen. Durch solch einen Leidenschaftlichen Unterricht, ermutigen wir die Schüler*innen nie aufzuhören zu staunen.

    1. November 2019
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    • Danke Marielena! Besonders der Hinweis auf die Leidenschaft ist wichtig! Insgesamt sehr erfüllende Kommentare!

      1. November 2019
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  6. Katja Walzer sagte:

    Nachdem ich vor Kurzem die Gelegenheit hatte selbst unterrichten zu dürfen, finde ich diese Tipps sehr hilfreich. Ich habe zur Zeit das Gefühl, dass der RLP uns viele Freiheiten lässt und wir uns selbst oft einfach trauen müssen aus dem Unterricht MEHR zu machen. Und auch wenn wir uns in den Lehrwerken oder dem Lehrmaterial von Kollegen sicher und wohl fühlen, sollten wir versuchen(und sei es erst nur in kleinen Schritten) unsere ‚comfort zone‘ zu verlassen. Denn wenn man dass erst einmal zulässt und auch bereit ist seine vorgefertigten Pläne anzupassen, kann ein wirklich toller, ideenreicher und auch für uns Lehrende inspirierender Unterricht entstehen. Mir ist dadurch auch aufgefallen, dass es uns dann möglich ist manche Schüler von einer ganz anderen Seite zu erleben und sie dadurch nicht in ihren vorher festgesetzten Rollen stecken bleiben.

    2. Februar 2020
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  7. Ule sagte:

    Ich finde wir dürfen hier über all die schönen Worte nicht die gute Nahrung vergessen… Die kann auch ein großer Anstoß zum Austausch sein und Anlass zum sinnieren.
    Was aßen die Römer, heute kochen wir wie die Höhlenmenschen… (Aspekt gelöscht von Zirbe), was wurde dem Sultan augetafelt…. Ein Sinnen berauschende selbstgemachtes Festmahl kann auch nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
    Dazu King Goethe:
    „Kein Genuß ist vorübergehend; denn der Eindruck, den er zurückläßt, ist bleibend.“

    5. Februar 2020
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    • Ule sagte:

      Lieber Ule du hast vergessen zu betonen welchen Mehrwert solch ein Essen noch bei den SUS hinterlässt, wenn Sie gar kaum selbst gekochtes kennen und eher von der Sparte Dosen Ravioli und MC…. sind.

      5. Februar 2020
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  8. Antonia Lüttgert sagte:

    „Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“
    (Galileo Galilei)

    Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit zurück erinnere, muss ich leider sagen, dass mein Schulunterricht nicht sonderlich innovativ oder mitreißend war. Gedichte beispielsweise wurden lediglich auswendig gelernt und monoton vor der gesamten Klasse vorgetragen. Von ALLEN! Mein persönliches Fazit: Nicht sonderlich gewinnbringend oder erfrischend.
    Daher erwische ich mich als Lehramtsstudentin auch immer wieder bei dem Gedanken und der Frage, wie ich den Unterricht für meine zukünftigen Schüler*innen gestalten kann, so dass er Freude vermittelt und gleichermaßen fesselnd und lehrreich ist. Dabei stelle ich häufig fest, dass dies, aufgrund mangelnder eigener Erfahrungen, eine wirklich große Herausforderung für mich darstellt und freue mich immer wieder über solche Beiträge oder entsprechende Veranstaltungen in der Uni.
    Im Rahmen eines Seminars an der Uni durften wir z.B. die performative Gestaltung von Unterricht aus der Sicht der Schüler*innen selbst erleben und waren – wenn auch nicht alle von Beginn an – begeistert.
    Unsere Aufgabe, das antike Märchen „Amor und Psyche“ in einer Gruppe in die heutige Zeit zu adaptieren und daraus ein kleines Theaterstück oder einen kleinen Film zu gestalten stellte uns alle zunächst vor eine riesige Herausforderung. Wie? Wo? Was? Wann? Es gab so viele Fragen, die es zu klären galt. Die intrinsische Motivation, am Ende ein gutes Ergebnis vorstellen zu können und die Offenheit der Aufgabenstellung ließen unsere Ideen jedoch förmlich übersprudeln. Jede von uns konnte ihren persönlichen Beitrag leisten und insbesondere beim Dreh des Films haben wir gemeinsam gelacht, über Problemen gebrütet und uns über zündende Ideen gefreut. Schlussendlich konnten wir ein gelungenes Ergebnis vorstellen und werden die Geschichte von Amor und Psyche, aber auch die von den anderen Gruppen performativ umgesetzten Märchen und Mythen so schnell wohl nicht vergessen.

    Ihr Vorschlag, Gedichte oder auch für Kinder nicht immer gleich als fesselnd empfundene griechische Sagen oder antike Märchen performativ zu gestalten ist meines Erachtens für die Schüler*innen, aber auch für die Lehrkraft selbst, aufregend und beflügelnd und bietet gleichzeitig so viel Potential.
    Trotz heterogener Vorerfahrungen und (in diesem Falle auch ganz wichtig und nicht zu unterschätzen) heterogener Persönlichkeiten holt diese Aufgabe alle Schüler*innen ab und bietet individuellen Raum zur persönlichen Weiterentwicklung. Kinder, die noch keinerlei Berührungen mit dieser Art von Literatur hatten, beschäftigen sich mit den mitunter schwierigen Texten aus einem ganz neuen Blickwinkel und aus einer vollkommen anderen Motivation heraus. Eher zurückhaltende Mitschüler*innen hingegen sehen die größte Herausforderung möglicherweise in der performativen Umsetzung und haben die Möglichkeit, ihnen nicht bekannte Stärken zu entdecken und über sich hinaus zu wachsen.
    Die performative Gestaltung von Unterricht ist meiner Meinung nach eine herausfordernde, animierende, spannende und mitreißende Methode mit hohem und vor allem anhaltendem Lerneffekt, die sich u. a. positiv auf die Gruppendynamik und vor allem den Selbstwert des einzelnen auswirken kann.

    16. Februar 2020
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  9. Ana María Díaz sagte:

    Das Performative spielte in meiner Schulzeit fast keine Rolle. Deshalb ist das für mich heute eine große Herausforderung.
    Mit diesen Tipps hat man auf jeden Fall neue Ideen für den zukünftigen Unterricht aber am hilfreichsten sind für mich die Erfahrungen, die man beispielsweise in der Schule sammelt. In der Universität habe ich mich für das erste Mal mit der Pädagogik des Performativen auseinandergesetzt und somit habe ich mich getraut eine Rolle zu spielen und die Wichtigkeit Bildungsszenarien in der Schule zu kreieren besser verstanden.

    18. Februar 2020
    Antworten
  10. Lena sagte:

    „Werde, der du bist“ – Ein tiefgründiger Satz, gedacht als Abschlusswort, um das Gelesene wirken zu lassen. Doch auch ein Satz, der für den Anfang geeignet ist, da die Pädagogik des Performativen zeigt, wer man sein kann. Mein erster Gedanke an dem Tag, als ich mit meinen Kommilitoninnen das Werk „Amor und Psyche“ ins Bildhafte umsetzte und neu interpretierte war: Ich bin Venus, die Göttin der Schönheit und Liebe. Es fiel mir leicht, sie zu sein und das überraschte mich sehr. Innerhalb weniger Sekunden fand jede von uns ihre Rolle, es gab keine Diskussion oder Zweifel daran. Wir waren sie von Anfang an.
    Und so schnell geht es – die metallische Wendeltreppe hoch zur Wohnung ist keine Treppe mehr, sie ist der Berg, auf dem Psyche den Herrn der Winde Zephyr trifft. Auch, wenn der Himmel wolkenlos ist, sehen wir das Wetter als stürmisch, denn die Dramatik in dieser Szene lässt es uns sehen. Diese Küche ist keine Küche, sie ist ein pompöser Saal, der einer Göttin der Schönheit gerade so gerecht werden kann. In der Zeitung kann ich es plötzlich schwarz auf weiß lesen: „Die Göttin der Schönheit wurde abgelöst.“ Ich kann die Empörung fühlen und das Beben in mir.
    Erwachsenen fällt es oft schwerer als Kindern, diese Positionen einzunehmen, genauer hinzusehen oder gar das sehen zu können, war gar nicht da ist. Oder ist es das doch? Kinder sehen es jedenfalls und das Annehmen anderer Rollen sowie das Sehen von mystischen Orten in beispielweise einem Spielplatz gehört für sie zum Alltag. Ich denke dabei an meine Kindheit, in der mich und meine beste Freundin jede Pause Pferde begleiteten und wir Springturniere absolvierten. Dies gerät mehr und mehr in Vergessenheit – es verlangte im Unterricht aber auch niemand von mir. Eine Legende oder eine Geschichte waren nur eine Legende oder eine Geschichte – mehr nicht. Wäre ich selbst Faust gewesen oder hätte einmal die Zerrissenheit von Gretchen nachempfinden können, was hätte ich diese Tragödie verinnerlicht. Ich hätte es selbst einmal gelebt und dadurch vermutlich gesehen. Fausts Leidenschaft nicht nur rauslesen, sondern die Leidenschaft werden. Wie wichtig das ist, hat mir diese Erfahrung gezeigt, die nun über ein Jahr her ist und mich trotzdem noch begleitet. Bedenken, es nicht gut oder nicht richtig umsetzen zu können, verschwanden so schnell, denn es war unsere Geschichte, als hätten wir einen Teil neu erfunden.
    Die Personen, die wir in all den Werken finden sind ebenso heterogen wie die Schüler*innen, denen wir als zukünftige Lehrer*innen jeden Tag im Unterricht begegnen werden. Sie können jemand sein, der sie ohnehin immer sind, haben aber auch die Möglichkeit, herauszufinden, was sie sonst noch sein können und sein werden. Hier findet neben persönlicher Weiterentwicklung auch die Berücksichtigung der Individualität der Lernenden statt. Die Pädagogik des Performativen schult die Lernenden demnach auf der Wissens- und Informationsebene, was natürlich ein wichtiger Aspekt im Deutschunterricht und für den Bildungsverlauf darstellt. Darüber hinaus, wie meine eigene Schulzeit zeigt, können die Themen den Lernenden wirklich nahegebracht werden – so nah, wie es kein Vorlesen und keine schriftliche Interpretation schaffen wird. Kompetenzen, so wie wir es erleben konnten, werden zudem im Bereich der Kommunikationsfähigkeit und in der Selbstständigkeit geschult. Unser Teamgeist war nach acht Stunden gemeinsamer Arbeit so hoch wie gefühlt noch nie und das war ein schönes Gefühl.
    Eines, das wir bei uns behalten. Es klingt merkwürdig, aber es fühlt sich an, als wäre ein Stück Venus in mir geblieben. Eben, weil ich sie wirklich war.

    20. Februar 2020
    Antworten

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